Mittwoch, 18. Oktober 2017

Speicherplatz freiräumen!

Die letzten Tage hat es ab und zu noch funktioniert; jetzt hat mein Handy endgültigt seinen Geist aufgegeben (wenn man bei so einem seelenlosen Teil überhaupt davon sprechen kann, dass es den Geist aufgibt!). 
Schon länger blinkt mich die Whats-App-Nachricht an: Zu wenig Speicherplatz! Löschen sie Dateien um eine neue Version hochzuladen. Ich versuche es. Lösche schweren Herzens Dateien, ein paar alte Filme und Bilder. Es nützt nichts. Die vorwurfsvolle Nachricht bleibt.  Am Ende lösche ich genervt mein Whats-App. Zuerst ist es ein gutes Gefühl. Ballast abgeworfen! Ich lösche keine weiteren Dateien für eine neue Version von dir – ich lösche DICH, Baby! Dann fällt mir siedend heiß ein, dass ich damit auch den Kontakt zur Elterngruppe von Samus erste Klasse gelöscht habe. Und zur Willis Lebensmittelretter-Gruppe über die wir leckere Backwaren und abgelaufene Lebensmittel bekamen. Und zu meinem Neffen in Amerika und meiner Nichte in Südafrika, die mir ab und zu Bilder ihrer Reise schicken. Und zu unseren Freunden in Japan die mir regelmässig Gebetsanliegen schicken. Oh weh. Vielleicht sollte ich doch wieder... 
Aber jetzt ist das Handy sowieso erst mal kaputt. Und ich übe mich im gelassenen Bin-zur-zeit-nicht-erreichbar-Modus. Bis vor kurzem konnte ich noch total gut ohne Whats-App. Nun scheint es mir fast unverzichtbar. Wie schnell sowas geht, oder? Und klar: es hat ja unbestreitbar Vorteile – besonders für telefon-phobische Mensche wie mich. Es hat aber auch ein Problem: Es beansprucht definitiv einiges an Speicherplatz!
Und genau das scheint mein derzeitiges Problem zu sein - nicht nur auf dem Handy sondern in meinem gesamten Leben: Der Speicherplatz ist überladen! Zu viele gute und nützliche Dinge nehmen mich in Beschlag und ich spüre, dass mein System kurz vor dem Totalabsturz steht. Die Migräneattacke, die mich seit gestern quält, könnte auch ein Hinweis darauf sein; ein Hilferuf von meinem Körper der mich bittet ein bisschen Ballast abzuwerfen. Und das obwohl doch gerade eigentlich gar nicht so viel los ist. Objektiv betrachtet. Aber es gibt nun mal menschliche Systeme die vielleicht nicht ganz so viel Speicherplatz haben und trotzdem alles mögliche und unmögliche spontan auf ihre Festplatte ziehen. Ich scheine dazuzugehören. Und deshalb ist es für mich so wichtig immer wieder mal alles runterzufahren und zu schauen, was zu viel Platz einnimmt. Wo ich mich wieder auf ungesunde Weise verausgabe. Wo ich zu viel auf einmal will und meine Begrenzungen völlig übergehe.
 
Also tue ich das, was ich meistens tue wenn ich innerlich gestresst bin: Ich esse viel Schokolade und ich gehe mit Jesus spazieren und bitte ihn, dass er mir beim Sortieren hilft. Nachdem ich mir gestern erst mal eine halbe Tafel Ritter-Sport reingestopft habe (soviel Sport muss sein!) habe ich einen kleinen Spaziergang gemacht. Irgendwie bin ich dabei auf dem örtlichen Friedhof gelandet. Eigentlich ein ganz guter Platz um darüber nachzudenken, wie kostbar das Leben ist, wie begrenzt Zeit und Speicherplatz und wie wenig sinnvoll es ist, sich total zu stressen und so wichtig zu nehmen, wie ich das leider oft tue.
Also setzte ich mich auf die Bank, mit Blick auf Herbstbäume und Grabsteine, und frage  Jesus so Sachen wie: Was ist gerade zu viel? Was erschöpft meine Kapazität? Welche inneren Programme ziehen viel zu viel Akku? Wie kann ich da heiler werde? Welche Ansprüche muss ich loslassen? Was ist vielleicht gerade möglich, aber entspricht nicht meiner Lebenswirklichkeit? Welche guten Pläne sollte ich besser verschieben?
Die Antworten sind nicht leicht zu finden. Und manches fällt mir schwer aus den Händen zu geben. Aber während um mich herum die Blätter leise zu Boden fallen übe ich mich ein bisschen im Loslassen. Wenn nicht in dieser Jahreszeit, ja wann denn dann?
Und letztlich geht es doch darum Platz zu schaffen! Ein NEIN zu dem was mich überfordert ist doch letztlich ein JA zu dem Leben, das mir gerade geschenkt wird!

