Donnerstag, 22. Februar 2018

mehr als wir erbitten.

Müde komme ich vom Krankenhaus zurück und stürze fast über das große Paket das Heio ins Schlafzimmer gelegt hat. Gespannt mache ich es auf und finde: die zweite Auflage von meinem ersten Buch!



Ein Grund zum Feiern! (in diesen Tagen nutzen wir jeden kleinen Grund um zu feiern und Gott zu danken). Das Buch sieht genau gleich aus wie das Erste, allerdings ist auf der letzten Seite noch ein bisschen mehr Text. Weil Gott manchmal ein bisschen mehr tut als wir uns vorstellen können. NIEMALS hätte ich gedacht, dass meine Geschichte auch Menschen anspricht die mit dem Glauben nicht viel zu tun haben. Es ist ja schließlich kein evangelistisches Buch. Einfach nur mein Leben. So wie es ist. Aber vielleicht ist es gerade das was ein Brückenschlag in manche Leben sein kann, die mit Jesus noch nicht so viel anfangen können. Die aber das Stolpern kennen. Der Wunsch geliebt sein zu wollen für das was wir sind, wenn niemand hinschaut. Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall bekam und bekomme ich immer mal wieder so eine Rückmeldung: "Ich wünschte ich könnte auch so glauben." Und immer öfters werde ich eingeladen vor einem Publikum zu lesen die so gar nichts Jesus zu tun haben. Und erlebe dabei so erstaunliche Momente wie die innige Umarmung einer muslimischen Oma die mir mit Tränen in den Augen für meine "Jesusgeschichte" dankt. Gott ist so viel größer als wir uns vorstellen können!
Ich muß an die Worte von F. Buechner denken, die ich hier auch schon zitiert habe:
 Meine Geschichte ist wichtig, nicht etwa deshalb weil es meine Geschichte ist - weiß Gott nicht! - sondern weil die Chancen groß sind, dass andere darin ihre Geschichten erkennen können, wenn es mir gelingt die meinige richtig zu erzählen.

Es ist wie auf den Blogs in denen ich so gerne lese. Oder wenn wir mit Menschen zusammensitzen und plötzlich teilen wir ganz ehrlich etwas von unserem Leben mit: Wir haken uns mit unserem Erleben unter, machen einander Mut und erklären dass wir geliebt sind und erwartet werden. Gott macht aus unseren, meist so ganz gewöhnlichen Leben, einen Segen. Und - das lerne ich gerade - wir sollten ihn nicht auf eine bestimmte Personengruppe begrenzen! Oder auf unsere Comfort-Zone. Er kann so viel mehr tun als wir uns vorstellen und von ihm erbitten können! 

Deshalb ist also der folgende Text auf der letzten Seite der der neuen Auflage. Und vielleicht habt ihr ja beim Lesen jemand im Kopf, dem ihr eine Begegnung mit Jesus wünscht. Der vielleicht durch mein Stolpern ein wenig Mut fassen könnte für seine eigene Geschichte. Oder vielleicht könnte das Buch ein Einstieg für ein Gespräch über Jesus sein; für deine Geschichte mit ihm:
Dies ist meine Geschichte. EINE Geschichte von den vielen die sich entschieden haben Jesus hinterher zu gehen (bzw. hinterher zu stolpern). Und wenn der eine oder andere vielleicht wehmütig denkt: So würde ich auch gerne glauben können!“, dann möchte ich noch hinzufügen: Glaube ist nicht etwas, was nur ein paar frommen Menschen vorbehalten ist. Es ist ein Geschenk, um das wir Gott bitten dürfen, auch wenn wir vielleicht noch nicht einmal davon überzeugt sind, ob es ihn überhaupt gibt. Dann bitten wir ihn damit eben auch, sich bemerkbar zu machen. Und dann können wir Ausschau nach ihm halten, auch wenn wir vielleicht das Gefühl haben, als würden wir eine riesige Menschenmenge nach einem Fremden absuchen. Aber wenn unser Blick auf ihn fällt, dann wissen wir, dass er der Freund ist, auf den wir gewartet haben. Gott findet uns. Mitten in unseren Geschichten...Er hat tausend, nein sieben Milliarden Wege, sich bemerkbar zu machen. Durch einen Kloß im Hals, ein Vermissen, durch Frieden, Trost, eine tiefe Umarmung. Er taucht auf zwischen den knisternden Seiten der Jesusgeschichten in der Bibel, durch eine hellen Gedanken, ein Herzklopfen, ein Erkennen: Er ist da. Er war schon immer da. Keine Geschichte ist ohne ihn. Dieses Buch könnte ein kleines Räuspern von ihm sein, oder sogar eine leise Liebeserklärung. In jedem Fall sind wir alle wohl gerade erst in den Anfangskapiteln dieser ewigen Liebesgeschichte. Gott segne dich. Er segne uns alle, auf unserem Heimweg.

Im Gedenken an Billy Graham. Dem großen Evangelisten, der gestern gestorben ist. Er gibt die Staffel weiter von der besten Botschaft der Welt zu erzählen. Nicht an ein paar so außergewöhnlich begabte Evangelisten. Sondern an uns alle. Wir dürfen mit dabei sein, wenn das Evangelium seinen Siegeslauf antritt!

Dienstag, 13. Februar 2018

Kletterhaken

Ihr Lieben! Ein kurzer Gruß zwischendurch. Zwischen den Fahrten ins Krankenhaus. Zwischen unruhigen Nächten in denen die Sorgen zu aufblasbare Monsterballons in meinem Kopf werden und ich mit Luft rauslassen kaum nachkomme. Zwischen Artzgesprächen und neuen, noch schlechteren, Nachrichten (was meine Mutter angeht). Zwischen Bauernhof spielen,  Lehrergespräch und Faschingsküchle essen - gesegneter normaler Alltag!!! Warum schätze ich ihn meistens erst dann, wenn ich nur noch ein Zipfel von ihm zu fassen kriege?




Etwas gutes haben solche extreme Zeiten: Wie ein gehöriger Windstoß fegen sie den Stapel von Dingen vom Tisch, die nicht so wichtig sind. Zurück bleibt nicht viel. Ein kindlicher, sich wiederholender, Wortschatz. Stoßgebete.  Erbarm dich Herr. Zeig den Weg. Hilf uns heute. Danke. Erbarm dich. Zeig den Weg. Hilf uns heute. Danke.....
Ich lese bei Tine, dass sie in der Fastenzeit, die morgen beginnt, Worte fasten will. Ich weiß nicht genau was sie vorhat, aber es klingt spannend und ich werde es auf jeden Fall verfolgen. Und irgendwie passt es gerade zu dem was ich erlebe. Weniger Worte. Dafür aber umso inniger gesprochen. Worte wie Kletterhaken, in einen Felsen gehämmert. Und wenn die eigenen Worte ganz ausbleiben, dann bete ich mit denen, die Jesus uns gegeben hat. Und ich stelle fest: Das Vaterunser lässt sich am besten auf den Knien beten. Ganz langsam. (und JEDER SATZ EIN KARABINER!) Wenn ich danach wieder aufstehe, spüre ich es: wenn der Boden unter uns wankt und die oberen Schichten freigelegt werden,  stoßen wir auf den Fels. Das ist keine Antwort auf unsere Fragen. Aber es gibt genügend Halt für den nächsten Schritt. 


