Montag, 28. Dezember 2015

Blick zurück - am Besten von oben.

 Die Weihnachtstage liegen hinter uns - Geschenkpapier liegt zerknüllt in der Ecke, der Kuchen sitzt auf der Hüfte und die Begegnungen und Gespräche bewegen sich noch in meinen Gedanken.

meine größten Geschenke!
Spaziergang im Wald

hier liegt normalerweise viel Schnee!
der "Skihang"

 Kaufladen - nostalgische Erinnerungen ...


der Arztkoffer kam gleich zum Einsatz
Picknick im Stadtpark
erste Radtour mit Samu
Jetzt sind die Tage "zwischen den Jahren" angebrochen die, zumindest bei mir, immer wunderbar dazu geeignet sind einen Blick zurück auf das vergangene Jahr zu werfen. Ich habe den absoluten Luxus, dass ich für drei Tage auf den Betberg fahren darf. Ganz alleine. Nur Jesus und ich. Whow. Ich kann es kaum erwarten morgen in aller Frühe loszufahren.
Wenn man unterwegs ist und einen Blick zurückwerfen will, dann ist ein Berggipfel genau der richtige Platz dafür (ok, auf dem Betberg sind es nur ein paar hügelige Weinberge - aber immerhin). Im Tal hat man manchmal das Gefühl, dass man nicht wirklich vorwärts kommt. Ich werde sauer wenn ich mal wieder falsch abgebogen bin oder scheinbar nutzlos meine Zeit vor einer Baustelle verbringe. Der Blick von oben hat mich manchmal schon zum Staunen gebracht, was für ein Stück der Wegstrecke doch schon geschafft ist. 
Vielleicht ist es deshalb gut unsere Jahresrückblicke an der Seite von dem zu machen, der den "Blick von oben" hat. Der die großen Zusammenhänge in unserem Leben versteht.  Vielleicht erkennen wir mit seiner Hilfe dass wir ein ganzes Stück weit gekommen sind. Vielleicht nicht so wie wir uns das vorgestellt haben. Vielleicht nicht auf den "wichtigen" Steckenabschnitten die in den Reiseführern der Welt als unverzichtbare Routen gelten. Vielleicht waren es die kleinen Trampelpfade der Gnade, die uns hierhergebracht haben. Verschlungene Wege durch abgelegene Gegenden, über satte Wiesen und durch dunkle, stille Täler. Immer mit dem an unserer Seite, der das Ziel für uns im Blick behält.

Ich habe von Heio das neue Buch von Samuel Koch zu Weihnachten geschenkt bekommen. In einem Kapitel schreibt er:
 Ich glaube nicht, dass es "sein (Gottes) Plan für mein Leben" war, dass ich gelähmt bin. Ohnehin bezweifle ich, dass es einen in Stein gemeißelten Plan für mein Leben gibt, dem ich folgen muss, und wenn ich es nicht tue, habe ich den Weg verfehlt... Daher gefällt mir die Vorstellung ganz gut, dass Gott eher ist wie ein Navi, das immer das Ziel im Auge behält und, wenn ich anders abgebogen bin, seelenruhig sagt: "DIe Route wird neu berechnet." 

Das finde ich ein wunderbarer Gedanke. Und wenn in der Bibel steht, dass Gott denen die ihn lieben ALLES zum Besten dienen lässt, dann ist das weit mehr als eine schöne Vorstellung die wir haben. Dann ist es eine Verheissung. Dass Gott mit uns an`s Ziel kommt. Dass er blöde Abzweigungen, Stolperfallen, längere Pausen, Schwächeanfälle, Steinschlag - was auch immer - seelenruhig mit einbezieht und einfach die Route für uns neu berechnet. Dass wir auf dem letzten Hügel verschwitzt, erschöpft und strahlend in seine Arme fallen und wir die Worte hören: "Sie haben ihr Ziel erreicht."  

Bis dahin nutze ich jeden kleinen Hügel um mit ihm zurückzuschauen, ihm zu danken, dass er mich auch auf dieser Strecke begleitet hat und darüber zu staunen, dass er den Überblick behält. Bei mir. Bei dir. Bei allen, die mit ihm unterwegs sind. 

