Dienstag, 29. Juli 2014

Zeit zu feiern und Zeit für eine Pause

Am Samstag hatten wir unser Gemeinde -Sommerfest.
Eigentlich wollten wir unser 20-jähriges Bestehen feiern, aber dann haben wir nachgerechnet und kamen nur auf 19 Jahre. Trotzdem dachten ein paar von uns: wir sollten feiern- einfach, dass es uns noch gibt als Gemeinde, nach einigen krisengeschüttelten Jahren.
Dann haben viele von den eingeladenen Gästen abgesagt, wir hatten das Gefühl es ist für die meisten nur ein zusätzlicher Termin vor den Ferien, bei dem man dann auch noch mithelfen muss.
Alles lief schleppend, die Kuchen- und Salatlisten füllten sich kaum, und für unser kleines Vorbereitungsteam war es nicht einfach. Ich selber fühlte mich auch fast zu müde um zu feiern. 

Dann war schlechtes Wetter angesagt. Wir standen mittags auf der Wiese im strömenden Regen und fragten uns, ob das Ganze nicht eine schlechte Idee war und ob überhaupt jemand kommen würde.

Aber nachdem wir das Partyzelt aufgebaut hatten und die Girlanden zwischen den Bäumen flatterten, schaute die Sonne vorbei. Leute kamen, beladen mit Kuchen und Salate, Getränke, Grillgut, Luftballons und Musik und alles was man zu einer guten Party eben braucht.  Und dann wir haben ein wunderbares Fest zusammen gefeiert.



die Karten für den Lufballon

das wollte Samu auf seiner Karte stehen haben:-)
es wurde gemütlich gefeiert und getanzt bis es dunkel wurde

Ich bin froh, dass wir gefeiert haben. Feiern ist wichtig (darüber habe ich ja auch hier schon geschrieben), auch wenn uns das Leben manchmal tausend Gründe gibt warum wir nicht feiern sollten. Wenn wir einen kleinen Grund finden zu feiern, dann sollten wir es tun.

Vielleicht gerade dann, wenn wir uns eigentlich zu müde fühlen. Wenn wir zusammensitzen und über das Gute reden was wir schon alles erlebt haben, wenn wir zusammen singen, essen und trinken und tanzen - dann gibt uns das neue Kraft und Freude für unseren Alltag.

Gott hat seinem Volk in regelmässigen Abständen Partys verordnet. Als müsste er uns daran erinnern: Hey, vergesst das Feiern nicht - wenn ein kleiner Lebensabschnitt zu Ende geht, wenn etwas Gutes passiert ist oder wir heil durch eine schwere Phase gekommen sind. Es gibt viele Gründe eine Wanderung zu unterbrechen, die Picknickdecke auszupacken und sich ein wenig in die Sonne zu legen.

Heute lese ich ein Satz von Dietrich Bonhoeffer:
Die Zehn Gebote enthalten kein Gebot zu arbeiten, aber ein Gebot, von der Arbeit zu ruhen. Das ist die Umkehrung von dem, was wir zu denken gewohnt sind.

Die meisten von uns müssen nicht daran erinnert werden mehr zu leisten und zu arbeiten. Aber wir brauchen die Erinnerung das Feiern nicht zu vergessen. 


Und es tut uns gut etwas ruhen lassen womit wir uns sonst immer beschäftigen.
Deshalb werde ich die nächsten Wochen den Blog ruhen lassen und euch und mir eine Pause gönnen.
Ich stehe in der Gefahr ständig Worte zu formulieren und Bilder zu machen, in der Absicht sie hier zu teilen. Ohne Pause, ohne Stille dazuwischen, ohne hinzuhören nehme ich meine Worte zu wichtig, sie werden bedrängend und ich fürchte dass sie am Ende hohl und leer werden.

Ich möchte ein paar Wochen einfach still halten und ruhig werden (so gut es eben geht mit einem Wirbelwind zuhause, der ja auch Ferien hat!). Ich will DA SEIN und zuhören und loslassen und die Hände frei bekommen um neues zu empfangen.

Ich danke euch, dass ihr hier immer wieder vorbeigeschaut habt im vergangenen Jahr und mir auch mit mancher mail und Kommentaren gezeigt habt, dass ich nicht nur Selbstgespräche führe. Und ich freue mich wenn ihr Mitte September dann wieder hier seid (leichte Panik- was ist wenn dann niemand mehr da ist!? :-)).