Donnerstag, 1. Februar 2018

genug Licht

Lange habe ich den Moment gefürchtet, jetzt scheint es soweit zu sein: Meine Mutter ist gestürzt und die wacklige Selbstversorgung die bisher - Gott sei Dank! - noch funktioniert hat, ist am zusammenbrechen. Meine Schwester und ich düsen abwechselnd Richtung Schwarzwald und wieder zurück und versuchen zu organisieren was geht. Dann nimmt man mit schlechtem Gefühl von der Mutter Abschied die wie ein Häufchen Elend auf dem Sofa sitzt und verspricht: "Morgen oder übermorgen bin ich wieder da!" und überlegt hektisch wie man das alles hinbekommt, organisatorisch und kräftemässig, was nun alles liegenbleibt (sch... drauf!) und fürchtet den nächsten Anruf, der eine noch schlimmere Katastrophe bedeuten könnte. 
Der Spiegel berichtet diese Woche passenderweise über den Pflegenotstand in Altenheimen und von Kinder, die mit der Fürsorge ihrer Angehörige völlig überfordert sind. Die Sorgen um die hinfälligen Eltern bestimmen die Tage. Es ist der letzte Abschied von der Kindheit, lese ich. So ist es. Nun kümmern wir uns also um die Mutter, die sich früher so hingebungsvoll um uns gekümmert hat. Leider mit viel weniger Geduld, was mich angeht.

Ich fühle mich von den Anforderungen der nächsten Tage und Wochen überwältigt. Und denke an das Wort von Hudson Taylor: Trage keine Sorge allein. Nur eine Sorge ist schon zuviel für dich!  Also versuche ich die Sorgen immer wieder loszulassen (ich konnte ja hier schon ein bisschen im kleinen üben). Und wenn mir alles zuviel wird sage ich mir: Dafür habe ich Jesus! Alles das buchstabiere ich jetzt durch. Manchmal stündlich. 

Am Montag war der bisher schlimmste Tag. Während meine Schwester sich vor Ort durchgekämpft hat, saß ich voller Sorge zu Hause. Ich versuchte zu beten. Und da kam mir diese Liedzeile: 
There`s enough light for the next step! 
 Es war wie eine liebevolle Anweisung Gottes; direkt in mein Herz. Ich gebe dir immer genug Licht für den nächsten Schritt. Das genügt. Plötzlich fühlte ich mich leichter. Ich rief meine Schwester an um ihr diesen Gedanken weiterzugeben. Sie erwiderte, dass sie ungefähr zur gleichen Zeit, in der Notaufnahmen, plötzlich diesen Satz aus den Psalmen im Kopf hatte: Dein Wort ist meinen Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg. Und ihr wurde klar, dass es genau darum geht: Er erhellt immer genau das Stück Weg das vor uns liegt. Wir staunen. Merken, dass Gott dabei ist und uns führt.

Also versuchen wir das in den nächsten Tage und Wochen zu beherzigen. Immer wieder: Einen Tag nach dem anderen. Heute tun was möglich ist. Wir brauchen keine Scheinwerfer wie es nächste Woche weitergeht. Schon der nächste Tag überfordert uns. Jeden Morgen will ich mir sagen: Heute! Heute ist genug Licht für den nächsten Schritt.

Vergangene Nacht kroch Samu zu mir ins Bett, mit fiebrigen Kopf. Oh nein, auch das noch! Ich bekämpfe die aufsteigende Panik. Gottes Wort gilt auch für heute. Jesus ist mit uns. Das ist genug Licht. Und der nächste Schritt ist Spinatkochen, Autospielen und Mama anrufen. Danach sehen wir weiter.  


Mittwoch, 24. Januar 2018

Entmutigung und Tauwetter

Heute ist ein Tag an dem mir das Schreiben schwerfällt. Ich surfe erstmal auf sämtlichen anderen Seiten, schaue mir andere Blogeinträge an und mit jedem Klick sinkt meine Zuversicht, dass ich ein paar sinnvolle Worte zustande bringe.
Also am Samstag, da hätte ich mal so richtig ermutigend hier schreiben können! Da saß ich mit Heio auf dem Sofa und wir haben festgestellt, dass wir uns beide so hoffnungvoll fühlen wie selten zuvor im Leben. Heio meinte, dass es ihm so vorkommt wie das Tauwetter in Narnia. Das ist diese wunderbar Geschichte von C.S. Lewis in der eine böse Hexe die Welt im Griff hat und es seit über 100 Jahren immer nur eisiger Winter ist. Und plötzlich fängt das Tauwetter an. Die Geschöpfe von Narnia werden voller Hoffnung weil sie wissen: Wenn es taut muß Aslan auf dem Weg nach Narnia sein! Der Löwe kommt um das Land von der Macht der Hexe zu befreien. Und ein bisschen so fühlt es sich gerade bei uns an. Also zumindest am Samstag :-).
Wir dachten an die Christen, die bei der MEHR-Konferenz auf der Bühen zusammenstanden - führende Leute von den verschiedensten Kirchen und Konfessionen. Sie hielten sich an den Händen und beteten miteinander und füreinander. WOW! Da wächst eine Einheit unter Christen die sich in der Generation meiner Eltern teilweise noch übelst bekämpft haben! Und nicht nur auf der MEHR-Koferenz. Wir erleben etwas von dieser Einheit an allen Ecken und Enden. Jesus scheint seine Braut bereit zu machen. Tauwetter.
Und Heio sagte mir wie hoffnungsvoll ihn unser Mini-Alphakurs macht,  der seit drei Wochen in unserem Wohnzimmer stattfindet. Jeden Montag bin ich total aufgeregt und denke es wird bestimmt ein totaler Reinfall. Und dann tauchen diese tollen Frauen auf und ich höre staunend, dass sie sich auf den Abend freuen und erlebe mit wie Jesus wirkt. Still und liebevoll. Herzen neigen sich in seine Richtung wie die Blumen zur Sonne. Zur Zeit finden über 1000 Alphakurse in Deutschland statt. Soviel wie nie zuvor. Es scheint, dass plötzlich eine Freude aufbricht über die gute Nachricht die wir weitersagen dürfen. Nicht unter Druck. Nicht pflichterfüllend oder drohend. Sondern wie ein Lachen, das man nicht mehr zurückhalten kann. Tauwetter
Und wir dachten beide an unsere Gemeinde. Wie aus dem Nichts ist da plötzlich ein strahlender Streifen am Horizont. Er kann auch wieder verschwinden, wie Nordlichter am Himmel. Oder aber es sind die ersten Anzeichen von einem Tagesanbruch. Einer Hoffnung, dass Gott unseren kleinen Haufen ansieht und wir Teil von einer großen, wunderbaren Geschichte werden dürfen. Tauwetter. 
So hoffnungsvoll saßen wir also am Samstag auf dem Sofa. 