Montag, 21. Dezember 2015

Am Ende wird es hell.

Wie froh bin ich, dass die letzte Nacht vorbei ist. Lange konnte ich nicht einschlafen, hab mich im Dunkel in meinem Bett hin und hergewälzt. Mich quälte meine Schuld. 
Am Abend kam Heio nach dem Gottesdienst müde und erschöpft nach Hause. Er hat tagelang die Predigt vorbereitet, mit unglaublicher Mühe und betendem Herzen. Und dann waren so wenig Leute im Gottesdienst, niemand der hätte Lobpreis machen können, der Kinderraum war von einer anderen Gruppe belegt  und zu allem Übel war auch noch ein Neuer da, der sich nach jahrelanger Pause mal wieder einen Gottesdienst antun wollte. Ausgerechnet bei uns. Ausgerechnet an diesem Sonntag.  Nach dem Schlußgebet hat er fluchtartig unsere Räume verlassen und ich bin auch kurz darauf frustriert abgezogen. Wieso konnten wir nichts besseres "bieten"?! Wieso ist es manchmal  so armselig bei uns? Wo sind die ganzen Leute? Wo ist Gott? 
Ihr merkt: ich war in keiner guten Verfassung.  Heio hätte abends dringend einen warmen Ort und ein bisschen Ermutigung gebraucht - stattdessen habe ihn mit dem ganzen Frust beworfen der sich in meinem Herz angesammelt hat. Es war nicht schön. Samu hat mich immer wieder am Ärmel gezupft und gesagt: "Mama, sag zum Papa: Freund!". Ich sagte ihm: "Ich bin mit Papa nicht sauer, ich bin nur unzufrieden! Manchmal braucht es heilige Unzufriedenheit!"
Oh Mann! Meine Unzufriedenheit war alles andere als heilig. Sie war gemein. Lieblos. Voller Schuldzuweisungen. Irgendwann hab ich Heio angesehen und gemerkt was ich hier eigentlich mache. Ich glaube so etwas kann man auch "Blütenfrevel" nennen: wenn man über zarte Hoffnung trampelt, die Gott im Herz des anderen gepflanzt hat. Ich habe meine Hand ausgestreckt und bittend "Freund" gesagt und mich entschuldigt. Heio hat meine Hand genommen, aber ich habe ihm angesehen, dass meine Worte ihren Schaden angerichtet haben.
Ich konnte lange nicht einschlafen. Meine Schuld lag wie eine dunkle, schwere Decke auf meinem Herz. Ich hatte Heio unrecht getan, hab schlecht über meine - und vor allem Gottes(!!!) - geliebte Gemeinde geredet. Ich habe gebetet dass Gott mir vergibt. Mehrmals. Aber es kam kein Friede. Irgendwann bin ich dann doch eingeschlafen, aber jedes Mal wenn ich in der Nacht wach wurde, lag die schwere Decke noch auf mir.
Müde bin ich morgens aufgewacht. Der Mann saß schon am Küchentisch und die vier Kerzen vom Adventskranz warfen ihr warmes Licht in den Raum. Ich hab mich zu  ihm gesetzt und gesagt: "Heio, ich weiß, du hast mir vergeben, aber die Schuld bedrückt mich immer noch." Und dann hab ich vor ihm und vor Gott die Dinge nochmal beim Namen genannnt. Meine Schuld bekannt. Und mein Mann - nein mein Bruder in Jesus- hat mir in die Augen geschaut und gesagt: "Christina, ich vergebe dir- und im Namen Jesu: diese deine Schuld ist dir vergeben."
Ich hörte Samuel im Flur singen: "Jesus kommt als Baby, für uns in unsere Welt, Jesus kam in`s Dunkel und macht das Dunkel hell." Und in mir wurde es wieder hell.

