Donnerstag, 13. April 2017

In froher Erwartung.

Nein, wir sind nicht schwanger (puhh, das wäre was :-), aber wir sind in Erwartung von neuem Leben: zwei kleine Kaninchen sollen die Oster- und Geburtstagsüberraschung von Samuel werden.
Eigentlich wären sie schon da, aber der Hase, in den wir unsere ganze Hoffnung gesetzt hatten, war leider nur scheinschwanger. Also, warten wir, mit anderen ungeduldigen Eltern, bis es im Streichelzoo Esslingen wieder kleine Häschen gibt. So lange bereiten wir uns auf das neue Leben vor.
Unsere Nachbarn, die auch seit kurzem "Haseneltern" sind, haben uns zwei Bücher ausgeliehen, die wir nun abends durcharbeiten. Meine Güte! Was man bei so einem Kaninchen alles beachten muß. Ich will am liebsten alles absagen, weil ich mir sicher bin: das Tier wird bei uns keine Woche überleben.


eine ganze Apotheke??!! Sogar homöopathische Tröpfchen??? Hallo?
Eigentlich dachte ich, das ist nicht so kompliziert. Wir hatten früher, im Schwarzwald, auch mal Hasen. Da hieß es einfach: Stall, Futter, fertig. Hase kann kommen! Von wegen Apotheke, Spielzeuge, Hängematte (!?) und Krallenzange. (die Krallen wurden von selbst gekürzt, während der Garten umgegraben wurde und sämtiche Fluchtwege erfolgreich in den freien Teil des Schwarzwalds gegraben wurden)
Irgendwie erinnert mich das Ganze dann doch ein klein wenig an die Zeit vor Samus Geburt. Beim Lesen der Baby- und Stillbücher in der Schwangerschaft dachte ich auch: Wie wird dieses kleine Wesen auch nur eine Woche bei uns überleben? wir müssen dringend nochmal zur Apotheke! (zur Zeiten meiner Oma hieß es wahrscheinlich auch: Bett, Futter, fertig. Kind kann kommen! :-)). Und jetzt wird der kleine Mensch von damals, den wir vom Krankenhaus so vorsichtig nach Hause gefahren habe, tatsächlich in ein paar Tagen sechs Jahre alt! Und er lebt noch! Auch wenn das als Erziehungsziel für manchen etwas lächerlich klingt: für mich ist es wirklich ein ziemliches Wunder. Er lebt und wächt und nimmt seinen Platz in unserem Leben ein (wir brauchen dringend ein größeres Kinderbett!)
Und das haben dann wohl Kinder und Kaninchen tatsächlich gemeinsam: sie benötigen Platz - räumlich, zeitlich und in unseren Herzen.

Der Stall steht, das Freigehege ist in Planung...
Wir bereiten den Platz vor, in der zunehmend freudigen Erwartung, dass er bald mit Leben gefüllt wird. (und über Ostern müssten wir eigentlich noch eine ganze Kiste Wein trinken, damit wir das Ganze eine Etage höher stellen können. Betet für uns! ;-))


Apropos Ostern:  All das Vorbereiten von Festen und Hasengehege erinnert mich daran, dass dieses neue Leben, das uns in Jesus geschenkt wurde, auch Platz braucht. Und Zeit. Manchmal kommt es in unseren unruhigen Herzen nicht so schnell an, wie wir uns das erhoffen. Ich versuche, trotz vielen drängenden Dingen, immer wieder "freie Zeiten" zu schaffen. Fernseher aus. Herz freiräumen. Still werden. Nichts tun, außer Raum schaffen, für den Gekreuzigten und Auferstandenen. DAS fällt mir schwer. Aber mich erfüllt auch zunehmend eine frohe Erwartung. Im Garten fallen die Blüten auf`s Gras wie ein Konfetti-Regen. Feierstimmung. Jesus ist auf dem Weg. Unser Leben. 

Komm, Herr Jesus. Nimm Platz, Erlöser. Unsere Welt wartet darauf mit neuem Leben gefüllt zu werden.


Frohe Ostern, euch allen!!!! 



Mittwoch, 5. April 2017

Es gibt tausend gute Gründe...