Und dann kam die Entmutigung.

Die schaut leider öfters bei mir vorbei. Manchmal sind es kleine Auslöser: Ich melde mich auf dem Konferenztag am Wochenende um Gebet zu bekommen, sehne mich nach einem Wort der Ermutigung, aber da ist kein Beter frei. Ich stehe eine Weile blöd da und entscheide mich dann einfach für denjenigen neben mir zu beten, der gerade auch blöd dasteht. Und innerlich wird es mir ganz schwer und ich denke: Jesus, siehst du mich überhaupt?  
Und dann stehe ich am Sonntag in meiner Gemeinde, also die, die vielleicht gerade ein großes Geschenk vor die Tür gelegt bekommt, und dann bin ich plötzlich total frustriert darüber, dass wieder mal kaum Leute da sind (alle Kranken sind entschuldigt! :-)). Ich denke: Nichtmal jetzt kommen sie vorbei! Wann denn dann??? Und ich fürchte mich davor, dass der Kreislauf von: "Erwartung- enttäuschte Erwartung" im Bezug auf die Gemeinde nie unterbrochen wird. 
Aber es geht auch ganz ohne diese kleinen Auslöser! Ich kann Entmutigung einfach so. Wäre es eine Sportdisziplin, hätte ich die besten Chancen auf eine Medallie! Manchmal wird mir plötzlich, aus völlig unerfindlichen Gründen, das Herz ganz schwer. Es fühlt sich dann an als wäre ich in einem dieser rasanten Fahrstühle in denen man in sekundenschnelle vom 10. Stock in den Keller saust. Kennt ihr das? 

Nun kann man sagen: Das ist ein Angriff. Entmutigungsstrategie von dem, der das Tauwetter fürchtet. Also bin ich kampfbereit. Bete. Mache Lobpreis. Und manchal braucht es genau das. Und dann ist es wieder gut. Manchmal aber auch nicht. Manchmal geht die Lösung eher Richtung mehr Schlaf. Ein Spaziergang. Ein entspanntes Treffen mit Freunden. Und manchmal ist es einfach etwas wo ich weiß: Da musst du halt durch. Fühlt sich Scheiße an. Ist aber so.  Ein bisschen wie die guten Tipps vor der Geburt: Durch den Schmerz atmen bis er wieder weg geht (leider beherrschte ich diese Atemtechnik nicht, weil ich ausgerechnet an diesem einen Abend bei meinen Geburtsvorbereitungskurs krank war!). Aber das ist doch auch ein hoffnungsvoller Gedanke: Wenn etwas neues auf dem Weg ist, dann gibt es auch manchmal Geburtsschmerzen. Verzweifelte Schreie. Der Gedanke, dass man völlig überfordert ist und NIEMALS NIE dieses neue Geschöpf in die Hände gelegt bekommt. Und irgendwann ist es draußen. Blutverschmiert. Tränen, Schweiß, Glückseligkeit. 

Also ganz ehrlich: Im Moment habe ich keine Ahnung wo die Entmutigung herkommt. Ich werde folgendes tun: Gott loben. Weil ich sehe, dass er auf dem Weg zu uns ist. Das ist so offensichtlich, das erkenne ich sogar mit entmutigtem Herz. Und ich werde spazieren gehen und mich heute Abend mit ein paar Freundinnen in der Stadt treffen. Und ich werde versuchen durch den Schmerz zu atmen. Mit der Hoffnung, dass neues Leben auf dem Weg ist.
Und jetzt gehe ich in den Garten und suche nach meinen Tulpenzwiebeln, die ich kurz vor Weihnachten noch eingepflanzt habe. Letztes Jahr ist KEINE EINZIGE Blume gewachsen, von all den vielen Samen die ich über mein Beet verstreut habe! Dieses Jahr habe ich Hoffnung. Und wenn es nur eine Tulpe ist die sich zeigt! Bitte Jesus! Gib mir dieses Zeichen, dass Wunder geschehen können!

Das Tauwetter kommt. Der Frühling wird sich nicht aufhalten lassen. Ganz egal wie ich mich fühle!  Darauf will ich vertrauen. Aslan ist auf dem Weg ...

unsere kleine Truppe auf dem Weg um unser "Jericho"...



Leben außerhalb der Kirchenmauern....

.... da wächst doch was, oder??!!!!

Mittwoch, 17. Januar 2018

Winterzeit

Heute morgen klingelt der Wecker unbarmherzig früh. Ich wanke aus dem Bett, balanciere die Leiter zu Samuels Hochbett hinauf  und versuche das kleine warme Knäuel  zum Aufstehen zu bewegen. Ein tiefer Seufzer unter der Bettdecke ist die Antwort. Ich ziehe den Rolladen hoch, eigentlich total unsinnig, weil es draußen noch stockdunkel ist. Wieso beginnen in Deutschland die Schulen so früh??? Ich gebe einen zusätzlichen Löffel mit Kaffeepulver in die Kaffeemaschine und werfe ein Blick in den Garten Richtung Hasengehege. Wie gut, dass Samu sich einen leuchtend weißen Hasen ausgesucht hat. Er ist im Dunkel gut zu erkennen und wartet morgens meistens schon geduldig am Türchen vom Stall, um endlich ins Gehege zu können. Heute ist er noch nicht zu sehen. Er wird noch gemütlich im Heu liegen und schlafen. Recht hat er. 
Wir starten müde in den Tag und nachdem Samu in der Schule ist und es draußen langsam hell wird, beginnt es ganz leicht zu schneien. Stimmt - es ist ja noch Winter! Der Wind zerzaust die Baumwipfel und ich entscheide mich alles noch ein bisschen liegen zu lassen und gehe eine Runde nach draußen. Vorbei am morgendlichen Autostau Richtung Stadtmitte bis zum kleinen Hügel wo die Äcker anfangen. Dunkle, frostige Erde. Der Boden ruht. 


