Mittwoch, 15. März 2017

gehalten.

Ich liege im Bett, im Dämmerzustand zwischen schlafen und wach werden. In der Küche höre ich Heio vorsichtig mit Tellern und Tassen hantieren und Samuel versucht auf die Art leise zu sein, wie es nur fünfjährige wilde Jungs können: gar nicht. :-) Es rummst und zischt, jammert und jubelt - alles bemüht leise-laut. Obwohl mein Kopf fast zerspringt vor Schmerzen, muss ich lächeln. Was hab ich für ein Glück. Leider schaffe ich es nicht, noch nicht, auszustehen und am Leben teilzunehmen. Die Migräne hämmert mal wieder seit Tagen, mit kurzen Unterbrechungen; ich habe vergessen wann es angefangen hat. Ich rechne schnell nach und stelle fest, dass ungefähr sechs Stunden vor mir liegen bis ich die nächste Schmerztabette nehmen kann. Irgendwann quäle ich mich aus dem Bett, ins lebhafte Frühstücksgeschehen. Ich versuche irgendwie DA zu sein. Auch wenn es schwer fällt.
Das war heute morgen. Ich habe anschließend versucht ein bisschen was zu erledigen. Habe die Wäsche aufgehängt, meine Bahncard gekündigt und musste dabei zweimal nachsehen wie unsere korrekte Anschrift lautet. Ich s auf dem Sofa, schweigend vor Gott. Ich sagte ihm, wenn er mich heute heil machen will, dann hätte ich nichts dagegen. Er tat es nicht. Ich kenne die Gründe nicht. Vielleicht gibt es keine. Es ist mir auch egal. Ich werde mich an ihn klammern, mein Zufluchtsort, bis der Sturm vorüber ist. Wo soll ich sonst hingehen? Ich hole Samu von der Kita. Die Sonnenstrahlen tun mir in den Augen weh und doch wärmen sie mich. Mein Heiland greift nicht ein und doch liebe ich ihn. Er ist gut. Immer. Und das Leben ist Gnade.  Und dass ich das heute glauben kann, ist auch ein Geschenk.
  
Warum ich über meinen dumpfen Schmerz hier schreibe? Ich weiß nicht genau. Eigentlich versuche ich dem Ganzen nicht so viel Raum zu geben - es nimmt schon genug Lebenszeit ein. Aber vielleicht ist es gut immer mal wieder diesen Teil meines Lebens zu zeigen: So geht es mir. Ganz schön oft. Vielleicht sogar fast die Hälfte meiner Tage. Mit den Jahren wird man ganz gut darin, den Schmerz zu verbergen. Aber er ist da. Wenn ich hier schöne Bilder blogge und darüber schreibe, dass ich dankbar bin und sehnsüchtig und dass ich Jesus liebe, dann ist das genauso wahr, wie diese dunkle Tage. An manchen Tage breche ich innerlich zusammen; manchmal begehre ich auf, jammere und schlage den Kopf gegen die Wand, bin "schlecht genervt" (wie Samu das immer nennt) und dann warte ich wieder einfach nur darauf, dass es vorbei geht. Und manchmal überschneiden sich die Tage an denen ich voller Schmerzen bin und dankbar und unglaublich froh am Leben zu sein. 

Der Kopf tut weh- und ich freue mich an dem schönen Wetter

Neulich war ich mit Heio bei einer wunderbaren Konzertlesung von Martin Schleske. Es war ein ganz besonderer Abend. Martin sagte so viele kluge Sachen, dass ich kaum nachkam mitzuschreiben. Er hielt ein Stück Holz in die Höhe und klopfte auf die verschiedensten Stellen. An manchen klang es einfach dumpf nach Holz, egal ob er vorsichtig oder heftig dagegen klopfte. An anderen Stellen hörte man einen ein Klang - Verschiedene Töne! Staunen im Publikum. Und dazu sagte er:
Es ist ein großer Irrtum, wenn das Leben "dumpf" klingt, zu denken: Ich brauche mehr Kraft. Wir können auf die Seele einprügeln, auch mit frommen Willen, es hilft nichts. Das Geheimnis ist folgendes: Es geschieht nicht durch mehr Kraft, sondern es geschieht dadurch, an der richtigen Stelle gehalten zu sein. Und dieses Gehalten-sein beschreibt er mit der Herzensruhe. Und der Ruhepunkt unseres Herzens ist das Vertrauen.  Sich Gott hinhalten. Das ist das Geheimnis eines klingenden Lebens. (und aus dem Stück unscheinbaren Stück Holz wird in einigen Wochen eine Geige!)