Habt einen wunderbaren Sommer und vergesst nicht ein wenig zu feiern - auch wenn  ihr müde seid.
Blickt zurück auf das was ihr geschafft habt, auf eine Phase die vielleicht zu Ende geht, auf etwas Gutes was ihr bekommen habt oder dass ihr heil bis hierher durch eine schwere Zeit gekommen seid.
Feiern wir - ruhen wir ein wenig aus, wo es möglich ist lassen wir etwas los und halten still- wer weiß was uns neues in die offenen Hände gelegt wird...

und weil wir dieses Jahr leider nicht am Meer sind, sitzen wir eben im Schwarzwaldcafe im Strandkorb



Donnerstag, 24. Juli 2014

was mein Leben reicher macht

Langsam rückt die Ferienzeit immer näher und ich fühle mich so richtig urlaubsreif. 


Ich freue mich auf die Sommertage - aber es passieren auch hier und jetzt gute Dinge, die ich nicht übersehen will. Deshalb wird es wieder einmal Zeit für die Rubrik  "Was mein Leben reicher macht":

Beim Bäcker fragt mich die Verkäuferin: "Wie geht es ihnen denn?". 
Meint sie mich? Ich bin mir nicht sicher. Wir kennen uns kaum.  "Gut", sage ich und will mit der Brötchentüte in der Hand schnell verschwinden. 
"Sie sehen gerade immer so müde aus", sagt sie mitfühlend und  "Ich wünsche ihnen einen guten Tag!".  Wie gut tut so viel unerwartete Freundlichkeit.
 
Im Behindertenheim überrascht mich mein Bezugskind das ich schon seit 13 Jahren kenne und liebe. Seit seiner Geburt verweigert er das Trinken und wird Sondenernährt. Jetzt stellt eine Kollegin einen Becher auf seinen Platz. "Er trinkt doch nicht!", sage ich. Sie grinst nur.
Der Junge greift mit Hilfe meiner Hand zu Becher und fängt an in großen Schlücken zu trinken. Ich bin überwältigt, er strahlt mich an. Manchmal gibt es eben doch kleine Wunder und Fortschritte, die niemand wirklich erwartet hat.



Bei uns ist heute Sperrmüll. Mein Mann ist der Sammler aller Sammler und kann sehr schlecht etwas wegschmeissen (wir haben eine "Salatschüssel", die einmal das Glas seiner alten Waschmaschine war).  Er hat es geschafft sich von einigen Dingen zu trennen. Er schaut zwar ganz wehmütig auf den Haufen, aber ich bin glücklich und freue mich, dass wir ein wenig mehr Platz zum Leben haben.




Am Samtag ist das Sommerfest unserer Gemeinde und ich suche alte Bilder zusammen, für eine kleine Fotoausstellung.  Samu sieht ein Bild von seinem Papa, wie er lange Dreads hat. "Igitt, oder Mama?", ist sein Kommentar.

Beim Kleben und Sortieren kommen Erinnerungen an die vielen Geschichten- an so viel Gutes was wir in fast 20 Jahren zusammen erlebt haben, aber auch an schwere Zeiten. Mir wird bewusst wie sehr die Geschichten die ich erlebt habe und die Menschen mit denen ich schon so lange zusammen unterwegs bin, mein Leben reich machen.


Und ich habe nicht erwartet, dass ich noch wunderbare, neue Freunde treffen würde.
Wenn man jung ist denkt man, die ganze Welt steckt voller Möglickeiten und jeder Mensch kann dein Freund werden. Umso älter ich werde, umso mehr erkenne ich, was für ein wertvolles und seltenes Geschenk Freunde sind. Meine "alten" und "neuen" Freunde: Ihr seid so wertvoll! Ihr macht mein Leben reich. Ich hoffe ihr wisst das (und ich versaue es nicht!). Danke, dass ihr mich durch diese müde und spannende Phase meines Lebens begleitet.



Jeden Morgen bringt Heio, zusammen mit Samu, ein paar Früchte aus unserem Garten zum Frühstück. Zuerst hatten wir Erdbeeren, dann Himbeeren jetzt gibt es Sauerkirschen und Brombeeren. Was für ein Segen. Wieviele Früchte wachsen in dieser Jahreszeit bei uns!
Im Schwarzwald war ich mit Samu "in der Heidelbeeren". Er hat geduldig die kleinen Beeren gezupft. Es reichte zwar nicht für einen Kuchen aber für Heidelbeeren mit Milch und Zucker. Lecker. Und alles ganz umsonst!