Ich habe das Gefühl ich bin viel zu schnell in das Jahr gestartet. Will zuviel auf einmal und habe vergessen, dass eigentlich noch Winterzeit ist. Die Zeit, in der die Nächte einladend lang sind, manche Tiere ihren Winterschlaf halten (und wenn sie den nicht bekommen, dann sterben sie!) und auch der Boden gönnt sich eine Ruhephase.
In einem Ratgeber für Rasenpflege habe ich gelesen:  
 Im Winter braucht der Rasen seine Ruhe. Belastungen sind zu vermeiden. Brechen die Halme, weil man sie in der Frostzeit belastet hat, wird man im Frühjahr eine deutlich längere Regenerationsphase erleben. 
Kluge Landwirte wissen sowas. Manche, die das ganze Jahr Profit machen wollen, gehen darüber hinweg und versuchen den Boden zu jeder Jahreszeit zu nutzen. Irgendwann erschöpft sich dann diese Erde und wird für lange Zeit nicht nutzbar, weil sie sich regenerieren muss.
Ich weiß, im modernen Zeitalter können wir uns nicht mehr dem im Rythmus der Natur anpassen wie das vielleicht unsere Großeltern noch getan haben. Vieles ist vorgegeben und für die meisten sind die Spielräume sich die Zeit nach dem Jahresablauf einzuteilen doch recht begrenzt. Und trotzdem brauchen wir vielleicht ab und zu die Erinnerung, dass auch wir einfach zu den Geschöpfe dieser Welt gehören. Auch wir sind für den Rythmus von Tag und Nacht geschaffen. Sommer und Winter. Ruhe und Arbeit. Und wenn wir uns in manchen Zeiten keine Ruhe gönnen, dann brauchen wir eine längere Regenerationsphase in der nächsten Jahreszeit. So sind wir einfach gemacht. Ich glaube es würde uns so gut tun, wenn wir ein bisschen mehr auf den Rythmus der Natur  achten würden.
WIr könnten im Winter die dunklen Abende als Einladung nehmen ein bisschen früher ins Bett zu gehen. Wir könnten barmherziger mit uns, und den Menschen neben uns, sein: Das ist keine Zeit für wilde Putzaktionen (meinetwegen Heio, den Keller musst du JETZT nicht aufräumen! :-)). Es ist ok wenn sich die Freunde weniger melden und andersrum. Wir machen ein bisschen Winterruhe. Und wenn die Seele bei manchen traurig ist und sich das Leben frostig anfühlt, dann gehen wir uns doch die Erlaubnis ein bisschen langsamer durch die Tage zu gehen. Wir müssen doch nicht immer so effektiv sein! 

Heute morgen, nach dem kurzen Spaziergang, stelle ich eine kleine Liste von Dingen auf, zu denen ich gerade JA sagen kann, einfach weil es die Zeit dafür ist. Es sind erstaunlich wenig Dinge. Und da ist eine größere Listen mit Dingen zu denen ich gerade NEIN sagen muß. Manches fällt mir schwer. Wie gerne würde ich JETZT mit dem neuen Buchprojekt durchstarten. Aber später passt es ja auch noch. Wahrscheinlich sogar viel besser. Also: Projekt verschieben. Zusammen mit ein paar anderen Terminen und Treffen mit Freunden und Bekannten. Wenn der Apfelbaum im Garten blüht können wir ja wieder in unseren Garten einladen... 

In der Bibel gibt es diesen Vers von Paulus: Kauft die Zeit aus! (Eph.5,16) Falsch verstanden, hat er mich lange Zeit total in Stress versetzt. Ich dachte es ist der Aufruf in JEDER Zeit ALLES zu tun, weil die Zeit ja so kostbar ist und wir nur wenig davon haben. Richtig verstanden bringt dieser Vers aber Gelassenheit ins Leben. Was da nämlich eigentlich steht ist folgendes: Kauft die richtige Zeit aus! Erkennt was für ein Zeitraum gerade  im Leben ist und was dafür günstig ist (und was nicht). 
In der Winterzeit kann das heissen: 

Schafft euch Ruhe. 

Gebt eurer Seele Raum zum Atmen. 

Lasst die Arbeit möglichst liegen wenn es dunkel wird. 

Geht eine Runde nach draußen wenn der Wind an der Tür rüttelt.

Werft Ballast ab.

Es ist in Ordnung wenn DInge jetzt liegenbleiben.

Das meiste wächst doch sowieso erst in der nächsten Jahreszeit.

Es ist ok einiges zu verschieben.

Es ist gut langsam anzufangen. 


Es ist ja noch Winterzeit.




Donnerstag, 11. Januar 2018

Neues Jahr - neues Land !?

Mit einiger Verspätung und ein wenig außer Atem wünsche ich euch allen von Herzen ein gesegnetes neues Jahr, gefüllt mit vielen guten Begegnungen und Erlebnissen, mit Menschen die uns an den dunkleren Tagen beistehen und in den guten Momenten staunend neben uns auf die Knie gehen. 

Wie immer, wenn eine längere Pause zwischen meinen Blogeinträgen liegt, fällt es mir schwer einen Anfang zu finden und einfach drauflos zu schreiben. Die Finger, die sonst über die Tasten fliegen, sind ein bisschen eingerostet (die Tastatur auch: das Kommazeichen klemmt! Wahrscheinlich wehrt es sich endlich gegen jahrelange Fehleinsätze!), da kam es mir ganz gelegen, dass unser Internet seit Tagen nicht funktioniert. Außerdem hat das neuen Jahr nicht so ruhig angefangen wie erhofft - tatsächlich saß ich schon am 1.Januar mit Samu in der Notaufnahme! Es war zwar nur eine Fingerverletzung die genäht werden musste, trotzdem war es ganz schön turbulent, kann ich euch sagen. Dann hat mich leider an den Feiertagen und an vielen Tagen danach die Migräne wieder eingeholt. Mein erster frustrierter Gedanken war: Da habe ich dich wohl zu früh gelobt, Jesus! So ist es manchmal im Leben, oder? Da denkt man eine Sache ist überwunden und um die nächste Ecke, stellt sie einem wieder hämisch grinsend das Bein. Aber ich bin trotzdem dankbar für die lange schmerzfreie Strecke davor die längste an die ich mich erinnern kann! Und ich will die Hoffnung nicht sinken lassen, auch wenn ich gerade wieder in der Phase bin in der ich eher zurückschrecke wenn mir jemand Gebet in der Sache anbietet. (jeder der chronisch erkrankt ist, weiß wovon ich rede).

Aber es sind auch viele gute Dinge am Start, so vieles was mich richtig zuversichtlich ins neue Jahr blicken lässt. Die MEHR-Konferenz in Augsburg, bei der wir für einen Tag vorbeigeschaut haben hat mich total ermutigt. Besonders die Berichte von einem Pastor aus dem mittleren Osten. Die Geschichten die er uns erzählt hat, wie Gott den Menschen begegnet und sich haufenweise in Träumen und Visionen zeigt, waren unglaublich!  Ich saß nur staunend da, konnte die Tränen nicht zurückhalten und wollte mich einfach nur auf den Boden knien und anbeten und ich dachte ständig: Wow Jesus,was du alles kannst! Es gibt dich also echt! Also, ich glaub das ja sonst auch, fast immer, aber zu hören was für krasse Dinge Gott tut, gibt mir soviel Zuversicht und Glaube – auch für mein eigenes Leben, in dem ich oft humpelnd unterwegs bin. Und ich merke: Ich will Jesus mehr zutrauen! Ich will meine Grenzen von dem was er tun kann (besonders von dem was er durch mich, in unserer Gemeinde, in unserem Land tun kann) weiten lassen. Es gibt einfach so ein paar Dinge in meinem Kopf von denen denke ich: Das kann ich einfach nicht glauben, dass Gott DAS tun kann. Und die Heilung der Migräne steht da nur als kleiner Wunsch am Ende der Schlange.
Da ist diese Liedzeile aus einem Lobpreislied die mir seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf geht: Alles ist möglich, wenn du hier bist. Ich glaube das ist mein Satz für´s neue Jahr (ich weiß, eigentlich geht es um ein Wort, aber dieses Jahr braucht einen ganzen Satz, das spüre ich :-)). Ich will diese Worte durchbuchstabieren, in allen Situationen. Ganz besonders dann wenn ich mich überfordert oder machtlos fühle. Das ist eigentlich das ideale Vorzeichen für diesen Satz. Weil ich genau da lernen kann, dass es nicht auf meine Möglichkeiten ankommt. Es kommt auf Jesus an. 
In diesen Tagen ist viel los, manches ist sehr herausfordernd und schwierig, einiges ist einfach total verheissungsvoll (ich werde berichten!) Es hängt eine Vorfreude, eine erwartungsvolle Ahnung, in der Luft. Auf das was Gott vorhat. Was er unter uns tun wird. Wie er uns alle zum Staunen bringen wird. Und zum Anbeten.