Ich fand diese Worte so tröstlich. Vielleicht liegt genau hier das Geheimnis für die Tage, an denen wir uns mit Schmerzen oder kraftlos und müde durchkämpfen. Tage an denen wir herausgefordert sind, gnädig mit uns zu sein, nicht auf die Seele "einprügeln", sondern unseren Ruhepunkt zu finden. Uns halten lassen. So lange bis wir das Herz mit Vertrauen gefüllt haben, dass Gott unser Stück Leben zum Klingen bringt, dass er aus hellen und den dunklen Tagen, dass er aus der ganzen Melodie unseres Lebens einen Lobpreis machen kann. Das will ich ihm glauben. Auch wenn es heute ein bisschen weh tut...













Montag, 6. März 2017

Hungrig im Keller

Es gibt so Momente im Leben, da würde ich am liebsten vor lauter Frust den Kopf rhythmisch auf die Tischkante hauen! Kennt ihr das? So ging es mir jedenfalls letzten Sonntag:
Anstatt in meine kleine, wunderbare Gemeinde zu gehen, habe ich mich, mit Samu im Schlepptau, auf den Weg zur Kirche meiner Schwester gemacht. Sie hatten einen interessanten Gastprediger, den ich so gerne mal hören wollte. Und außerdem ist dort eine tolle Kinderbetreuung mit vielen Spielsachen, direkt neben dem Gottesdienstraum. Ich war mir sicher: Samu würde da gerne mit den anderen Kindern bleiben. Bevor ich losfuhr sagte ich zu Heio ganz glücklich: "Ach, ich freu ich. Einfach mal wieder wo reinsitzen und auftanken. Ich brauche das jetzt so sehr!" Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte: genau an diesem Sonntag fand zum ersten Mal eine Kinderbetreuung für die "Großen" (ab 5 Jahre) statt - in einem Kellerraum!  Und während ich mit Samu den Weg dorthin durch ein dunkles Labyrinth von Gängen lief, wurde mir klar: hier unten bleib er niemals alleine! Hier unten würde ICH niemals alleine bleiben!  Hier erwartete uns auch keine wilde fröhliche Kindergruppe, stattdessen saß da noch ein einsamer Vater, von seiner ängstlichen Tocher fesgeklammert, auf dem Sofa. Ein Leidensgefährte. Wir sahen uns in die Augen uns wussten: hier kommen wir nicht wieder raus, ohne unsere Kinder. Und während oben die Predigt gehalten wurde, auf die ich mich so gefreut hatte, saßen wir im Keller und spielten die Geschichte vom verlorenen Schaf nach. Mäaaah. Ich hätte heulen können, so frustriert war ich. Und so hungrig.

Wahrscheinlich war das dann der Grund, dass ich mich ein paar Tage später, trotz absoluter Müdigkeit, auf den Weg zu einem Abendgottesdienst gemacht habe. Meine Schwester hatte mich begeistert informiert, dass dort ein wunderbarer Gastprediger aus Amerika sein würde, der auch immer wieder direkte Worte von Gott für die Zuhörer bekommt.  Eigentlich stehe ich gerade nicht so auf amerikanische Gastredner. Aber ich war hungrig! Und sowas von bereit. Jesus, wenn du mir was sagen willst - hier bin ich! Bring it on!!!  Die Gruppe war auch nicht so groß, also rechnete ich mir gute Chancen aus mit einer Prophetie in der Tasche nach Hause zu gehen. Allerdings saß ich direkt hinter einem Pfosten, so dass ich den Prediger nicht sehen konnte - und der sah mich natürlich auch nicht! Mein Schwager, der zwei Plätze neben mir saß, NICHT hinter einem Pfosten, bekam eine ermutigende Botschaft. Ich gönne es ihm. Ehrlich. Aber ich bin schon ein bisschen deprimiert nach Hause gefahren (und tröstete mich mit dem Gedanken: wenn das ein echter Prophet gewesen wäre, hätte er mich durch den Balken hindurch gesehen! Haha.)