Beim Abholen von Samu in der KiTa begegnet mir regelmässig ein junger Mann. Er wirkt etwas schwerfällig und ist immer am telefonieren, mit seinem Chef. Meistens schimpft er oder erzählt lange Geschichten und ständig fragt er nach: "Chef, was soll isch machen?" 
Am anderen Ende der Leitung wird geduldig zugehört und erklärt. Ich denke: was für ein toller Chef hat der Kerl!
Heute trug er ein T-Shirt mit der Aufschrift: JESUS IS MY BOSS.
Alles klar:-). 

Und was macht euer Leben reich?

Montag, 21. Juli 2014

Schwimmen lernen

Heute gibt es etwas besonderes!!!
Ich freue mich, dass ich euch einen Post von Chrissy Kelly übersetzen darf, der mich sehr berührt hat (als kleine Sommerlektüre sozusagen).

Chrissy lebt mit ihrer Familie in Kalifornien. Bei ihren zwei kleinen Söhnen (3 und 5 Jahre) wurde schon sehr früh Autismus diagnostiziert. Es beeindruckt mich wie sie ihren - oft nicht einfachen- Alltag meistert und wie ehrlich sie auf ihrem Blog schreibt. Und sie macht wunderbare Bilder von ihren Kindern. Obwohl ich sie noch nie getroffen habe, habe ich sie in`s Herz geschlossen.

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In Kalifornien ist es für die Kinder besonders wichtig, dass sie früh schwimmen lernen, da 
fast jedes Haus einen Pool hat - und autistische Kinder können die Gefahren schlecht einschätzen (und der kleine Sohn steuert zielstrebig auf jedes Wasser zu). Hier berichtet sie nun wie Greyson schwimmen lernt und sie erzählt damit auch ihre eigene Geschichte:


"In den letzten Monaten beobachte ich Greyon and Parker beim Schwimmen lernen und es fühlt sich an wie eine gewaltige Reise. Die ersten Schwimmstunden waren schrecklich. Ich meine "es tut im Magen weh"-schrecklich . Ich habe keine Fotos. Ihr müsst es mir einfach glauben.
Wenn dein Kind sich bis zur Heiserkeit schreit und weint, während du dich hinter einer großen Bank versteckst, fühlt es sich nicht wirklich wie ein "Kodak-Moment" an. 

Einmal hat Greyson mich hinter der Bank entdeckt.
"Maaaaaaaa!" ruft er mir zu, mit kalter Angst in seinen Augen, verwirrt darüber warum er leidet und ich ihm nicht helfe.
 "MAAAAAA!" Ein wunderbarer Ausdruck, den ich so selten höre. Und ich sitze einfach nur da und tue nichts.
Manchmal ist es das Schwerste einfach nichts zu tun, aber ich weiß, dass es genau das ist was ich tun muss, damit er wachsen und lernen kann. Wenn ich will, dass er schwimmen lernt, kann ich ihm diesen Moment nicht ersparen und ihn aus der Situation retten. Ich würde ihm das wunderbare Erlebnis berauben, das er bekommen wird, wenn er jetzt dranbleibt. 
Auch wenn es hart ist. Sein Schmerz tut mir ohne Ende weh. Und ich kann einfach nur dasitzen und zusehen, wie er kämpft und sich abmüht.

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Und mit zitternden Armen und Beinen, hat er getan was von ihm verlangt wurde-  immer wieder.
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Ich wusste, dass es für ihn leichter und besser werden würde und das war der Gedanke den ich mir immer wieder vorsagen musste: Er muss schwimmen lernen. Es wird sicherer für ihn sein und es wird ihn stärker machen. Er muss jetzt durch diese Anstrengung, aber das wird es wert sein.
Ich sah das große Ganze vor mir, während er nur verzweifelt im Wasser ruderte und Schmerz und Angst empfand. Er kann Wasser auf seinem Gesicht kaum ertragen, und jetzt strömt es in Bächen über ihn und bedroht ihn von allem Seiten. 
Und ich sitze da und schaue zu. Mein Mama-Herz sagt:" Lass es. Tu ihm das nicht an". Mein Mama-Herz sagt auch: "BLEIB SITZEN. ER IST WICHTIG FÜR IHN".