Manchmal ist es einfach soweit

dass sich der, der unser Leben lenkt in unsere Richtung beugt 
 
und mit funkelnden Augen flüstert: BEREIT?

Und wir lachen zurück und sagen: „Bereit!“ 
 
(und wir haben ja keine Ahnung was wir da sagen !) 
 
Und mit zitternden Knien gehen wir los 
 
an seiner Hand

weiter als wir je zu hoffen wagten

und knien auf neuer Erde 
 
setzen zarte Pflänzchen in den Boden

in ein Land das uns unerreichbar schien.


Betberg. Immer wieder: weites Land!


Während ich weg war waren die Männer fleissig: Samus neues Hochbett!

Silvester mit Freunden im schönen Waldachtal, zum letzten Mal:-(

Versteckspiel im Wald

alles Königskinder
Tschüß Weihnachstdeko, bis nächstes Jahr!
gute Reise gute Reise...

Montag, 18. Dezember 2017

Beschenkt 2017

Die Weihnachtswoche hat begonnen und hat sich passenderweise ein sauber, glitzernders Kleid angezogen. Wir schauen in den verschneiten Garten, staunen und schniefen (irgendein blöder Virus hat uns erwischt). Ehrlich: Es gibt nicht viel anderes was mich als erwachsener Mensch so sehr in Freude versetzt wie frischgefallener Schnee!



Und wie jedes Jahr werde ich nun in den letzten Tagen vor Weihnachten auf den letzten Drücker ein paar Geschenke besorgen - ja, Heio, wir haben gesagt wir schenken uns nichts, aber haben wir es auch wirklich so gemeint? ;-) Aber ganz ehrlich: eigentlich brauche ich nichts mehr. Und das meine ich nicht in meinem üblichen Sinne von "ich brauche es nicht, hätte es aber gerne". Nein. Ich fühle mich so beschenkt. Und auch wenn es total unvollständig ist: Ich will ein bisschen darüber schreiben wofür ich dankbar bin, wenn ich an das zu Ende gehende Jahr denke. Hier also mein kleiner Rückblick, eine ganz spontane Auswahl meiner Lieblingsgeschenke 2017:

Beschenkt mit wöchentlicher "Auszeit"

Im Januar habe ich hier darüber geschrieben, dass wir als Familie versuchen wollen, den Sonntag ein bisschen bewusster anzugehen. Ruhiger. Mit Freude über diese geschenkten Auszeit von unserem Schöpfer. Und ich muss sagen: Es war eine der Besten Entscheidungen des Jahres! Nicht, dass wir das jetzt immer so wunderbar geschafft haben. Aber fast an jedem Samstagabend haben wir die Sabbatkerze angezündet und uns gefreut, dass es nun Sonntag wird. Ich habe es tatsächlich auch meistens geschafft die Wäsche aufgehängt zu lassen, keine wilden Putzaktionen mehr durchzuführen und Offline zu bleiben. Und das Bewusstsein, dass das Leben auch ohne meine Bemühungen weitergeht, wächst ganz langsam, Sonntag für Sonntag, still und leise in mein Herz. Auch wenn unser Sabbatmodel so einfach ist, dass sich wahrscheinlich jeder anständige Jude vor Lachen den Bauch halten würde, es ist ein kleiner, wunderbarer Anfang. Samuel liebt es die Kerze anzuzünden und laut "Sabbat!" zu rufen. Ich weiß, es gibt auch Sabbatgebete, aber soweit sind wir noch nicht. Es ist der Beginn einer kleinen Tradition die wir weiter pflegen wollen. Mal sehen wie das zarte Plänzchen weiterwächst. 
 
Die dicke Sabbatkerze ist fast runtergebrannt

Beschenkt mit wunderbaren Begegnungen

Sooo viele gute Begegnungen liegen ist diesem Jahr! Da sind meine zwei Lieblingsmenschen die ich jeden Morgen beim Aufwachen begrüßen darf und meine Freunde, die mich mögen und die ich mag, obwohl wir uns inzwischen ganz gut kennen. Manche davon gehören auch zu meinen Weggefährten in der Gemeinde, diese kleine Gruppe von Menschen die sich treu weiter jeden Sonntag trifft und miteinander ausharrt, weil wir ahnen, dass unsere gemeinsame Geschichte noch nicht vorbei ist. Für dieses Auftauchen, auch wenn es uns manchmal echt schwerfällt, für Umarmungen, guten Worte und Gebete die wie Scheinwerfer in meine dunklen Tage geleuchtet haben  und das gemeinsame Feiern unserer großen und kleinen Wunder bin ich unendlich dankbar! 


Und ich bin beschenkt mit wunderbaren Begegnungen auf Lesungen! Danke Sonja, Elmar, Irmi, Gisela, Tina, Marion, Janne, Fredi, Damaris und so vielen anderen die sich einen ganzen Abend Zeit genommen haben, um meinen Geschichten zuzuhören. Das weiß ich sehr zu schätzen!



 Und da seid ihr - meine wunderbaren Leser dieses Blogs - Ihr seid einfach wunderbar! Danke, dass ihr hier vorbeischaut. Immer noch. Danke für jedes ermutigende Kommentar, für jede mail die ihr mir geschrieben habt und sogar den einen oder andere echten Brief der mir in die Hände fiel! Auch wenn ich weiß, dass die Suche nach Anerkennung eine falsche Schlange ist, die mich auf innere Abwege bringen kann, ist doch die Ermutigung  Aufwind unter müden Flügeln. Und das kann ich immer wieder so gut gebrauchen.
(danke auch Angelika für deine mail, die Rückmeldung zu Calando. Leider habe ich sie ausversehen gelöscht, sonst hätte ich dir persönlich zurückgeschrieben:-)).

Beschenkt mit schmerzfreien Tagen

Auch wenn ich es noch kaum wage darüber zu schreiben: Meine Migräne scheint ihren wütenden Biss verloren zu haben und lässt sich immer seltener blicken. In den letzten Wochen ist sie sogar völlig weggeblieben. Ab und zu ist da ein leichter Schmerz, wie eine alte Erinnerung an etwas, das mich so viele Tage meines Lebens geplagt hat.  Kann es sein, dass Gott die vielen, vielen Gebete um Heilung (DANKE!!!) nun endlich erhört hat? Kann es sein, dass ich vor lauter Misstrauen und Vorsicht, das Gute gar nicht richtig an mich ranlasse? Also hier und heute ein vorsichtig, ungläubig Staunendes: vielleicht hat Gott mich geheilt. Ich meine, kann das sein? Nach all den Jahren? So beschenkt?