Und dann war ich am Samstag bei meiner Mutter im Schwarzwald. Was ich nicht wusste: in meiner Heimatkirche, direkt neben meinem Elternhaus, war an diesem Samstag ein Tagesseminar mit Johannes Hartl. Einer meiner Lieblingsprediger! Die Kirche stand offen, jeder konnte dazukommen. Aber ich wusste: mit Samu zusammen macht das keinen Sinn (und meine Mutter ist leider nicht mehr so fit, dass sie ihn alleine beschäftigen könnte) Also ging ich mit meinem Sohn auf den Spielplatz, mit der Bibel in der Tasche, und war dort mit Sicherheit die frustierteste Mutter der Welt!!! 
Ich weiß, alles nicht so dramatisch. Und - dass ihr keinen falschen Eindruck bekommt: ich renne normalerweise nicht ständig irgendwelchen "wichtigen" Christen hinterher. Überhaupt nicht. Aber manchmal staut sich in mir so ein Hunger nach Gott an und ich habe das Gefühl ich finde ihn einfach nicht.  Oder ich sitze hinter einem bescheuerten Pfosten und er sieht mich nicht!

Gestern habe ich dann in unserer Gemeinde gepredigt. Seit langem mal wieder. Über die Geschichte wie Maria und Joseph ihren 12-jährigen Jesus verloren hatten und drei Tage lang (!!!) nach  ihm suchen mussten, bis sie ihn wiederfanden. Ich predigte darüber wie wir Jesus "verlieren" können und ihn manchmal einfach nicht finden und uns fragen wann und wo wir ihn zum letzten Mal gesehen haben. Und während ich gepredigt habe, hat mich so eine unglaubliche Sehnsucht nach Jesus erfasst! Es war, als hätte GOtt die ganzen Tage zuvor trockenes Holz in meinem Herz aufgeschichtet um jetzt einmal kurz reinzupusten und das Ganze zum Brennen zu bringen. Alles in mir war Sehnsucht. Alles was ich sagte war so voller Hunger. Nach der Predigt war ich naßgeschwitzt, wie nach einem 1000-m Lauf!
 Und dann feierten wir gemeinsam das Abendmahl. Ich nahm den Traubensaft und das Brot aus den Händen meiner Weggefährten und es hat so wunderbar geschmeckt, als hätte ich seit drei Wochen nichts gegessen. An dieser kleinen Tafel hat Gott mich leise lächelnd wieder satt gemacht.

Ich glaube manchmal braucht Gott uns hungrig. Manchmal nimmt er unsere ganze Verzweiflung. Unser Warten. Unsere Sehnsucht. Unseren Frust. Manchmal lässt er es zu, dass wir hungrig von seinem Tisch aufstehen, dass wir hinter Balken sitzen und in einem Kellerloch feststecken und nur noch "Mähhh" rufen können. Und dann wird unsere Sehnsucht irgenwann zu Feuer, weil er mit seinem Geist in unser Herz bläst.  Und dann findet er uns wieder. Und macht uns satt. Alle zusammen. Mit nur einem kleinen Schluck Saft und einem Brocken Brot.(und dass ICH von so etwas satt werde ist wirklich ein Wunder!)

An alle Mamas, die hungrig auf den Spielplätzen der Welt sitzen: Das ist besonders für euch!!!!  Gott vergisst uns nicht. Am Ende ist er IMMER der Gott der uns sieht. Und der uns, manchmal nach langem Warten, wieder satt macht. Und dazwischen segnet er uns mit Sehnsucht....