Manchmal finde ich es schade, dass wir die Beichte in vielen Kirchen einfach abgeschafft haben. Weil ich glaube, dass manchmal die Schuld so dunkel und erdrückend sein kann, dass ich es nicht mit mir alleine ausmachen sollte- dass es einen Menschen braucht der mir gegenübersitzt, mir liebevoll in die Augen schaut, und mir sagt: "Diese Schuld ist dir vergeben. Auch dafür ist Jesus gestorben."

Und das ist auch die gute Nachricht die wir anderen zusprechen können.
In die Nacht von Bethlehem ist er gekommen und seither ist er in jeder menschlichen Nacht, auch wenn es sie noch so dunkel ist. Dieses Baby in der Krippe wird zu einem Mann aufwachsen der den Menschen, die über ihr Dunkel verzweifeln, liebevoll in die Augen schaut und ihnen Vergebung zuspricht. 

Umso älter ich werde umso mehr merke ich, dass ich nicht nur eine Spur von Segen hinterlasse. Da ist auch eine ganze Menge an Versagen, an versäumten Gelegenheiten, an verletzenden Worte, ja- an Schuld, die mit den Jahren zusammenkommt. Ich brauche einen Erlöser. Und immer wieder Menschen die mir im Namen von Jesus zusprechen dass auch DIESE meine Sünde, vergeben ist.

Und wenn es an`s Sterben geht -die letzte Nacht durch die wir gehen müssen- dann hoffe ich dass  jemand neben meinem Bett sitzt der mir die letzte Beichte abnimmt und mir ganz fest die Hand hält wenn ich meine Schuld in`s Dunkle flüstere und mir zuspricht: "Christina, dir ist vergeben. Auch für diese, deine Schuld hat Jesus bezahlt." Und dann werden auch die Schatten der letzten Nacht weichen und es wird für immer hell.


Jesus, wie froh bin ich, dass du vor über 2000 Jahren in unser Dunkel gekommen bist und heute immer noch in jedes Dunkel kommst. Danke.


 Frohe Weihnachten Euch allen!!!!

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Selig die Ausgebrannten.

Wenn ich mit dem Rad auf dem Weg zur Kita bin um Samuel abzuholen, mache ich zur Zeit öfters einen kleinen Abstecher  in die Weinberge. Ich atme nochmal kurz durch und blicke über das hektische Stadleben in den Himmel.


Vergangenen Freitag saß ich völlig erschöpft dort oben. Über eine Woche Migräneschmerzen lagen hinter mir und es wurde und wurde einfach nicht besser. Heio hatte sich für fünf Tage verabschiedet und diese Zeit, ganz alleine mit dem wilden kleinen Sohn, lag wie ein unüberwindbarer Berg vor mir. In Gedanken ging ich die Namen von Freunden durch, an die ich mich vielleicht im Notfall wenden könnte, aber die meisten sind entweder vom eigenen Familienleben sehr in Anspruch genommen oder sie hatten eine arbeitsreiche Woche und brauchen dringend ihr wohlverdientes Wochenende.  Die Tränen strömten mir über`s Gesicht und ich flehte Gott verzweifelt an die Schmerzen erträglich zu machen und mir Kraft zu geben, damit ich mich um Samu kümmern kann. Ich habe in den schmutzigen Boden neben mir ein kleines Kreuz aus vertrockneten Weinreben gesteckt. Nicht weil ich irgendwie kreativ sein wollte. Vielleicht habe ich einfach ein sichtbares Zeichen gebraucht, dass Gott mit mir ist und mir helfen wird.
 

Und die Tage waren nicht einfach. Meine Gebete waren meistens sehr kurz und fühlten sich ein bisschen so an wie ein Schluck aus der Wodkaflasche: "Jesus, hilf mir die nächste Stunde zu überstehen. Bitte."  Wir haben es tatsächlich irgendwie geschafft. Nicht durch eine Spontanheilung und plötzliche Kraftströme. Nein. Mitten im Schmerz. Mitten in der Schwachheit. ER war in meinem Dunkel. Und es war genug.