Beschenkt mit Büchern

Samuel fängt gerade an die ersten Worte zu lesen. Ich liebe es, wie er Buchstabe für Buchstabe entziffert, auf Milchtüten, Marmeladegläsern, Straßenschildern - ach, einfach auf ALLEM! Und dann, der zauberhafte Moment in dem die Worte in seinem Kopf Sinn ergeben - nicht immer, aber immer öfter. Ja, so fängt es an. Die Leidenschaft zu lesen. Ich hoffe es packt ihn genauso, wie es mich gepackt hat. Die schönsten Reisen die man im Leben unternehmen kann liegen zwischen  zwei Buchdeckeln, finde ich. 


Ein Teil meiner Reise habe ich dieses Jahr selbst aufgeschrieben, (und für diese Möglichkeit bin auch auch sehr dankbar!!!) aber ich hab so viele andere tolle Bücher gelesen. Unser Freund Willy sagt, er kann nur wenig lesen, weil er immer erst mal die Dinge verarbeiten und umsetzen will, die er liest. Ach, wenn ich nur ein Zehntel davon umsetzen könnte, von allem, was ich bisher gelesen habe! Das würde mich schon zu einer Heiligen machen :-). Aber es ist auch diese pure Vergnügen am Lesen. Wenn ein neues Buch auf dem Nachttisch wartet. Und zum Aufbruch in eine neue Welt lockt. Bücher sind ein großes Geschenk! Und ganz am Ende des Jahres, fiel mir mein neustes Lieblingsbuch in die Hände. Leider bisher nur auf Englisch. 


Briefe eines Pastors an seine kleine Landgemeinde in Amerika. SO müsste man schreiben können! Und ja, so will ich leben. Und liebhaben. Ich weine, seufze, bin berührt und unterstreiche jeden dritten Satz. Wer übersetzt uns bitte dieses Buch in die deutsche Sprache???

Beschenkt mit der besten Geschichte der Welt, die an Weihnachten begann

Auch wenn es sperrig klingt, wenn ich nicht weiß wie ich dafür Worte finden soll, ohne dass sie platt und fromm klingen: Ich bin so beschenkt mit Jesus! Man kann Geschenke vor die Krippe legen, noch und nöcher, das Geschenk, das Gott uns mit Jesus gemacht hat, werden wir NIEMALS und in keinster Weise toppen können. Er kommt zu uns. Er macht uns neu. Und ein bisschen heiler. Und überschüttet uns mit Liebe. Vergebung. Gnade. Wie ein großes Paket, das jeden Tag neu vor der Tür liegt, das wir aufpacken dürfen. Ja, ich hatte es befürchtet. Es könnte platt klingen. Aber es ist das wovon ich lebe. Was meine Seele satt macht. Jeden Tag will ich davor stehen und ein wenig mehr begreifen und staunen, was für ein Geschenk Gott uns mit sich selbst gemacht hat.


Beschenkt mit Hoffnung

Hoffnungsvoll - das war mein Wort für 2017.  Und ich bin tatsächlich immer wieder zu diesem Gedanken zurückgekommen: Ich will mich nicht von meinen Vorstellungen und Erwartungen bestimmen lassen, sondern einfach hoffnungsvoll leben und vertrauen, dass Gott etwas Gutes aus allen Tagen machen kann. Ich weiß das wird ein lebenslanger Lernprozeß sein. Aber ich nehme diese Gedanken weiter als Geschenk mit. In alle Jahre die noch vor mir liegen.  
Und ich freue mich darauf nach Weihnachten wieder den Luxus zu haben für ein paar stille Tage auf den Betberg zu fahren. Ich bin schon gespannt auf mein Wort für 2018...

Was das neue Jahr bringt - wir wissen es nicht. Aber Wendell Berry schreibt so wunderbar und  hoffnungsfroh:
If you know you don`t know anything about the future, and if you believe that with God all things are possible, than you have to think that something good may happen.
Wenn dir klar ist, dass du über die Zukunft nichts weisst und wenn dir auch klar ist, dass mit Gott alle Dinge möglich sind, dann könntest du davon ausgehen, dass etwas Gutes geschehen kann.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen schöne Weihnachtsfeiertage und einen guten Start ins neue Jahr!!! Wir "sehen" uns hier 2018 wieder. Seid umarmt und gesegnet mit dem ewigen Gott, der mit uns auf dem Weg ist. DAS gibt viel Grund zur Hoffnung.


Dienstag, 12. Dezember 2017

Adventszeit in Überlänge

Es ist wie jedes Jahr: die vier Wochen vor Weihnachten rasen im Hause Schöffler nur so dahin. Wie im Zeitraffer werden die Kerzen am Kranz angezündet und am Ende der Adventszeit ist meistens noch sehr viel Wachs übrig.  Heio ermahnt mich jedes Jahr, die Kerzenreste nicht wegzuwerfen, weil der Mann das Wachs wiederverwenden kann. Inzwischen hat er aber so viel davon angesammelt, dass wir locker die Stuttgarter Stifskirche in Wachs gießen könnten. In Originalgröße. Ach ja, ein bisschen aussortieren wollte ich auch noch vor Weihnachten, und ein besinnliches Kaffetrinken mit den Nachbarn wäre auch noch schön, und für unseren Sternenmarkt möchte ich auch noch was besonderes basteln, und ich würde Samuel so gerne ein paar der alten und wunderschönen Weihnachtslieder beibringen, und die eine oder ander Weihnachtskarte könnte ich doch auch noch schreiben... ach ja, wie jedes Jahr sind diese vier Wochen völlig überfordert damit, die ganzen guten Dinge unterzubringen, die ich gerne hätte!
Dinge. Ja, Dinge kann man stopfen und stapeln, auch wenn man schon auf dem Zahnfleisch daherkommt. (stimmt, einen Zahnartztermin hab ich vor Weihnachten auch noch!) Aber Wachstum braucht Zeit. Und wir Menschen gehören in diese Kategorie. Das Baby in der Krippe kann uns was darüber sagen. Es wird langsam aufwachsen. Tasten. Staunen. Erste Worte sagen. Den Eltern gehorchen lernen. In der Werkstatt bei Vater helfen. Verwandte besuchen. Jüdische Lieder hören und Schriftworte auswendig lernen. Die Gegend erkunden. Alles zu seiner Zeit. Und es wird ganze dreißig Jahre dauern, bis der Messias sein erstes öffentliches Wort sprechen wird. Dreißig Jahre!!! Und wenn man die Bibel anschaut, dann kann man nur sagen: Gott scheint eine Vorliebe für Geschichten zu haben die sich langsam entwickeln.  Kein himmlisches Speed Dating. Kein Crashkurs in Sachen geliebt werden. Kein 5-minütiges Tutorial über gute Beziehungen. Der ewige Gott nimmt sich Zeit! Seine Geschichten haben alle Überlänge. Mindestens. Director`s Cut. Und eine Frau wie ich, die mit 40 Jahren geheiratet hat, mit 42 ihr Neugeborenes im Arm hielt und mit 44 anfing Bücher zu schreiben, sollte das eigentlich wissen.
 