Also sage ich mich frohem und dankbarem Herzen:

JA

zum Liebhaben und Sonne tanken
 
zum Schulgeschichten hören und Hausaufgaben kontrollieren
  
zu Parkausflügen mit Waffel essen und ausgiebigem Laub aufwirbeln

zum Geschichten vorlesen und gebaute Legoteile bestaunen
 
zum Einladungen annehmen und kleine Glaubensabenteuer wagen
 
zum Sabbatkerze anzünden und an unserem 1000-Teile-Puzzle weitermachen

zum Kürbissuppe mit Freunden schlürfen und stille Abenden vor unserem Küchenofen genießen

zum Abendbrotessen unterm Apfelbaum, kurz bevor es Dunkel wird
 
zu abendlichen Spaziergängen, wenn der Herbstwind auffordernd an der Haustür rüttelt

zum Staunen und Blätter einsammeln

Dafür soll Platz sein! (und jetzt versuche ich die geschenkten, handyfreien Tage zu genießen :-)).



 












Mittwoch, 11. Oktober 2017

Schreiben oder schweigen?

Seit Tagen liegt ein wunderbarer Blogpost bereit um losgeschickt zu werden. Ein Thema das mich gerade total bewegt, über das ich nachdenke und bete und das mir sogar den Schlaf raubt. Aber da ist diese Hemmschwelle in mir. Ein inneres Stoppschild. Oder besser ein sanfter Griff der mir sagt: Noch nicht! Lass es noch in dir wachsen. Das ist noch nicht reif genug um zu wissen ob und wie es geteilt werden soll. Nun könnt ihr sagen: Warum schreibst du dann darüber? Sag es oder sei einfach still. Aber es ist das was mich gerade beschäftigt - diese Frage die beim Schreiben immer wieder hochkommt: Ist es okay das zu teilen oder sollte ich es besser für mich behalten? 
Jeder der öffentlich schreibt kennt das. Da gibt es klare Linien die man sich setzt: Man schützt Personen, die einem nahe stehen, man möchte nicht über andere ablästern, manches ist noch völlig unfertig oder so ein Wust aus Gefühlen, dass man unmöglich darüber schreiben kann. Als ich mit dem öffentlichen Schreiben angefangen habe, habe ich mir vorgenommen immer ehrlich über das zu berichten was mich gerade bewegt und beschäftigt. Alles andere scheint mir wenig Sinn zu machen. Mir geht es ein bisschen wie der Autorin Glenon Doyle die auf die Frage ihres Vaters, ob sie nicht denkt, dass man manche Dinge einfach mit ins Grab nehmen sollte, fröhlich antwortete: "Nein. Eigentlich nicht." Es gibt tatsächlich ganz wenig Dinge die mein Leben betreffen, von denen ich nicht bereit wäre ehrlich darüber zu schreiben. Für mich ist die Herausforderung größer etwas für mich zu behalten als etwas zu teilen. Ganz besonders dann, wenn es etwas Gutes ist. Ein toller Gedanke. Ein schönes Erlebnis. Oder ein gelungenes Foto. Und ich glaube im Zeitalter der sozialen Medien bin ich damit nicht alleine. Jen Hatmaker schreibt in ihrem Buch SEVEN unter anderem über das Experiment einen Monat lang auf alle sozialen Medien zu verzichten.  Schon am ersten Tag simst (!) sie einer Freundin: 
Wie wird die soziale Netzwelt überleben wenn ich ihr nicht mitteile, dass ich mit Sydney Calzone gebacken habe und wir ein Fruchtfliegenproblem haben? Wozu sollte ich leben, wenn ich nicht davon berichten kann, dass wir das erste Eis des Jahres gegessen haben? Das ist bestes Facebook-material und ohne dass ich es posten kann, scheint das private Leben einfach keinen Sinn zu machen!
Haha. Klasse geschrieben. Und wie gut, dass ICH nicht so bin! (Ich bin ja nicht mal bei Facebook) Wirklich? Da braucht es doch nur so eine Situation wie diese Woche wo ich merke wie schwer es mir fällt wenn gute Dinge und wertvolle Gedanken ungeteilt und ungesehen bleiben. Und im Alltag gibt es viele Situationen in denen ich nur darauf warte meine ungefilterten Gedanken mit der Welt zu teilen und ich anschließend immer wieder denke: Das hättest du jetzt aber nicht sagen müssen! Da hättest du besser einfach nur zugehört. Und NACHGEDACHT. Besonders Heio bekommt immer wieder meine völlig unreflektieren Gedanken ab (und es kann passieren, dass ich ihn nachts aufwecke damit er meinem "Fruchtfliegenproblem" zuhört).
Gestern Abend bin ich noch eine Runde um die Häuser gelaufen.  Ich habe versucht auf Jesus zu hören, vielleicht noch ein bisschen rumzufeilschen, dass ich den Beitrag doch noch abschicken kann. Da fiel mir Maria ein. Die Mama von Jesus; wie sie unglaubliches erlebt; Hirten die von Engelsgesängen berichten und vor ihrem kleinen Baby niederknien. Diese Situation wäre aber sowas von ein Blogeintrag oder Facebookpost wert gewesen! Und was macht Maria? Es heisst: Maria merkte sich alle diese Ereignisse und bewahrte sie in ihrem Herzen. (Lukas2,19) Das scheint mir so eine kluge, wunderbare Sache zu sein. Vielleicht waren die gestammelten Worte der Hirten vor allem eine Botschaft an Maria. Etwas zwischen ihr und Gott. Ein Augenzwinkern. Ein wissendes Lächeln zwischen zwei Liebenden. Oder die Gedanken waren einfach zu wunderbar und noch so klein und unfertig, wie das Baby in ihrem Armen, dass sie erst noch ein wenig in ihr wachsen und reifen mussten, bis Worte darüber irgendeinen Sinn ergeben würden. Und genau das will ich von Maria lernen. Das Schweigen. Dass es Dinge gibt, die ich in mir bewahren, sortieren, vor Gott bewegen will. Dass manches nur zwischen ihm und mir geschieht und dadurch einen tiefen Wert hat, eben weil es so "verschwendet" scheint. 
 Und ich will weiter mutig das mit euch teilen, was mich bewegt.