Ehrlich gesagt wäre es mir lieber Gott würde meine Schwachheit und die Schmerzen einfach wegnehmen. Mich gesund und kraftvoll machen und ich könnte dankbar und glücklich darüber hier schreiben. Aber Gottes Reich besteht eben meistens nicht darin, dass wir stark und wunderbar und perfekt werden. Mitten hinein in unseren Mensch-sein stellt Jesus sein Kreuz auf und sagt uns: Du bist gesegnet. Und damit mutet er uns zu, Teil einer Seligpreisung zu sein auf die wir gerne verzichten könnten:
  
Selig die Ausgebrannten. 
Selig die Schmerzgeplagten. 
Selig die Traurigen.
Selig die Schwachen.
Selig die Einsamen.
Selig die Planlosen und Enttäuschten.
Selig die Vergessenen und die Alten. 
Selig die Benachteiligten.
Selig die unter Ungerechtigkeit leiden.
Selig die unter sich selbst leiden.
...    

Der Theologe Dallas Willard schreibt, dass wir die urprüngliche Seligpreisungen von Jesus nicht missverstehen sollen als eine Aufforderung, wie wir werden sollten.  Vielmehr hat Jesus eine Liste von denen aufgestellt, die sich ziemlich sicher waren, dass sie nicht zu den Gesegneten Gottes gehören. Und Jesus hat sie angeschaut und gesagt: Ihr seid mit dabei! Das Reich Gottes ist in eurer Reichweite. 
Vielleicht denken wir: solange wir an diesem Ort sind, mit der bestimmten Sünde kämpfen, unter solchen Schmerzen leiden, ausgebrannt, schwach, wütend, geschieden, schlaflos, kinderlos, übergewichtig, alleinstehend -WAS AUCH IMMER-  sind, solange können wir ganz sicher nicht glücklich und gesegnet sein. Und genau da taucht Jesus auf um seine Hände auf uns zu legen und zu sagen: Du Glückliche (und du Glücklicher): Das Reich Gottes ist direkt in deiner Reichweite. Hier und jetzt will ich dich segnen und mache dich zu einem Segen. 
Das klingt im ersten Moment fast wie eine Unverschämtheit. Eine Zumutung. (und ja- Gott mutet uns tatsächlich so maches zu). Aber ich finde es klingt in den Ohren einer kaputten und leidenden Welt auch unglaublich hoffnungsvoll.  
Und ich bin mir ziemlich sicher, dass alle diese Sätze noch einen zweiten Teil haben. Eine Verheissung. Ein Geschenk Ich weiß nicht für jeden Satz diese Ergänzung. Das muß ich auch nicht. Es wäre sowieso nicht geeignet für eine fröhliche Aufforderung von außen. Es ist eher etwas was wir erleben können. Was Gott uns ganz persönlich im unserem Dunkel zuflüstern will.  
Vielleicht klingt mein Satz ungefähr so: Selig sind die Ausgebrannten, denn sie können erleben, dass Gottes Reich überall wachsen kann  - sogar auf verbrannter Erden.
  
Und deshalb glaube ich es ganz fest: egal wo du heute bist, mit was du kämpfst, was dich bedrückt - Du bist ganz nah am Reich Gottes. Er kann seine Hand auf dich legen um dir zu sagen: Glaub mir  - Du gehörst auch zu den Gesegneten

                                      
Blessed are those who doubt.
Those who aren`t sure, who can still be surprised. 
You are of heaven and Jesus blesses you.

Blessed are they who have burried their loved ones, for whom tears could fill an ocean. Blessed are those who have loved enough to know what loss feels like.

Blessed are they who don`t have the luxury of takeing things for granted anymore.

Blessed are they who can`t fall apart because they have to keep it together for everyone else.
Blessed are the motherless, the alone, the ones from whom so much has been taken. Blessed are those who "still aren`t over it yet.".
You are of heaven and Jesus blesses you.

Blessed are the losers and the babies and the parts of ourselves that feel so small. The parts of ourselves that don`t want to make eyecontact with a world that loves only the winners.

Blessed are they who hear that they are forgiven. Blessed is everyone who has forgiven me, when I didn`t deserve it. 

Blessed are the merciful, for they totally get it. 