Donnerstag, 2. März 2017

Mittendrin

Gestern habe ich mein vorläufiges Manuskript an meine Lektorin geschickt. Wir haben es ein bisschen gefeiert (wie die meisten von euch wissen, bin ich dafür JEDEN Anlass zu ergreifen um Kuchen zu essen und Kerzen anzuzünden!) 


Heute morgen fühle ich mich ein bisschen verkatert - und das liegt nicht an der Überdosis Schokolade oder der Weincreme die Heio als Überraschung für mich gemacht hat. Ich schaue auf das Durcheinander in der Wohnung, denke an die vielen Dinge die in den letzten Wochen liegengeblieben sind und kann mich nicht aufraffen etwas davon in Angriff zu nehmen. 
In Gedanken bin ich noch bei allem was ich die letzten Monate geschrieben habe und was jetzt bald abgeschlossen ist. So vieles hätte noch gesagt werden können. (und vielleicht auch müssen) Aber es ist auch wichtig den Punkt zu finden. Anzuerkennen: Das ist das was ich im Moment habe. Meine Geschichten, meine Gedanken - und niemals die ganze Wahrheit! ,mein "Stand der Dinge" wie ich sie heute sehen  kann, mit meiner Stimme aufgeschrieben
Aber ich bin auch ein bisschen wehmütig. Dieses tägliche am Computer sitzen und Gedanken zu Geschichten machen - das wird mir fehlen!!! Ich muss an die weisen Worte von Anne Lamott denken die sagt, dass wir uns verabschieden sollten von der Vorstellung Veröffentlichungen und Erfolge würden unsere löchrigen Herzen füllen; stattdessen ist es der Prozess des Schreibens der uns erfüllen und tatsächlich auch ein wenig heil machen kann.  


Manchmal denken wir ja, dass uns erst die tollen Endergebnisse glücklich und froh machen werden. Das fertige Kunstwerk. Das Buch im Regal. Das renovierte Haus. Der blühende Garten. Das abgeschlossene Projekt. Das Essen auf dem Teller.  Und alles das macht uns ja auch glücklich. Für eine gewisse Zeit. Aber es gibt auch eine lebendigmachende Freude wenn etwas unter unseren Händen "am werden" ist. Wenn wir MITTENDRIN stecken. Wenn wir Gedanken aufschreiben, alles wieder löschen und Satz für Satz etwas neues entdecken. Wenn wir Wände einreißen und Staub schlucken und Farbeimer schleppen. Wenn wir den Teig kneten, Kräuter zerhacken und hektisch brodelnde Soßen abschmecken. Wenn wir Saatkörner verteilen, mit dreckige Hände, in kalter Luft und hartem Boden.

Heio ist in diesen Tagen wieder voller Freude am säen....

Kinder lieben das MITTENDRIN. Wenn sie am matschen, bauen und gestalten sind. Das fertige Produkt wird dann auch mit stolzer Freude wahrgenommen, aber manches mühevoll gebaute Legoteil wird auch schnell wieder auseinandergenommen, um nochmal neu anzufangen. Und das eine oder andere "Kunstwerk" wird schnell vergessen und ein anderes wird geschaffen (und man kann dann glücklicherweise manches unbemerkt im Papierkorb entsorgen :-))