Ich will lernen über das eine zu schreiben und über anderes zu schweigen. 
Ich will Worte finden und ich will Worte sein lassen. 
Ich will ich an nichts festhalten, sondern bereit sein es mutig zu teilen 
und ich will still SEIN, reflektieren, bewahren und zur Reife bringen
Schreiben und schweigen. 
Warten und losgehen.
Sich still wundern und betrachten und Momente trinken 
und dann immer mal wieder stammelnd Worte zu finden, für Dinge die unfassbar sind. 
Beides will ich lernen, denn: 
Alles hat seine Zeit. 




Marco Michalzik erzählt hier von der Suche nach Worten und über das was man so schwer in Worte fassen kann! WAS FÜR EINE GABE hat dieser Kerl. WOW. Einfach wunderbar!!!


Mittwoch, 4. Oktober 2017

And the winner is....:

JESUS! Haha. Sowieso immer. Aber weil der fair-trade Loop ja einen seiner liebsten Menschenkinder schmücken soll, hier die Gewinnerin - von Samu heute beim Frühstück aus dem Lostopf gezogen, unter den strengen Blicken von Heio (der Rechtsweg war ausgeschlossen, oder wie heisst das noch gleich?): 
Gewonnen hat, Trommelwirbel: 



 MARIA!!!
...die ganz zum Schluß noch in den Lostopf gehüpft ist und damit die Wahrheit bestätigt hat, dass Jesus die Letzten zu den Siegern machen wird :-)

Und den Trostpreis - das wunderbare Postkartenset - geht an Nicola G. 

Herzlichen Glückwunsch!!! Schickt ihr mir bitte eure Adressen an chris.f@freenet.de. Danke allen anderen für`s Mitmachen! (ich gewinne bei sowas auch NIE. Dafür habe ich viel Glück darin immer wieder ganz wunderbare Menschen zu treffen. Und das ist mehr als ein fairer deal!).

Ansonsten fehlt mir diese Woche irgendwie die Zeit einen tiefgründigen Beitrag zu schreiben. Ein Brückentag ist völlig unerwartet bei uns aufgeschlagen. Wenn Samu nicht darauf bestanden hätte, dass seine Lehrerin gesagt hat, dass jetzt Ferien sind - ich hätte ihn am Montag vor der Schule abgesetzt (und seine furchteinflößende Lehrerin hat bei ihm immer recht, soviel steht jetzt schon fest!). 
Jetzt hinke ich ein bisschen mit meinen Plänen für die Woche hinterher, aber was soll`s; eins von den vielen Dingen die ich lernen will ist: Es kommt viel weniger auf mich an als ich denke, und es kommt viel mehr auf Jesus an als ich das auch nur ahne
Also übe ich mich in gelassenem Vertrauen auf einen Gott, dem nichts unmöglich ist. Und der die Blätter so wunderbar färbt und die Herbstscheinwerfer anschmeißt, damit wir das bestaunen können. Dafür braucht es definitiv Zeit. Gott sei Dank für Brückentage und die mich aus dem Alltagstrott bringen und mir helfen das Gute, das mich umgibt, auch richtig wahrzunehmen.