 ...warum ich Jesus liebe. Hier sind ein paar davon, die mir ganz spontan einfallen:


1. Er ist nicht sauer auf mich wenn ich mir teure Stiefel kaufe
Letzte Woche habe ich mir Sommerstiefel gekauft die viiiiiel zu teuer waren!!! Ich habe es Heio (und mir) gegenüber damit gerechtfertigt, dass ich keine anderen gefunden habe, und dass ich mein Geburtstagsgeld dafür verwenden würde - das kommt erst in ein paar Wochen und ist leider schon mehrmals im Vorfeld "verwendet" worden.  Ich stelle die Stiefel beim Beten vor mich hin und biete Jesus an, dass ich sie wieder zurückbringen werde, falls er das will. Ich bekomme kein entsprechendes Wort (die Stelle: "jeder Stiefel der dröhnend einherstampft verfällt dem Feuer" wäre doch zu weit hergeholt,oder?). Also behalte ich sie. Mit ein bisschen schlechtem Gewissen. Am Sonntag ist Heio als Gastprediger in einer tollen Gemeinde hier in Stuttgart. Völlig unerwartet bekommt er dafür Geld. Er nennt die großzügige Summe und für einen Moment schauen wir uns verblüfft an. "Meine Stiefel!",sage ich. Heio lacht! "Tatsächlich. Deine Stiefel."  Ich LIEBE Jesus!!!



2. Er feiert Abendmahl mit uns auf den Spielplatz
 Eine Freundin aus der Gemeinde und ich waren am Sonntagnachmittag mit ungefähr zehn Kindern draußen auf dem Spielplatz, während ein paar hundert Meter weiter der Gottesdienst stattfindet. Da tauchte ein Freund am Zaun auf. Ich denke mir, dass vielleicht der Gottesdienst vorbei ist und er seinen süßen Sohn abholen will. Aber er streckt uns einen Teller hin auf dem ein Brot liegt. "Der Leib Jesu, für dich gegeben!"  Zwischen Sandkasten und Klettergerüst und lärmenden Kindern am Rockzipfel nehmen wir das Abendmahl. Es knirscht ein bisschen sandig. Ich flüstere "Danke Jesus" und fange ein Kind auf, das vom Klettergerüst springt. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass das Brot beim Abendmahl auch für das Alltägliche und gewöhnliche steht und der Wein für die besonderen Momente die wir feiern. Dass Jesus mir solche heiligen Momente schenkt, die sich anfühlen wie eine sandig, klebrige Umarmung mitten im Leben, dafür liebe ich ihn.



2. Er schreibt die schönsten Geschichten in dem er Menschen begegnet die ihn eigentlich überhaupt nicht gesucht haben, und bei seinem Anblick merken, dass sie ihn ihr ganzes bisheriges Leben vermisst haben
Zwei Bücher die ich in der letzten Zeit gelesen, bzw. verschlungen habe:


Ein Künstler-Journalisten-Ehepaar aus Berlin.  Weltenbummler. Hungrig nach mehr und keine Ahnung nach was eigentlich. Ein stellvertretender Chefredakteur bei der Bildzeitung, der bei einem Katastropheneinsatz in Haiti plötzlich in einer morgendlichen Gebetsgruppe landet.  Und dann der Moment wo Jesus in ihr Leben tritt. Liebevoll und leise. Und doch so klar, dass sie wissen: Jetzt ist alles anders. Oder wie Daniel Böcking es ausdrückt:  
Der Kloß im Hals der sich endlich auflöst. Das Geröll auf dem Herzen das endlich abrutscht. Ich warf allen Dreck weg um mich fröhlich lachend in ein neues Leben zu stürzen. Um neu geboren zu werden in Gott.
Dass Jesus Menschen so begegnet, mit einer Liebe gegen die man sich einfach nicht wehren kann, dafür liebe ich ihn!!