Kinder wissen es vielleicht besser als wir, dass die Freude nicht am Ende wartet, wenn alles fertig ist. Freude begleitet uns, ist MITTENDRIN, während wir etwas "erschaffen". Kinder können sich am Ergebnis freuen, sind aber auch bereit es loszulassen - um wieder neues zu entdecken. 
Wie oft sitze ich der Lüge auf, dass mich "Dinge" dauerhaft glücklich und zufrieden machen. Wenn ich erstmal einen Bestseller habe, wenn wir nur eine größere Wohnung hätten, wenn wir Geld für einen tollen, langen Urlaub hätten...Alles das sind ja keine schlechten Sachen. Aber ich merke immer wieder: die Freude versteckt sich da, wo unter unsere Händen etwas "am werden" ist. Wo wir etwas tun dürfen was uns froh und lebendig macht. (auch wenn es noch so klein ist!) Selbstvergessen. Mittendrin. Und wenn wir etwas geschafft haben, dann können wir es loslassen - mit dankbarem und offenem Herzen. Bereit für das nächste was uns unter die Hände kommt.
Ich habe heute ein bisschen in dem wunderbaren Buch Big Magic von Liz Gilbert geblättert und dabei folgendes gelesen:
Irgendwann musst du deine Arbeit einfach abschließen und so, wie sie ist, in die Welt entlassen - und sei es nur, damit du frohen und entschlossenen Herzens fortfahren und andere Dinge schaffen kannst. Denn nur darum geht es...Ein Leben hat nur eine begrenzte Anzahl von Jahren. Man tut was an kann, so kompetent wie möglich, in einer vernünftigen Zeitspanne, und dann lässt man los.
Also lerne ich heute ein bisschen das loslassen. Und versuche frohen und entschlossenen Herzens andere Dinge zu schaffen. Einen Kuchen backen zum Beispiel. Hände in den Teig und Samu die Reste aus der Schüssel schlecken lassen. Die Freude "am werden" wahrnehmen. Denn - wie recht hat Liz Gilbert: wir haben nur eine begrenzte Anzahl von Jahren zur Verfügung. Ein Start und Endpunkt. Und MITTENDRIN ist das Leben.
 







Dienstag, 21. Februar 2017

Höhenluft und Friede

Seit gestern Abend regnet es - eine Wohltat für die Natur und die feinstaubverschmutzte Luft in Stuttgart! (und ich hoffe mein Kopfschmerz, der mich seit Tagen plagt, wird auch mit "abgewaschen")

Letzte Woche war noch strahlendes Wetter und Heio hat mich überredet mit ihm auf die schwäbische Alb zu fahren. Er wollte einen Golfgutschein einlösen und er meinte ich könnte mal wieder zu meiner Lieblingsbank, "meinen Ort" an den ich jahrelang regelmässig kam um zur Ruhe zu kommen und auf Gott zu hören. Aber das hat schon länger nicht mehr geklappt. Das letzte Mal ist tatsächlich schon zwei Jahre her! (ich habe hier darüber berichtet) Aber jetzt: die Chance! Widerwillig bin ich mitgefahren. Es gibt schließlich so viel zu tun! Eigentlich kann ich mir so einen Ausflug doch gar nicht leisten, dachte ich. Auf der Fahrt drängelten in meinem Kopf sämtliche Wichtigtuer um mir zu sagen, dass das doch gar nicht geht. Dazu kam ein Streitgespräch mit Heio (ich kann so gemein sein, wenn ich innerlich angespannt bin!) und ich wollte am liebsten wieder umkehren. 
Nachdem ich Heio am Golfplatz abgeladen hatte fuhr ich zum Breitenstein und schrieb auf dem Parkplatz erstmal eine Entschuldigungs-SMS an den Mann. Dann lief ich zum Albtrauf und - es war wunderschön! Der Ärger und die innere Unruhe fielen von mir ab. Ich atmete die frische Luft, genoß den Ausblick und lief bis zu meiner Bank, die dieses Mal sogar frei war! 




 Dann tat ich was ich immer zuerst tue: Vespern! (für alle Nicht-Schwaben: essen) Und dann: Nahrung für die Seele. Die Losung war so passend


Durstig, mühselig, beladen...alles das war ich.
Und dann erlebte ich, was ich nicht immer dort oben erlebe, aber worauf ich jedes Mal hoffe: Ein tiefer Friede. Wie eine innige Umarmung Gottes.  Mir liefen die Tränen übers Gesicht und ich konnte nur noch sagen: "Ach, du hast mir so gefehlt!" Und ich hatte den Eindruck genau das hat Gott auch zu mir gesagt.
Ich glaube Gott vermisst uns. Und - auch wenn wir das nicht immer so direkt spüren - wir vermissen Gott. Manchmal auch an den Orten, an denen wir ihn sonst immer gefunden haben. Manchmal sind wir ganz lange Zeit Getriebene, Suchende und Durstige. Und dann taucht er plötzlich wieder auf und schenkt uns ein bisschen von sich. Und wir merken was uns gefehlt hat.