Und dann, mit jeder Unterrichtsstunde, kamen die Fortschritte. Ich versteckte mich  nicht mehr hinter der Bank. Er war noch am kämpfen, aber jetzt spürte ich seine Hoffnung und steigende Zuversicht während er weiter machte.
Und jetzt schwimmt er!!! -  meistens mit einem Lächeln auf dem Gesicht, weil er es so liebt.

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Während ich Greysons Kampf beim Schwimmen lernen zuschaute, dachte ich an all die Dinge um die ich für meine Jungs gebetet und gebettelt hatte. Warum Gott? Warum Autismus? Warum mein Greyson? 
Und dann: Bitte nicht, oh Gott, bitte nicht auch noch Parker. Lass das nicht wahr sein, Gott.
Aber es wurde wahr.

Ich habe nie gedacht, dass Gott mich, oder meine Jungs, hasst. Ich habe auch nicht geglaubt, dass Gott mir diesen Schmerz zugemutet hat, weil er dachte ich kann damit umgehen.  Ich habe einfach nur gedacht, er lässt mich alleine. Ich dachte, er wäre vielleicht zu beschäftigt um mir zu helfen. Ich dachte er wäre woanders. Ich denke zurück an die Zeiten, die am schwersten waren und alles was ich gefühlt habe war Angst und Schmerz und Einsamkeit. 

Jetzt ahne ich, dass er immer da war. Er hat genau hingesehen, wie ich in meiner Not gekämpt habe, voller Schmerzen, und er hat es kaum ausgehalten und wollte am liebsten zu mir in`s Wasser springen und die Situation beenden. Aber er hat es nicht getan, weil er das große Ganze sah. Er wusste, dass ich am lernen und am wachsen war um das zu werden, wozu er mich geschaffen hat.

Wir verändern uns nicht wirklich und wachsen nicht wenn alles immer perfekt und leicht dahingleitet, oder? 
Ja, Gott war die ganze Zeit da - und wenn ich tatsächlich am Ertrinken gewesen wäre, hätte er sicher eingegriffen und mich gerettet.  Und wenn ich zurückschaue denke ich, ich hätte es fast nicht überlebt. Aber eigentlich bin ich einfach nur stärker geworden.
Gott hat mir das Schwimmen beigebracht. 
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Hier könnt ihr Greyson auch in einem kleinen Video sehen - seine größte Freude (neben dem Schwimmen:-)) , ist die Müllabfuhr.

http://www.lifewithgreyson.com/p/grey-trash-truck.html

Mittwoch, 16. Juli 2014

Gut gemacht!

OK- Zeit für etwas schmerzhafte Ehrlichkeit: Ich bin ein Mensch der viel Lob und Anerkennung braucht. Ich wünschte sehr es wäre nicht so.
Neulich habe ich in einer Predigt den Satz gehört:
"Ein reifer Christ ist frei von Lob und Anerkennung anderer."
Und alles in mir schreit. Oh ja!!! So will ich auch sein. Aber so bin ich nicht. Und ich verachte mich dafür.

Heute morgen habe ich versucht auf Gott zu hören - diese leise Stimme in mir, die Frieden und Heil in meine unruhige Seele bringt - und ich habe ihn angefleht mir zu helfen, dass ich nicht immer so abhängig vom Lob anderer bin. Und plötzlich war es mir so, als würde Gott sagen:
"Christina, ich will, dass du aufhörst dich dafür zu verachten. Ich habe dich gut gemacht. 
Es stimmt, manches in dir braucht Heilung, aber ich kann nur das heil machen was du annimmst - wenn du sagen kannst: das gehört zu mir und es mir vertrauensvoll hinhältst."
Diese Worte - oder Gedanken die mir kamen, oder wie man es nennen will  - haben mich berührt. Plötzlich konnte ich ruhig werden und Gott sagen: "So bin ich. Wenn du es anders haben willst, ich schaffe es nicht. Ich, Christina, werde niemals frei von Lob und Anerkennung anderer sein."