3. Er hat immer tolle Geschenke dabei, die er an seine Nachfolger verteilt und es macht Spaß sie zusammen auszuprobieren
Ich denke an den prophetisch begabten Prediger den wir am Sonntag im Gottesdienst hatten und der mich total ermutigt hat. Und an meinem Nebensitzer der leise und hingebungsvoll in Zungen geredet hat während ein anderer gerade für einen kranken Freund betete.  "Everyone gets to play!",(jeder darf mitspielen) das sagte John Wimber, einer der Gründer der Vineyard-Bewegung. Und ich denke er meinte einfach damit, dass bei Gott jeder mitmachend darf. Dass wir Laserschwerter schwingen, Ninjaoutfits anziehen dürfen, Dinosaurier die Köpfe abhacken und mit Piratenschiffe auf Schatzsuche gehen dürfen. Die einzige Spielregel: haut euch damit nicht die Köpfe ein. Ok, hier bricht die Jungsmama in mir durch. Aber im ernst: Ich glaube Gott hat uns tatsächlich ein paar spannende Gaben zu verteilen mit denen ganz gewöhnliche Menschen wie du und ich, außergewöhliche Dinge tun können. Wir können auf Schatzsuche gehen und Menschen etwas von Gott weitersagen, wir können anderen die Hände auflegen und für Heilung beten, wir können Gebundene im Namen Jesus Freiheit zusprechen und damit der alten Schlange auf den Kopf treten...es gibt viele aufregende Dinge die wir tun dürfen. Und die Spielregeln von Jesus sind ganz einfach
1. Jeder darf mitspielen
2. Haut euch damit nicht gegenseitig die Köpfe ein!


4. Er ist sich nicht zu schade dafür mit mir auszumisten und wundert sich auch kein bisschen über den Dreck unterm Sofa
Ich mache zum ersten Mal in meinem Leben so etwas wie Frühjahrsputz. Ich gestehe: Obwohl ich es in den letzten 46 Jahren nicht vermisst habe, macht es irgendwie Spaß sich Zimmer für Zimmer durch den Dreck zu kämpfen. (allerdings sind die Fensterscheiben  mit einem schmierigen Film überzogen- NACH dem Putzen. Hat mich auch gewundert, bis ich gemerkt habe, dass ich Sacrotanspray statt dem Fensterputzmittel verwendet habe. Funktioniert nicht gut, aber bakterienfreie Fenster sind auch was wert!) 
Und zwischendurch finde ich immer wieder "Lebensspuren" der letzten Jahre, die mich zum Lächeln bringen:


Abends sitze ich auf dem Sofa und kehre in den dunklen Ecken von meinem Herz und bin ein bisschen schockiert darüber was da alles zum Vorschein kommt. Und ich habe den Eindruck Jesus sagt mir lächelnd: Gut, dass du dir nichts vormachst. Da ist schon einiges an Dreck. Aber deshalb hast du ja mich. Und da ist auch einiges an "Lebensspuren" unserer gemeinsamen Liebe worüber du dich freuen kannst. Meine Liebe ist stärker als alles andere. Ich, der Auferstandene setzte mich in deinem Leben durch. Vertrau mir einfach.

5. Er ist wie eine liebevolle Mama, die uns jede Nacht beim Schlafen zuschaut 
Der kleine Sohn ist zur Zeit ziemlich anstrengend. Er testet alle Grenzen, "folgt" nicht richtig, hat eine Energie wie 10 junge Pferde und ist kaum zu bändigen. Immer wieder reisst mir total der Geduldsfaden. Und dann schaue ich jeden Abend nochmal zu ihm bevor ich ins Bett gehe. Kindern beim Schlafen zuschauen ist unglaublich schön und beruhigend. Ich küsse ihn, er seufzt im Schlaf und mein Herz ist voller Liebe.
Und während ich so neben dem Bett sitze denke ich an Jesus. Wie er uns beim Schlafen zusieht. Dir. Mir. Unseren Nachbarn. Den Flüchtlingskindern. Den Glücklichen, Leidenden und Sterbenden. Und sein Herz so voll mit wunder Liebe. Ich ahne, dass meine Liebe zu meinem Sohn, die mir ja schon ganz schön groß vorkommt, im Vergleich zu Gottes gewaltiger Liebe wie ein Wassertropfen im Ozean ist. Und jeden Moment des Tages, egal was wir tun, sind wir geflutet mit dieser Liebe. Dass er uns so lieb hat - dafür liebe ich ihn

 

6. Er kennt Todesangst und Schmerzen und ist für mich gestorben und sein Herz ist so groß und weit , dass wir alle Teil seiner Erlösungsgeschichte werden können
Die Passionswoche liegt vor uns. Ich werde mal wieder die Geschichte über sein Leiden und Sterben lesen. Langsam. Abschnitt für Abschnitt. Ich will die Tage mal ein bisschen mit ihm aushalten, in denen er das Dunkel und den ganzen menschlichen Dreck abbekommen hat. Wir haben einen Gott der die Schmerzen und Ängste unseres Mensch-seins durchlebt hat. Er versteht uns. Was für ein Glück. Und am Ende wurde eine unglaubliche Geschichte daraus. Wild und wahr. Und dann breitet er seine Arme aus und lädt uns alle ein, Teil dieser großen Geschichte zu werden.