Ich wünsche uns allen, dass wir ein bisschen mehr vertrauen in die längeren Zeiträume haben. 

Samuel kann ja auch nächste Jahr noch Weihnachtslieder lernen, oder das Jahr danach, oder im Sommer, wenn wir faul im Garten liegen. Und eine überraschender Brief im Frühjahr wird vielleicht mehr Freude auslösen als die zehnte Weihnachtskarte die man aus dem Briefkarten fischt. Und der besinnliche Adventskaffee mit den Nachbarn wird zum Wintergrillen nach Weihnachten, wenn genügend Schnee im Garten liegt.

Geben wir dem Leben ein bisschen mehr Zeit.

Der Beziehung, die gerade so verfahren aussieht.

Dem Kind, das die Dinge ein bisschen langsamer angeht, als andere. 

Der Gemeinde, die gerade durch schwierige Zeiten geht. 

Dem geliebten Menschen, der im Moment keine so guten Entscheidungen trifft.

Dem Herzenswunsch, der erst in einer anderen Jahreszeit aufwachsen kann.

Gottes Geschichten ereignen sich über lange Zeiträume. 

Nach vier Wochen ist seine Ankunft lange nicht verpasst. 

Er kommt uns auch im neuen Jahr entgegen. 

Das Licht seiner Gegenwart brennt weiter. 

So lange, bis er wiederkommt. 


Montag, 4. Dezember 2017

Morgenlicht.

Heute bin ich als Erste aufgestanden. Das kommt selten genug vor bei zwei Mitbewohnern die, zu meinem Leidwesen, absolute Frühaufsteher sind. Ich schleiche leise in die dunkle Küche und suche nach den Streichhölzern, um die Kerze anzuzünden. Die Flamme leuchtet zischend auf, der Docht fängt Feuer und ich bin erstaunt wie hell der Raum von diesem kleinen, warmen Leuchten wird. Draußen ist es noch dunkel aber der Blick aus dem Fenster lässt mein Herz höher schlagen: Es hat geschneit (oder: " geschnitten", wie mein kleiner Neffe immer zu sagen pflegte). 
Gut, die Puderzuckerschicht ist für eine Schwarzwälderin wie mich nicht gerade ein Grund auszuflippen und trotzdem: ich freue mich über die weiße Verschönerungsaktion die leise in der vergangenen Nacht von statten ging. Anstatt mich gleich ins Wochenprogramm zu stürzen lockt der Schnee nach draußen. Ich will ein paar Schritte in die fast unberührte Schneelandschaft setzen; bevor die Hundebesitzer kommen und kleine schwarze Tüten zurücklassen und bevor das helle Weiß zu dreckigem Matsch wird (was in der Stadt Ruckzuck passiert). Der Schnee knirscht bei jedem Schritt unter den Sohlen, mein absolutes Lieblingsgeräuch - neben dem gemütlichen Brodeln und Zischen unserer Kaffeemaschine und dem prasselnden Feuer im Ofen...






Und passend zur weißen Pracht beginnt die Adventszeit! Weihnachtsplätzchen sind auch schon gebacken. Und gegessen. Wie die Jahre zuvor habe ich mir vorgenommen mit dem Sohn einen schönen Backnachmittag, in vorweihnachtlicher Stimmung, zu verbringen. Wann gebe ich diese Illusion endlich auf? Ich bin einfach nicht die liebevoll, geduldige Mama die ich gerne wäre. Zumindest nicht dann wenn`s ans Backen (und Hausaufgaben beaufsichtigen!) geht. Samuel kennt mich schon besser und hat sich darauf eingestellt. Er hat in großer Hektik Sterne in den Teig gestochen und sie dann Richtung Backblech geworfen. "WAS MACHST DU?!", rufe ich erstaunt. "Ich bin der Pizzabäcker, Mama," erklärt er und macht hektisch weiter. Das hat er beim letzten Ristorante-Besuch bei offener Küche abgeschaut. Und, was soll ich sagen: Es war genau das richtige Tempo. Geduld und Teig waren genau im gleichen Zeitraum aufgebraucht. (ok, vielleicht war die Geduld um ein paar Nasenlängen zuerst im Ziel) Fazit: Backprojekt für dieses Jahr erfolgreich abgeschlossen. Mutter und Sohn gleichermassen erleichtert.
Für den Rest der Adventszeit habe ich nur einen Wunsch: Nicht ganz so hektisch weitermachen. Ein bisschen mehr DA zu sein. Das Gute wahrnehmen. Schneeflocken auffangen. Die Wärme in der Wohnung genießen, wenn man von draußen kommt und in den kleinen Ritzen des Alltags öfters mal Danke Jesus! flüstern. Einfach weil ich das große, große Glück habe, NACH seiner Geburt zu leben und die wunderbare Weihnachstgeschichte mein Leben hell macht. Gerade in den dunkleren Räumen. Und davon gibt es im Moment so einige.

Ach und, wie jedes Jahr versuche ich hier ein bisschen weniger Worte zu machen. Und deshalb freue ich ich umso mehr, dass Tine uns mehr Worte als sonst schenkt: Ihr Blog wird zum Adventskalender! Und wenn ich jetzt gespannt jeden Morgen auf den neuen Beitrag klicke, bricht die kindliche Freude auf, die ich früher beim Türchenöffnen hatte. Ein Morgenlicht. Jeden Tag im Advent. DANKE TINE!!!

Ich wünsche uns allen eine gesegnete Adventszeit mit viel Gnade füreinander. Mitten in misslungenen Projekten und wenn die Geduld mal wieder nicht ganz gereicht hat. Und dass wir  nicht müde werden in dunklen Räumen Kerzen aufzustellen. So lange bis der Tag anbricht.



P.s.: Adventsabende sind auch prima Vorleseabende, finde ich. Wer Lust und Zeit hat und in der Nähe wohnt: Am kommenden Donnerstag lese ich im  Plus- Buchladen in Esslingen aus meinem neuen Buch: Warum ich da noch hingehe
Am Sonntag lädt Janne in ihr Wohnzimmer in Cannstatt ein. (wer dazukommen mag, meldet sich einfach direkt bei ihr: post@janne-haussmann.de)
Und nächste Woche Mittwoch gibt`s noch einen besonderen Abend in Flacht, eine (R)auszeit im Advent (s.unten). Vielleicht eine schöne Gelegenheit um mal eine Freundin oder einen Freund mitzuschleppen :-). 
Herzlichste Einladung!!!