 (Auszug aus einem Text von Nadja Bolz Weber in "accidental saints")

Dienstag, 8. Dezember 2015

Die Freude im Auge des Betrachters.

Dieses Jahr wollte ich mich nicht durch die Adventszeit hetzen lassen. Kein Jammern über zu wenig Zeit und dass die Geschenke noch nicht eingekauft sind. Ich habe nämlich tatsächlich Zeit. Muß nicht früh morgens zur Arbeit hetzen und habe keine Kinderhorde (= zwei und mehr Kinder:-)) zu versorgen. Und trotzdem werde ich langsam innerlich hektisch, stelle erschrocken fest, dass es nicht mehr so viele Tage bis Weihnachten sind und ich  noch so vieles erledigen wollte. Mein Grundmodus schaltet auf "leicht gestresst". Das merke ich dann ganz besonders, wenn ich bei Jesus zur Ruhe kommen will. Meine Gedanken schlagen Purzelbäume und wie ein Ringer versuche ich sie wenigstens für einige Momente zu Boden zu zwingen und still zu halten.
Was ich in diesen Tagen so dringend brauche ist die Fähigkeit langsamer zu werden und Dinge zu BETRACHTEN.  Die Personen in der Weihnachtsgeschichte zeichnet genau das aus: dass sie sich (im hektischen Bethlehem!) in ihrem Alltag unterbrechen ließen um vor einem kleinen Baby auf die Knie zu gehen und es staunend zu betrachten. Ein Neugeborenes kann man nicht kurz anklicken wie eine Facebookseite  oder mit einem schnellen Blick streifen, wie ich das (leider) oft bei der Kassiererin im Aldi tue.  Es geht eher um die Art von anschauen wie man ein geliebtes Gesicht betrachtet. Oder ein beeindruckendes Gemälde im Museum. Oder eine stillen Landschaft, die einem mit ihrer Schönheit fast den Atem nimmt. 
Veronika hat auf ihrem Blog geschrieben, dass sie morgens versucht 5 Minuten einfach still zu halten und nichts zu tun. Sie bezeichnet es als "einen kleinen  Akt der Rebellion in der Zeit des größten Lärms still zu werden und sich kurz auszuklinken". Ich glaube dass ich genau das brauche.  Innehalten. Und richtig hinschauen lernen. 
Tagsüber hilft mir oft meine Kamera dabei. Ich nehme Dinge wahr, die ich sonst vielleicht übersehen hätte. Wie vergangenen Samstag, bei einem kleinen Ausflug mit Samu in die Stadt: 
 
ein strahlender Stern am Fenster

unser wunderschöner kleiner Schleichweg neben der Bundesstraße

Lieblingshaus
An diesem Haus, am Rande der Weinberge, fahre ich täglich vorbei und muß es immer mal wieder still betrachten. Ich frage mich was für Geschichten darin gelebt wurden und wer wohl heute die hellen Räume mit Leben füllt. Manchmal stelle ich mir vor wir würden hier wohnen. Aber ich glaube es ist wichtig für mich Dinge zu betrachten ohne sie haben zu wollen. Etwas anschauen und mich einfach daran freuen (komisch- seit ich denken kann schaue ich mir gerne schöne Häuser an:-)). 

Entdeckungen auf der Rolltreppe





und neben dem Weihnachtsmarkt:


manche werden überhört....

...und andere erreichen, dass man bewußt hinhört



Beim Hinschauen auf der kleinen Eiskunstbahn muß ich nicht nur über die stolpernden Kinder lachen, sondern ich betrachte die strahlenden und gelösten Gesichter der wenigen Erwachsenen. Sie haben es geschafft sich aus der Weihnachtshektik auszuklinken. Einfach ein bisschen auf den alten Schlittschuhen im Kreis fahren, weil es Freude macht. Und mir macht es Freude ihnen dabei zuzuschauen (und vielleicht schaffe ich es noch, meine rostigen Schlittschuhe rauszukramen, sie über meine Schultern zu werfen und die Eisbahn anzusteuern...)