Eine Freundin von mir hat neulich, zusammen mit einigen anderen, ein Schulprojekt an einer "Schwerpunktschule" in Stuttgart durchgeführt. Eine Woche lang haben sie Workshops mit Schülern gemacht und die Ergebnissen dann am Ende der Woche in einer gemeinsame Aufführung in der Turnhalle zu präsentieren. Es gab Gesangs-, Tanz- , Musik-, Photographie- und Stylingworkshops und vieles mehr. Heio hat auch mitgemacht und so saß ich am Ende der Woche zusammen mit Samu in der Turnhalle um bei der Vorführung dabei zu sein. 
Die Reihen füllten sich nur langsam. Es waren leider kaum Eltern gekommen. Die Schüler kamen zum großen Teil aus sogenanntem "Migrationshintergrund", auch junge Flüchtlinge waren dabei die kaum deutsch sprachen. Vor der großen Bühne- die extra zu diesem Zweck aufgebaut war- standen die Mitarbeiter des Projekts. Dann ging die Musik los, es startete eine tolle Lightshow und die Jugendlichen kamen auf die Bühne. Die Mitarbeiter davor rasteten förmlich aus!!! Sie schrien, hüpften und jubelten, als hätte der größte Rockstar die Bühne betreten. Die Ansagen, Aufführungen und Lieder wurden von Begeisterungsstürmen begleitet - es steckte uns alle an. Die Halle tobte!!! Und die Jugendlichen strahlten und glühten und gaben alles. Es war wunderbar.
Ich saß mittendrin und mir liefen unaufhörlich die Tränen über`s Gesicht. Es war mir peinlich, aber ich konnte einfach nicht aufhören zu weinen. Wäre ich in einem Gottesdienst gewesen, ich hätte gesagt: "The Holy Spirit has entered the building!"

Wenn mir unerwartet die Tränen kommen, dann versuche ich genau herauszufinden, warum das so ist. Frederick Buechner schreibt, dass uns solche Momente etwas über unsere tiefste Sehnsucht und Berufung zeigen können.
Zuerst dachte ich es liegt daran, dass ich früher zuviele Tanzfilme geschaut habe. Aber dann habe ich gemerkt, dass es etwas anderes war: der ganze Raum war VOLL mit Ermutigung und Anerkennung!!! Etwas wonach ich mich selbst in meinem Innersten sehne. Und - so gerne wie ich selbst ermutigt werde: ICH LIEBE ES andere zu ermutigen. 
Ermutigt werden und andere Ermutigen - beides macht mich unglaublich lebendig.

Gott hat mich so gemacht. 
Und wenn ich im Himmel ankomme und er mich anstrahlt und sagt: "Gut gemacht!!!", dann weiß er, dass es genau das ist was ich hören muss - und hoffentlich hat er dann ein Mikrophon in der Hand, damit es möglichst viele mitbekommen! Denn noch besser wie ein persönliches Lob ist ein Lob in der Öffentlichkeit! Gott weiß das. Deshalb hat er Jesus immer wieder mal ganz öffentlich vom Himmel runter gelobt, dass es alle hören konnten (z.B. an seiner Taufe). 
Während ich das schreibe, sehe ich die jubelnden, begeisterten Mitarbeiter vor der Bühne in dieser Turnhalle wieder vor mir und ich merke:
Ich brauche solche Menschen. Punkt. Vielleicht ist es reif und toll keine Anerkennung und Lob zu brauchen. Ich brauche es. An manchen Stellen muss mich Jesus (dringend!) heil machen. Andere Menschen sollen und können nicht meinen Wert benennen. Das kann nur mein Schöpfer. Aber er hat mich so geschaffen, dass nichts auf der Welt mir so viel Energie und Antrieb gibt, wie Anerkennung und Lob.

Und ich möchte selbst so ein Mensch sein. Ich liebe es andere zu ermutigen!
Meine größte Hoffnung für diesen Blog ist, dass mir das immer mal wieder bei einem von euch gelingt.
Und wenn ich Gott beschreiben sollte, wie er mir begegnet, was er für mich ist,  dann sehe ich diese wunderbaren, jubelnden Mitarbeiter, die aus den Kids etwas hervorgeholt haben was fast unmöglich schien und denke: Genauso bist Du. Mein größter Ermutiger!
Deshalb bin ich so gerne in seiner Nähe. 


Diesen Blogeintrg widme ich T. für ihr Herz und die Liebe die sie in dieses Schulprojekt gesteckt hat. ES WAR TOLL!! 
Und ich hoffe und glaube, dass es erst der Anfag war. Bleib dran!!! Du machst etwas wunderschönes. Gott ist sehr stolz auf dich.

Montag, 14. Juli 2014

Erster!

Gestern Abend wurde gefeiert -WIR SIND WELTMEISTER!

Es war ein harter Kampf  - Schweinsteiger lief blutend über den Platz,  andere humpelten mit Krämpfen durch die Verlängerung und auch in unserem Wohnzimmer wurde mitgelitten und mitgekämpft. 
 Ich habe Berge von Knabberzeug verschlungen, so lange bis mir schlecht wurde - jeder muss halt das geben was er kann.
 Am Ende sind wir verdient Erster geworden, oder?