Ich meine es war Augustinus der gesagt hat: 
 Gott gibt viele Gaben, aber vor allem ist Gott der, der uns Gott gibt.

Aber das erleben wir ja nicht immer. Manchmal ist er verborgen  in unserem Sehnen und Suchen nach ihm. Manchmal gehen wir an ihm vorbei, weil wir ihn nicht erkennen. Und dann schenkt er Momente, in denen er uns auffüllt wie ein leeres Gefäß mit Wasser. So einen Moment hatte ich auf  meiner Bank.  
Ich hab auf das Tal hinutergeschaut, den Dunst und die schlechte Luft in der ich mich sonst so bewege - oft so angetrieben, von Dingen die mir so wichtig scheinen, aber eigentlich nicht so wichtig sind. Ein sauberer Küchenboden zum Beispiel. Oder die Werbung für mein neues Buch.  Lass los und lass Gott - das hören Anonyme Alkohoiker ständig. Lass die Dinge los, die du sowieso nicht kontrollieren kannst. Menschen. Situationen. Befürchtungen. In der feinstaubverseuchten Luft Stuttgarts fällt mir das alles oft so schwer. Manchmal hilft es auf einen Berg zu steigen. Oder einfach in eine ruhige Gegend zu gehen. Jesus hat das ja auch immer wieder getan. Sich aus dem ganzen Trubel rausgezogen. (und wenn einer hätte sagen können: "Es gibt so viel wichtiges zu tun!" dann doch er!) Es heisst er zog sich in einsame Gegenden zurück um zu beten
Dazu schreibt Lauren Winner:

Was macht eine Gegend zu einer einsamen Gegend?
Eine Gegend einsam wie Jesus? 
Einsam wie ich?
Vielleicht kann ich meine Einsamkeit zur Einladung an Jesus machen,
dass er sich in mir zurückkzieht um zu beten.

Ein bisschen davon ist vielleicht dort oben auf meiner Bank passiert. Ich fuhr wieder zurück und mein Gebet war: "Jesus, lass diesen Frieden in mir nicht gleich wieder weg sein. Ich brauche dich so sehr." Unsere Gefäße sind so löchrig. Wir können die Begegnungen mit Gott eben nicht konservieren. Aber ich versuche weiter kleine Schlücke im Alltag zu trinken. Lass los und lass Gott. Ich hoffe, dass er sich in meine einsamen Gegenden zurückzieht um in mir zu beten. Dass ich spüre, wenn ich ihn vermisse. Und dass er mir immer wieder mal ein wenig von sich schenkt.
So versuche ich im Tal zu leben. Bis die Sehnsucht mich wieder auf den Berg zieht. 
Ich kann es mir einfach nicht leisten, nicht ab und zu dort hinzufahren...

 

Samstag, 18. Februar 2017

Richtung Tagesanbruch

 Das habe ich heute in dem wunderbaren Buch von Lauren Winner (still; notes on a midfaith crisis) gelesen. Sie erzählt:
Eine Kirche in Raleigh lud mich ein um ein wenig über meine christlich- jüdischen Wurzeln zu berichten...Nach dem Vortrag kam eine Frau auf  mich zu und meinte, dass sie uns um die jüdische Art die Zeit zu berechnen beneidet; wie bei uns die neuen Tage immer schon nach Sonnenuntergang anfangen; wie der Sabbat am Freitagabend beginnt und wie auch alle Feiertage ihren Anfang am Abend vorher nehmen.
"Mein geistliches Leben fühlt sich an wie ein jüdischer Tag ", sagt sie zu mir. " Ich bewege mich vom Dunkel in Richtung Tagesanbruch.                          (frei übersetzt)
Daran will ich denken wenn wir heute Abend auf dem Küchentisch unsere Kerze anzünden. Wenn es dunkel wird, feiern wir dem neuen Tag entgegen!

 Shabbat Shalom euch allen!!!