Abends betrachten wir fast jeden Abend das schönste Weihnachtskinderbuch, in dem ich je gelesen habe. (Samu liebt es auch!)


Und zwischendurch höre ich immer mal wieder meine derzeitige Weihnacht-Lieblings-CD. Nicht als Hintergrundmusik, sondern tanzend (d.h. unkoordiniert hüpfend:-)) - alleine oder mit Samu. Und an der Stelle: "THE HEAVENS ROAR, the angels sing: Glory to the newborn king".... möchte ich am liebsten zu einem dreifachen Rittberger abheben - was für eine Beschreibung? Ein brüllender Jubelschrei im Himmel. Whow. Da wurde wohl richtig darauf gewartet und genau hingeschaut was da auf der Erde passiert ist!



Und hier noch ein kleiner Film mit Samu, den ich mir immer wieder anschaue, weil er mich einfach  zum Lachen bringt. Der Sohn war auf einem Kindergeburtstag bei seinem besten Freund eingeladen. Es wurde in der afrikanischen Gemeinde gefeiert. Leider ist der Film von Heio ziemlich verwackelt. Das (einzig) weiße Kind ist Samu. (und da heisst es immer wir  hätten keinen Rhythmus im Blut, haha).




Vielleicht gehört zur wichtigsten Weihnachtsvorbereitung weniger das Plätzchen backen, Geschenke besorgen, Besuche und Festessen planen sondern das hinschauen lernen. Ein wenig Zeit dafür nehmen um die (oft kleinen) Dinge zu betrachten die uns Freude machen und uns zum Staunen bringen.  
Das hüpfende Kind. Ein Lächeln zwischen zwei Menschen. Ein Sonnenstrahl der sich neben meinem Schreibtisch spiegelt. Eine blühende Rose im Nachbargarten. Wann immer mich das Leben  zum Staunen einlädt: einfach mal ein bisschen hinschauen.
Dann finden wir uns vielleicht auch am heiligen Abend als stillen Betrachter. Wenn wir eingeladen werden über ein kleines Kind zu staunen, das gekommen ist um unser Herz froh zu machen.


Mittwoch, 2. Dezember 2015

sitzen bleiben.