ERSTER!!! Das ist auch eins der Lieblingswörter des kleinen Sohnes (knapp hinter den Wörter "NEIN!" und "WARUM?")

Schon früh am Morgen beginnt sein Wettkampftag. Er läuft zum Frühstückstisch und ruft: "Erster, Mama!" (was angesichts meiner morgendlichen Leistungsfähigkeit, nichts besonderes ist).
Und so geht es den ganzen Tag weiter: Auf der Rutsche, beim Aussteigen aus dem Auto, beim Essen...immer wieder ertönt der freudige Ruf: "ERSTER!"

Nun ist das bei Kindern ja ganz normal (hoffe ich zumindest) und ich finde es auch bewundernswert wenn Sportler ihre Höchstleistungen bringen und dann Erster werden.

Aber wer mich kennt und meinen Blog regelmässig liest, weiß, dass mich die Menschen oft mehr beeindrucken die trotz mangelnder Erfolge, bereit sind weiterzumachen und ihr Bestes zu geben - auch wenn sie wahrscheinlich niemals irgendwo Erster sein werden.

Und trotzdem, als Mutter möchte ich das Beste für mein Kind und wünsche mir, dass sein Leben gelingt. Ich möchte für Samu zwar nicht, dass er überall Erster wird, aber ich hoffe doch sehr, dass er nicht benachteiligt wird oder am Rand steht.

Vor einigen Tage habe ich den Bericht einer Mutter gelesen, den ich einfach nicht vergessen kann. Sie lebt in Amerika und schreibt, dass sie sich für ihre Kinder wünscht, dass sie nicht so priviligiert aufwachsen oder zumindest dankbar begreifen, dass sie priviligiert sind.

Deshalb hat sie sich dazu entschlossen, ihre Tochter nicht in der preisgekrönten Montessori-Schule um die Ecke einzuschulen, sondern in einer spanisch sprechenden Schule, am anderen Ende der Stadt (ihre Tochter spricht kein Spanisch!).

Sie schreibt folgendes:
"Meine Tochter weiß das jetzt noch nicht, aber der Hauptgrund warum wir sie in diese Grundschule schicken ist nicht damit sie Mathematik lernt und auch nicht um zweispachig aufzuwachsen.
Wir schicken sie an diese Schule damit sie das Leben "der Anderen" versteht und weil  durch die Erfahrung, selbst nicht verstanden zu werden, Mitgefühl entsteht."

Ich schwanke zwischen Bewunderung für diese mutige Entscheidung und Sorgen für das Kind, das es sicher dort erstmal sehr schwer haben wird. Es liegt mir fern, das irgendwie zu beurteilen, aber es hat mich auf jeden Fall nachdenklich gemacht.

Ja, ich will das Beste für meinen Sohn. Aber was ist "das Beste" für unsere Kinder?

Bei einer Umfrage eines Elternmagazins haben die meisten Eltern auf die Frage: 
"Was wünsche sie sich für ihr Kind?" geantwortet: 
"Gute Förderung und Durchsetzungsfähigkeit." 

Das scheint ein Konsens in unserer Gesellschaft zu sein.
Aber ist es wirklich das Wichtigste für unsere Kinder?
Doch, ich finde es auch hilfreich, wenn ein Kind sich durchsetzten kann (da habe ich bei meinem Sohn allerdings keine Bedenken!), aber mir geht wie dieser Mutter in Amerika: Ich möchte so gerne dass Samu Mitgefühl für andere lernt  und es nicht das Wichtigste für ihn wird, immer Erster zu sein.

Ich wünsch mir, dass er sich nicht immer mit den Kindern vergleicht die viel mehr haben als er, sondern dass er begreift, dass wir sehr priviligiert sind und die meisten Menschen viel weniger haben als wir. 

wir schauen immer zuammen die Briefe von unserem Patenkind aus Unganda an und ich erzähle ihm ein bisschen davon wie der kleine Junge in Afrika lebt.


Ich möchte gerne, dass er mit Kindern verschiedener Kulturen Kontakt hat und andere Denk- und Lebensweisen verstehen lernt - da bin ich sehr dankbar für unsere KiTa, in der die deutschen Kinder eine Minderheit sind.