www.visualstatements.net

Dienstag, 28. März 2017

Ungebetene Besucher und die still wachsende Saat

Neulich habe ich mir Kirschblütenzweige gekauft. Ich weiß - Zweige sollte man sich eigentlich nicht kaufen. Heio hat auch nur verzweifelt den Kopf geschüttelt. Aber hey: wir wohnen in der Stadt. Und da sind Kirschbäume was besonderes! Da bricht man nicht einfach mal so die Zweige ab. Und außerdem hatte ich den Eindruck Gott wollte, dass ich die Zweige kaufe. (das war das Totschlag-Argument für Heio :-)) Ich hab sie in unsere schönste Gießkanne gestellt und Gott versprochen, dass ich solange versuchen werde still zu halten, bis die Blüten aufgehen. Weil ich nämlich gemerkt habe: Es fällt mir gerade so schwer still zu halten. Ich möchte am liebsten gleich ein neues Buch schreiben, oder dem Manuskript noch wichtiges hinzufügen (nachdem mir der Verlag noch 20 Seiten mehr als geplant zugesichert hat) oder einen tollen Artikel schreiben oder wichtige Gedanken bloggen. Und da höre ich den Satz: If you don`t know how to stop, you better stop. Und ich weiß: das ist für mich. Ich muß dringend einfach mal still halten. Loslassen.
Also, Stift aus der Hand. Computer runterfahren. Ich kaufe die Zweige und hoffe, dass die Blüten bald aufgehen. Die nette Frau im Blumenladen sagte mir, das dauert so zwei bis drei Tage. Ich klebe noch einen klugen Satz auf die Kanne und warte. Zwei bis drei Tage - das schaffe ich.


Ich stelle die Zweige in die Sonne. Rücke sie in die Nähe der Heizung. Aber nichts passiert. Ich putze die Wohnung, spiele mit Samu und schaue immer mal wieder zu meinen Zweigen - es tut sich NICHTS. Tagelang! Vielleicht funktioniert es nicht? Vielleicht sind es japanische Kirschzweige, die nur in Japan blühen? Ich werde NIE WIEDER schreiben! Ich sollte die Zweige umtauschen und blühende kaufen.  Ob Gott damit einverstanden ist? Ob es helfen würde die Knospen ein bischen anzustechen oder Zucker ins Wasser zu tun? Ich lasse es. Alles. Und warte.


Die Blüten zeigen sich also erstmal nicht, stattdessen kommt Besuch. Und zwar die Kollegen die immer auftauchen wenn ich mal zur Ruhe kommen will:
Da kommt die hektisch, dünne Dame "Rastlos". Sie rennt durch alle Zimmer, schreibt unaufhörlich to-do-Listen, mäckelt an allem rum und sagt mir was dringend erledigt werden muß. Das geht ein paar Tage so, dann gibt sie auf und reist überstürzt ab. Gegen sie ist kein Mittel gewachsen. Man kann ihren Besuch einfach nur aussitzen im Wissen, dass sie wieder verschwindet.

Anders ist es bei den Kollegen "Angst und Sorge". Sie lagen bisher nur unter Kopfkissen und durften mich am Abend und in den Träumen ein bisschen stören. Jetzt sehen sie ihre Chance gekommen und machen sich mit ihren finsteren "Was-wenn...Gedanken" breit. 

Was, wenn sich der Gesundheitszustand meiner Mutter weiter verschlechtert und sie Pflege benötigt? Wie schaffen wir das? Wird die Kraft reichen?
Was, wenn das mit dem Schreiben jetzt der Endpunkt war? Sollte ich mir nicht doch wieder einen "richtigen Job" suchen?
Was wenn alles nicht gut genug ist was ich tue und bin?
Was wenn Samu und Heio was schlimmes passiert?
Was wenn ich Opfer von einem Identitätsklau werde und jemand in meinem Namen Verbrechen begeht und mich Nachts ein schwerbewaffnetes Sondereinsatzkommando aus dem Bett holt? (eindeutig zu viele Krimis und zu viel Phantasie, ich weiß!)