Macht hoch die Tür - die Adventszeit hat begonnen. Aber durch`s Tor kam heute morgen keine große Herrlichkeit, sondern heftige Kopfschmerzen und ein kleiner Sohn,  der unglaublich anstrengend war (ok, kurz nach dem Aufwachen und mit Kopfschmerzen finde ich alles anstrengend!). 
Ich liefere Samu in der Kita ab und suche anschließend verzweifelt nach einem Parkplatz vor unserem Haus (Stuttgart ist zur Zeit wirklich EINE EINZIGE BAUSTELLE!) . Zuhause angekommen stelle ich genervt fest, dass Heio doch nicht, wie besprochen, in`s Büro gegangen ist, sondern sich spontan entschieden hat von Zuhause aus zu arbeiten. "Tu einfach so als wäre ich nicht da!", sagt der gute Mann und die Wut schwappt wie eine heisse Welle über mich. Ich SPÜRE seine Anwesenheit - das mag an unserer kleinen Wohnung liegen, an dem Chaos das er manchmal um sich verbreitet, oder an meiner Hypersensibilität. Ich liebe meinen Mann, aber heute habe ich mich so sehr auf die kurze Zeit ganz ALLEINE in unserer Wohnung gefreut. Prompt schaltet sich auch noch die anklagende Stimme in meinem Kopf ein: "Stell dich doch nicht so an Christina, denk an die vielen Flüchtlinge die heute eng zusammengepfercht in irgendwelchen Zeltstätten den Tag verbringen müssen. Die würden sich über deinen Luxus freuen!" JA. Ich weiß. Ich hab so viele Gründe dankbar zu sein! Leider fühle ich mich heute bei dem Gedanken noch schlechter. "Versager!" schiebt die Stimme noch hämisch hinterher bevor ich ihr befehle jetzt mal die Klappe zu halten.  
Ich schlage die Bibel auf. Hoffe dass Gott etwas nettes zu mir sagt. Aber die Worte klingen fast ironisch: Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, das sie auffahren wie Adler, laufen und nicht müde werden.... Ich denke: Gott, ich versuche wirklich auf dich zu harren. Aber ich spüre noch so wenig von der neuen Kraft. Heute ganz besonders. Mein Kopf schmerzt, es ist neun Uhr morgens und ich hab mich schon müde gelaufen. Wann kommt sie endlich, diese neue Kraft? Wann?
Dann kommen die Gedanken wie es im neuen Jahr weitergehen soll. Hab mich gestern durch sämtliche Jobangebote vom Arbeitsamt geklickt und bin dabei immer entmutigter geworden. Ich will vertrauen, dass Gott mich führt und doch sitzt heute die Sorge vor der Zukunft wie ein Kloß in meinem Hals. Mit unruhigem Herzen schlage ich nochmal die Bibel auf (zweite Chance, Gott!:-)). Ich lese:
Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Und: Wir sind nicht von denen die zurückweichen, sondern die Glauben und die Verheissungen ererben. (Hebräer10,35,39)
Wie ein Anker fallen diese Worte in mein hin und herschaukelndes Herz und machen mich ganz unerwartet ruhig. Es ist als würde Jesus mir sagen:  Fürchte dich nicht. Sei unbesorgt. Ich bin doch da. Alles was du tun mußt ist nicht zurückzuweichen, sondern mir zu vertrauen.
 Und während ich auf dem Sofa sitze und mein Herz langsam still wird, taucht in meinen Gedanken das Bild von Rosa Parks auf- der Afroamerikanerin die einfach im Bus auf ihrem Platz sitzen blieb als ein weißer Fahrgast ihn einforderte. Sie war müde und sie war es leid nachzugeben. Also blieb sie einfach sitzen.  Auch wenn das Schild auf ihren Sitzplatz deutlich sagte: "for whites only". Was einen relativ unbekannter Baptistenprediger dazu veranlasste einen Busboykott zu organisieren - es war der Anfang der Bürgerrechtsbewegung im Amerika. Der Rest ist Geschichte. (ach, und der damals noch unbekannte Prediger hieß Martin Luther King)  

Rosa Parks mit Martin Luther King (Bild Wikipedia)
Manchmal entstehen die erstaunlichsten Dinge, wenn man einfach sitzenbleibt. Nicht zurückweicht. Darauf vertraut, dass die Dinge in`s Lot kommen und gerade einfach noch ein paar Sachen falsch beschriftet sind.
Nein, ich bin nicht Rosa Parks. Ich fürchte ich wäre nicht so mutig gewesen wie sie. Und mein sitzen bleiben wird eher nicht in die Geschichtsbücher eingehen. Aber es wird für meine Geschichte einen entscheidenden Unterschied machen. Zumindest verstehe ich es so, dass es eine Sache ist die Jesus ziemlich wichtig findet: das Vertrauen nicht wegzuwerfen. 
Also weiche ich heute nicht zurück. Ich tue nichts außer bockig sitzenbleiben. Ein stiller Protest gegen die Lügen die mich heute fertig machen wollen. Eine kleine Entscheidung an einem chaotischen Vormittag, auf die Dinge zu vertrauen an die ich glaube - auch wenn sie sich heute überhaupt nicht wahr anfühlen:
Gott gibt den Müden neue Kraft. Gott macht uns heil. Er führt uns durch`s Leben. Er kommt um uns zu erlösen. 

Und vielleicht ist dieses "sitzen bleiben" wie eine Tür-  eine Einladung, ein weites Tor - durch das Gott mit seiner Herrlichkeit einziehen kann. Mit Heil und Segen im Gepäck.


 
Für alle diejenigen unter uns, die gerade nichts mehr tun können als einfach müde sitzenbleiben und vertrauen gilt:  Er wird kommen. Mitten in unser Dunkel. Er wird die Sitzordnung dieser Welt ein wenig aufmischen und alles wahrmachen, was er verheissen hat.

In diesem Sinne: Frohe Adventszeit!