Sommerfest am Samstag

Ich möchte, dass er benachteiligte und schwache Menschen wahrnimmt und sich nicht in ihrer Nähe unwohl fühlt. Letzte Woche war er mit mir im Behindertenheim und es hat mich so gefreut, dass er seine anfängliche Scheu vor den Kindern abgelegt hat und fröhlich mit seinem Bobby-car  zwischen den Rollstühlen hin und her gefahren ist und mit den Kindern zusammen Spaß hatte.
 
Natürlich werde ich mich freuen, sollte Samu jemals einen Pokal in die Höhe strecken.
Aber ich sage euch wann ich richtig stolz auf meinen Sohn sein werde:
Wenn er Menschen wahrnimmt die es nicht so gut haben wie wir. Wenn er jemand am Rande stehen sieht der sich nicht dazugehörg fühlt -wegen seiner Hautfarbe oder seinen Einschränkungen oder einfach weil er "anders" ist - und wenn er auf diesen Menschen voller Mitgefühl zugeht und freudig  "ERSTER!" ruft, wenn er bei ihm ankommt.

Wie kann ich das erreichen?
Fröbel sagte: Erziehung ist Vorbild und Liebe -sonst nichts.
 (Diesen Gedanken finde ich manchmal beruhigend, manchmal versetzt er mich auch in leichte Panik!)


Also Vorbild sein. 
Nicht über unsere kleine Wohnung jammern, sondern mir bewusst machen, dass wir sehr priviligiert sind. Dankbar leben. Nicht Anerkennung bei den "wichtigen Leuten" suchen, sondern denen etwas Gutes tun, die nicht viel zurückgeben können. Mitgefühl zeigen. Lieben anstatt verurteilen.
Ganz oft schaffe ich das nicht. Aber ich will es lernen.
Und ich weiß: der Sohn beobachtet mich aufmerksam dabei.

Und wenn man gesehen hat wie Schweinsteiger Dante nach dem Spiel gegen Brasilien getröstet hat, dann zeigt mir das, dass beides möglich ist: Erfolgreich sein und Mitgefühl für die Verlierer haben.

Das ist dann wirklich etwas ganz besonderes. 

Weltmeisterlich eben.


Mittwoch, 9. Juli 2014

Die schönste Geschichte

Gestern hat es bei uns nur einmal geregnet und es hat den ganzen Tag nicht aufgehört.

Samu hat mit seiner KiTa "Waldheim-Woche" und ich habe ihn mittags dort abgeholt.
Die Erzieher saßen durchnässt mit den Kindern unter einem Pavillion und sie haben mir sehr leid getan. Ich glaube nicht, dass die Kinder auf diesem Weg sehr viel Freude an der Natur entwickeln.

Samu war jedenfalls froh wieder zuhause zu sein.
Es folgte ein seeeehr langer Nachmittag mit Auto spielen, "Stau machen", Zug spielen und wieder Auto spielen. Der kleine Sohn war leider  sehr anhänglich und anstrengend.
Ich war innerlich schon angespannt und müde in den Tag gestartet, hatte gehofft irgendwann ein wenig Zeit für mich zu haben, aber es war nicht möglich. Beim Einkaufen legte Samu dann noch einen klassischen Wutanfall hin und ich zerrte ein schreiendes Kind im strömenden Regen nach Hause.

Abends wollte er das längste Bilderbuch der Welt anschauen und er hat die Seiten immer wieder vor und zurück geblättert und hatte tausend Fragen. Ich hatte dermassen die Schnauze voll und sagte ihm: "Samu, wenn du jetzt noch einmal "WARUM" fragst, dann dreh ich durch! Ich warne dich!"
Natürlich war seine Antwort: "Warum, Mama?"
Kurz vor dem Einschlafen stellte er noch fröhlich fest: "Heute war ich aber lieb!"
"Nein, das warst du nicht!!!! Aber ich habe dich trotzdem lieb", versuchte ich es pädagogisch zu formulieren. Er strahlte und machte weiter Unsinn, obwohl es schon lange Schlafenszeit wäre.

Endlich, endlich war Ruhe.

Wirklich, ich liebe meinen Sohn! Wie er als kleines Baby in meinen Armen lag war ich mir sicher dass ich niemals mit ihm böse sein könnte! In keinem Moment seines Lebens.
Ich sah Mütter die beim Einkaufen ihre Kinder anschrien und schüttelte innerlich den Kopf. Wie konnten sie nur! Wussten sie nicht was für ein Geschenk so ein Kind ist. Armes Kind.
Wenn ich heute eine müde Mutter sehen, die ihr Kind auf der Strasse anschreit, dann denke ich : Arme Mutter (und ein bisschen auch: armes Kind). Und manchmal bin ich selbst diese Mutter. Mist.