Und da höre ich, während ich Samus Zimmer ausmiste, eine Predigt von Hans Peter Royer. Er redet über unsere Ängste und das Sorgenmachen und seine Antwort darauf trifft mir mitten in`s Herz: DAFÜR HABE ICH JESUS. Genau. Ich lese noch einmal jede Sorge, lasse jeden ängstlichen Gedanken zu und sage mir: Dafür habe ich Jesus! Und ich spüre wie Jesus mich anlächelt und mir sagt: Ja, dafür hast du mich. 

Und ich lege ein paar Zettel in meine "EdJe-Box." Die Idee habe ich von meiner Schwester und die hat sie von Maria Prean. EdJe heisst: Etwas das Jesus erledigt. Das kommt in die Box. Mit einem Gebet: Danke Jesus, dass du dich darum kümmerst. Jetzt lasse ich es bei dir. Und damit verschwinden die Ängste und Sorgen wieder unterm Kopfkissen.



Und noch ein  Besucher hat sich in der Stille breit gemacht. Es ist der Wichtigtuer. In meiner Vorstellung spricht er mit breitem texanischen Akzent und sagte mir: "Hey, die Welt da draußen braucht dich! Du bist wichtig! Du kannst nicht einfach Zuhause sitzen und warten bis die Blüten aufgehen." Dieser Typ verzieht sich dann, wenn ich Lobpreis mache. Oder wenn ich das alte Gebet laut ausspreche:  Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heilige Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immer dar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.  
Die Worte erinnern mich daran, dass ich nicht so wichtig bin wie ich das oft denke. Das die Welt vor meiner Geburt existiert hat und aller Wahrscheinlichkeit auch nach meinem irdischen Leben alles so weiter gehen wird. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Das muß ich mir ab und zu vor Augen halten. Ich halte still um dem Wichtigtuer in mir ein bisschen die Luft raus zu lassen.

Und dann sind sie endlich weg. Die ungeliebten Besucher. Und der scheue Gast kommt endlich zu mir an den Tisch: die Stille kehrt ein.

Frieden. 

Ich entspanne mich. Helfe Heio im Garten. Und während wir säen und Unkraut rausreissen erinnere ich mich daran, dass es mit dem Reich Gottes ist, wie mit der still wachsende Saat. Wir geben unseren kleinen Teil in die Erde und dann sitzen wir mit dem Feierabendbier auf der Bank und blicken über die Felder und vertrauen entspannt darauf, dass Gott das Wachstum schenkt. Ganz ohne unser zutun.




Wir machen einen Ausflug auf die schöne schwäbische Alb und genießen Stockbrot und Sonnenuntergang. Wie schön hat Gott die Welt gemacht! (und ganz ohne meine Hilfe, haha)







 Ehe die Sonne untergeht, 
ehe der Tag verweht,
kehre ich heim zu dir
und falle in deine Arme. 
                                                                                                       J.Blei


Und dann sind sie plötzlich da: die Blüten! Ich hab sie nicht aufgehen sehen. Still und leise sind sie einfach da. Ich staune und freue mich und spüre Gottes Lächeln. Sein: ICH BIN DA.  Ich bringe Dinge zum Blühen, ganz ohne dein zutun. Dafür hast du mich. Und ich lächle entspannt zurück und sage: "Ja, Jesus, dafür habe ich dich." Und dann bin still.

Mittwoch, 15. März 2017

gehalten.