Montag, 27. November 2017

Warum ich beim ERF gerne mit einem LKW vorgefahren wäre

Die Anspannug ist raus. Am Tag nach den Aufnahmen beim ERF bin ich müde und - neben der Erleichterung, dass es geschafft ist - kämpfe ich auch mit dem Gefühl von Niedergeschlagenheit und Versagen. Warum ist das so, frage ich mich? Eigentlich lief es doch gar nicht schlecht..
Es war es für mich schon etwas besonderes diesen Senders zu betreten! Während ich durch das schlichte Gebäude geführt wurde, strömten die Kindheitserinnerungen auf mich ein: Beim Schild mit Aufschrift Radio Monte Carlo musste ich an meinen Papa denken; an das kleine Transisterradio in seinem Schlafzimmer und  das wöchentliche Rauschen beim Sendersuchen. Wir kuschelten uns unter der warmen Bettdecke zusammen, hörten staunend den packenden Worten von Klaus Vollmer oder Konrad Eissler zu. Wer würde nicht an Jesus glauben wollen, wenn er so etwas hört?, dachte ich mir dabei.
Im Gang vom ERF-Pop-Radio fiel mir die Funkbude ein, die wir mit ein paar Klassenkameraden bei uns Zuhause, unterm Dach, abhielten. Während meine Schwester und ich aufgeregt an Chips und Salzstangen knabberten hofften wir inständig, dass die Worte aus dem Radio in den Herzen unserer Freunde eine Sehnsucht nach unserem Jesus auslösen würde....es war jedenfalls ein spannender Rundgang im ERF.
Dazwischen beantwortete ich einem Redakteur ein paar kurze Fragen zu meinem Buch und das erste Interview war damit geschafft. Nach Schnitzel mit Pommmes begegnete ich, buchstäblich zwischen Tür und Angel, der wunderbaren Christina Rammler. Ein paar Sätze, ein herzliches Danke meinerseits für ihr tolles Buch und dann saß ich auch schon in der Maske für die TV-Sendung Gott sei Dank.  Mein Kleiderset wurde begutachtet und für gut befunden (heisst: nichts glitzert und kein Muster stört). Die Hoffnung, dass ich nach der Maske unglaublich gut aussehen könnte verflüchtigte sich schnell. Es gibt eben natürliche Grenzen, denen sich auch die besten Stylisten beugen müssen. Dann wurde ich von den freundlichen Moderatoren begrüßt und schon saß ich auf dem Sofa im Studio. Das heisst: erstmal saß ich auf meiner Wasserflasche, die sich dann über den Sofa und den unteren Teil meines Kleidersets ergoß. Wie peinlich!!! Immerhin: Er ist eine Wasserflasche vom Gebetshaus Augsburg. Man könnte es also auch als eine Art Weihwasser betrachten ;-). Dann endlich, nach einem Probedurchlauf, den ich zuerst für die echte Aufnahme hielt, ging es los. An dem Punkt war ich schon so müde, dass ich gar nicht mehr so richtig weiß was ich auf die Fragen der Moderatoren geantwortet habe. Hoffe inständig ich hab nicht nur Mist geredet.  
Nach einem letzten gemeinsames Handyfoto wurde ich an Rolf-Dieter Wiedenmann weitergereicht, der mich zum Abschluß noch für seine Sendung Calando interviewte. Ich mochte ihn auf Anhieb. Er kommt ursprünglich auch aus dem Schwabenland und wir redeten erstmal eine Runde in unserer Sprache, was mir nach einem halben Tag angestrengtem Hochdeutsch redens (oder eher: dem Versuch das zu tun) so richtig gut tat. Und dann nahm sich dieser, schon etwas ältere Herr, ganz viel Zeit und wir redeten ausgiebig und in Ruhe über das Leben, die Kirche und über Jesus. Am Ende der Sendung sprach er noch ein Gebet, falls jemand der Zuhörer Jesus kennenlernen möchte. Die Schlichtheit seiner Worte berührten mich. Ich spürte: hier sitzt einer der treuen Menschen, die diesen Sender für ganz viele Menschen über all die Jahre zu einem Segen gemacht haben.  Zum Abschied gab er mir noch eins seiner Bücher, wir umarmten uns und dann saß ich auch schon wieder im Taxi und kam nach langen Wartezeiten an Bahnhöfen und einer erstaunlich kurzer Zugfahrt wieder Zuhause an.
Und mit der Freude wieder an "meinem" Ort zu sein, kam auch der anfangs erwähnte Zweifel. Konnte ich wirklich das sagen was wichtig war? Jesus, was denkst du? War es gut? War es nicht viel zu wenig? Weil ich nicht einschlafen konnte blätterte ich noch in einem meiner Lieblingsbücher von Adrian Plass. Und mein Blick fiel auf die Stelle in denen er einen berühmter christlicher Redner, der über sein Leben nachsinnt, in einem inneren Dialog mit Gott sagen lässt (Gott beginnt:-):
"Was hat der kleine Junge Jesus gegeben, als er fünftausend Leuten zu essen geben musste?"
"Sein Mittagessen."...
"Meinst du es wäre schlau von dem Jungen gewesen, bei seinem nächsten Zusammentreffen mit Jesus mehrere LKW-Ladungen mit Brot und Fischen dabei zu haben, damit Jesus sich nicht die Mühe machen musste ein Wunder zu tun?...Alles was du je zu bieten hattest waren die paar Brote und Fische, die du bist. Es war fast nichts als du angefangen hast, und ohne ein Wunder reicht es hinten und vorne nicht, aber es ist immer noch alles was ich will. Sei der du bist, liebe mich und tu, was ich dir sage. Das ist alles."
Heute lese ich diese Worte nochmal. In Ruhe. Und denke: Wow. Genau darum geht es wohl. Wieso denke ich nur jedes Mal, dass ich aber jetzt eine LKW Ladung mitbringen muss, wenn ich doch immer nur eine Handvoll bringen kann? Und wenn ich doch eigentlich immer nur mich selbst sein kann (und das ist meistens schon schwer genug!). Tatsache ist doch: Es braucht JEDES MAL ein Wunder! Das gilt für die begeisternden Worte von begabten Predigern ebenso wie für die ruhige gesprochenen Gebete in einem schlichten Senderaum. Es gilt für damals, auf dem Dachboden bei der Funkbude, als ich mit verschwitzen Händen die Salzstangen weitergereicht habe und es gilt für heute, wenn ich flaschenumwerfend vor einer Kamera nach Worte suche; es gilt für diesen Blogpost und für jede kleine, alltägliche Begegnung die an diesem Tag noch vor mir liegt. Und es gilt für morgen, wenn  ich (ab Januar) gemeinsam mit meiner Freundin Becky aufgeregt ein paar tolle Frauen in unser Wohnzimmer zum Alphakurs begrüßen werde. JEDES Mal braucht es ein Wunder! Egal wie lange wir mit Jesus unterwegs sind: LKW-Ladungen werden zu keinem Zeitpunkt verlangt! Letztlich zählt einfach nur das, was Adrain Plass so wunderbar schreibt:

Sei der du bist, liebe mich und tu, was ich dir sage. Das ist alles.

Ich bete (und ringe) um diese Unbekümmertheit: meine Krümel vertrauensvoll in Jesu Hände zu legen und den Rest der Sache einfach ihm zu überlassen.


 Wir wissen bloß zweierlei: 
zum einen, dass alles, was wir tun, nur klein sein kann,
zum anderen, dass alles, was Gott tut, groß ist.            
Madam Delbrel