Heute habe ich endlich etwas Zeit und Ruhe und möchte einen schönen Blogeintrag schreiben, aber der gestrige Tag hängt mir noch nach.
In mir sagt eine Stimme: Was willst DU denn schreiben? Wer interessiert sich denn für deine Versager-Geschichten? Lass das lieber mal bleiben.

Also schlage ich erstmal die Bibel auf und versuche darin zu lesen.
Ich lese die Geschichte von Simson, einem außergewöhnlichen Typ, der krass von Gott beschenkt war, aber Mist gebaut hat und dessen Leben tragisch geendet hat.

Die Bibel ist voll von solchen Geschichten.
Menschen, die großes geleistet haben und dann an kleinen Dingen total gescheitert sind.
Holprige Versuche von Menschen die versucht haben Gott nachzufolgen.

Eigentlich ist es ermutigend, dass es solche Geschichten in die Bibel geschafft haben.

Wenn ich Gott wäre (ein erschreckender Gedanke!), dann hätte ich in meinem heiligen Buch vielleicht ein paar besonderes erleuchtete Menschen erwähnt. Vor allem hätte ich wohl versucht große Zusammenhänge zu erklären und nicht so viele Einzelschicksale erzählt.

Gott hat es anders gemacht.
Vielleicht weil wir an den Geschichten mit ganz normalen Menschen am besten sehen können wie er ist. Vielleicht weil uns ehrliche Geschichten am meisten berühren.

Und dann hat er mit Jesus die schönste Geschichte geschrieben - eine Geschichte voller Liebe und Barmherzigkeit, voll mit wunderbaren Begegnungen aber auch mit Leid, Schmerz, Erlösung und einem unerwartet guten Ende.

Dann hat er uns eingeladen Teil dieser Geschichte zu werden.

Manchmal sagen Leute: "Ich habe Jesus in mein Leben eingeladen." Das ist etwas besonderes.
Aber es ist etwas ganz großes, dass Jesus uns in sein Leben einlädt.

Wir dürfen Teil seiner Geschichte werden - einer Geschichte voller Liebe und Barmherzigkeit, voll mit wunderbaren Begegnungen aber auch mit Leid, Schmerz, Erlösung und einem unerwartet guten Ende.
Ich kann nicht behaupten, dass ich das wirklich verstanden habe.

An den meisten Tagen meines Lebens sehe ich nur meinen (oft sehr kümmerlichen) Teil der Geschichte. Und dann denke ich, dass es nichts besonderes ist und ganz bestimmt nichts was es Wert ist zu erzählen.

Aber dann flüstert mir Jesus zu:
Vertrau mir! Deine Geschichte wird wunderschön.
Du siehst nur dein Versagen - ich schreibe mit dir eine Geschichte über Gnade.
Du siehst deine Schwachheit - ich zeige etwas von meiner Stärke.
Du siehst deine Ungeduld - ich sehe, dass langsam in dir ein weiches Herz entsteht.
Du siehst die Not in dir und das Leid in der Welt - ich sehe die Erlösung und das gute Ende.
Du siehst einen verlorenen Tag - ich habe ihn in meinem Buch aufgeschrieben.
Er wird Teil unserer wunderschönen Geschichte."

Mein Lieblingsprediger Klaus Vollmer hat es so gesagt:
"Und wenn mir nichts gelingt, dann glaube ich ihm doch, dass er mich zum größten Segen macht."

Das will ich IHM auch glauben. 

Auch wenn es mir heute schwerfällt:

Meine Geschichte- so unscheinbar und gering sie mir heute vorkommt - wird wunderbar.

Sie wird ein Segen für die Welt.

Die Stellen, die ich am liebsten weglassen würde, sind vielleicht am Ende die besten.

Meine Geschichte ist erzählenswert.

Deine übrigens auch.



Entschuldigung an alle, die meine Posts abonnieren. Ihr bekommt 2 versch. Variationen von diesem Beitrag -die erste habe ich versehentlich gelöscht kurz nachdem ich sie veröffentlicht habe -ahhhhh - und dann nochmal geschrieben, in etwas veränderter Form. Die Technik macht mich fertig.