Ich liege im Bett, im Dämmerzustand zwischen schlafen und wach werden. In der Küche höre ich Heio vorsichtig mit Tellern und Tassen hantieren und Samuel versucht auf die Art leise zu sein, wie es nur fünfjährige wilde Jungs können: gar nicht. :-) Es rummst und zischt, jammert und jubelt - alles bemüht leise-laut. Obwohl mein Kopf fast zerspringt vor Schmerzen, muss ich lächeln. Was hab ich für ein Glück. Leider schaffe ich es nicht, noch nicht, auszustehen und am Leben teilzunehmen. Die Migräne hämmert mal wieder seit Tagen, mit kurzen Unterbrechungen; ich habe vergessen wann es angefangen hat. Ich rechne schnell nach und stelle fest, dass ungefähr sechs Stunden vor mir liegen bis ich die nächste Schmerztabette nehmen kann. Irgendwann quäle ich mich aus dem Bett, ins lebhafte Frühstücksgeschehen. Ich versuche irgendwie DA zu sein. Auch wenn es schwer fällt.
Das war heute morgen. Ich habe anschließend versucht ein bisschen was zu erledigen. Habe die Wäsche aufgehängt, meine Bahncard gekündigt und musste dabei zweimal nachsehen wie unsere korrekte Anschrift lautet. Ich s auf dem Sofa, schweigend vor Gott. Ich sagte ihm, wenn er mich heute heil machen will, dann hätte ich nichts dagegen. Er tat es nicht. Ich kenne die Gründe nicht. Vielleicht gibt es keine. Es ist mir auch egal. Ich werde mich an ihn klammern, mein Zufluchtsort, bis der Sturm vorüber ist. Wo soll ich sonst hingehen? Ich hole Samu von der Kita. Die Sonnenstrahlen tun mir in den Augen weh und doch wärmen sie mich. Mein Heiland greift nicht ein und doch liebe ich ihn. Er ist gut. Immer. Und das Leben ist Gnade.  Und dass ich das heute glauben kann, ist auch ein Geschenk.
  
Warum ich über meinen dumpfen Schmerz hier schreibe? Ich weiß nicht genau. Eigentlich versuche ich dem Ganzen nicht so viel Raum zu geben - es nimmt schon genug Lebenszeit ein. Aber vielleicht ist es gut immer mal wieder diesen Teil meines Lebens zu zeigen: So geht es mir. Ganz schön oft. Vielleicht sogar fast die Hälfte meiner Tage. Mit den Jahren wird man ganz gut darin, den Schmerz zu verbergen. Aber er ist da. Wenn ich hier schöne Bilder blogge und darüber schreibe, dass ich dankbar bin und sehnsüchtig und dass ich Jesus liebe, dann ist das genauso wahr, wie diese dunkle Tage. An manchen Tage breche ich innerlich zusammen; manchmal begehre ich auf, jammere und schlage den Kopf gegen die Wand, bin "schlecht genervt" (wie Samu das immer nennt) und dann warte ich wieder einfach nur darauf, dass es vorbei geht. Und manchmal überschneiden sich die Tage an denen ich voller Schmerzen bin und dankbar und unglaublich froh am Leben zu sein. 

Der Kopf tut weh- und ich freue mich an dem schönen Wetter

Neulich war ich mit Heio bei einer wunderbaren Konzertlesung von Martin Schleske. Es war ein ganz besonderer Abend. Martin sagte so viele kluge Sachen, dass ich kaum nachkam mitzuschreiben. Er hielt ein Stück Holz in die Höhe und klopfte auf die verschiedensten Stellen. An manchen klang es einfach dumpf nach Holz, egal ob er vorsichtig oder heftig dagegen klopfte. An anderen Stellen hörte man einen ein Klang - Verschiedene Töne! Staunen im Publikum. Und dazu sagte er:
Es ist ein großer Irrtum, wenn das Leben "dumpf" klingt, zu denken: Ich brauche mehr Kraft. Wir können auf die Seele einprügeln, auch mit frommen Willen, es hilft nichts. Das Geheimnis ist folgendes: Es geschieht nicht durch mehr Kraft, sondern es geschieht dadurch, an der richtigen Stelle gehalten zu sein. Und dieses Gehalten-sein beschreibt er mit der Herzensruhe. Und der Ruhepunkt unseres Herzens ist das Vertrauen.  Sich Gott hinhalten. Das ist das Geheimnis eines klingenden Lebens. (und aus dem Stück unscheinbaren Stück Holz wird in einigen Wochen eine Geige!)


Ich fand diese Worte so tröstlich. Vielleicht liegt genau hier das Geheimnis für die Tage, an denen wir uns mit Schmerzen oder kraftlos und müde durchkämpfen. Tage an denen wir herausgefordert sind, gnädig mit uns zu sein, nicht auf die Seele "einprügeln", sondern unseren Ruhepunkt zu finden. Uns halten lassen. So lange bis wir das Herz mit Vertrauen gefüllt haben, dass Gott unser Stück Leben zum Klingen bringt, dass er aus hellen und den dunklen Tagen, dass er aus der ganzen Melodie unseres Lebens einen Lobpreis machen kann. Das will ich ihm glauben. Auch wenn es heute ein bisschen weh tut...