Attention ist the beginning of devotion.   Mary Oliver
       (Aufmerksamkeit ist der Auftakt zur Hingabe)

Donnerstag, 28. September 2017

Eine Einladung und eine Verlosung!

Ihr Lieben, zur ungewöhnlicher Zeit greife ich hier nochmal in die Tasten. Aus zwei Gründen: Einmal möchte ich euch herzlich zu einer Lesung einladen! Und zwar am nächsten Freitag, den 6. Oktober in Oberpleis. (es soll ja Menschen geben die eine Woche voraus planen können. Hab ich mal gehört:-)). Oberpleis ist in der Nähe von Siegburg/Bonn und eine liebe Blogleserin hat mich dorthin eingeladen. Also, falls du das liest und irgendwo in der Nähe wohnst: Das ist DIE Chance wo wir uns mal live begegnen könnten und  du feststellen kannst, dass ich in echt viel fertiger aussehe als auf den Fotos! Ich werde vor allem aus dem ersten Buch lesen. Hier die genauen Infos:


Und dann gibt es hier noch eine Verlosung! 
Eine Freundin hat einen kleinen fair-trade-Laden hier in Stuttgart, den man auch im Internet besuchen kann: die rote Zora. Bisher gibt`s nur was für Mädels, aber jetzt möchte sie eine Männerkollektion starten (die sollen schließlich auch gut und fair gekleidet sein!). Das Ganze wird über Crowdfunding laufen, was bedeutet, die Kollektion wird dadurch vorfinanziert (und überhaupt möglich) wenn viele Leute schon mal etwas - zum günstigeren Vorverkaufspreis - bestellen. Ihr könnt ja mal die Seite hier einfach anklicken und die "Belohnungen" anschauen. Wenn ihr mein erstes Buch gelesen habt, dann wisst ihr ja, dass ich im Einkauf von fair-trade Klamotten nicht gerade Miss Konsequent bin - aber ich versuche es weiter. Weil ich es eine richtig gute Sache fände wenn die Stoffe auf unserer Haut keine Ausbeutung von Menschen nötig machen würden und es keine Giftmittel mehr in der Baumwolle gäbe, die die Feldarbeitern beim Ernten der Baumwolle krank machen würden; alles nur damit wir gut aussehen! Klar: die Welt kann man nicht verändern, aber man kann im Kleinen anfangen. Subversiv die Ordnungen der Welt auf den Kopf stellen:-). Also zum Beispiel ein bisschen mehr Geld für ein T-Shirt in die Hand nehmen und dafür nicht so oft shoppen gehen. Oder indem man Menschen unterstützt, die schöne, kreative fairtrade Mode macht. Ich wünsche Silke, dass sie damit Erfolg hat und wir ganz langsam den Druck auf die großen Klamottenlabels verstärken damit sie saubere Stoffe produzieren und die Fabrikarbeiter fair bezahlen.  Habt ihr Lust mitzumachen damit das Crowdfunding ein bisschen Fahrt aufnimmt? Vielleicht gefällt euch ja was und ihr könnt euch eine "Belohnung" sichern? Oder ihr leitet den Link einfach weiter und macht die Sache ein bisschen bekannter? Das wäre toll! Und ihr könnt hier (bis Di. Abend) einen kurzen Kommentar hinterlassen, dann nehmt ihr an der Verlosung dieses schicken Loop Schals teil:


Am Mittwoch wird der Gewinner verkündet. Und der zweite Preis, als kleiner Trostpreis: Ein Postkartenset von mir. Viel Erfolg:-).

Habt ein wunderbares Wochenende!!!

Montag, 25. September 2017

Wenn Jesus mit uns reden könnte....

Wir sitzen auf dem Balkon und feiern die erste überstandene Schulwoche mit Samus Lieblingsessen: Spinat, Kartoffelbrei und Fischstäbchen (was bin ich froh, dass ich ihn mit so einem einfachen Essen glücklich machen kann!). Da steigt uns, neben den gestreiften Fischresten noch ein anderer Geruch in die Nase. Ein Fuchs scheint mal wieder seine Revier in unserem Garten markiert zu haben. Igitt. Wir essen trotzdem erst mal tapfer weiter und Samu meint: „Mama, wenn Jesus mit uns reden könnte, dann könnte er uns jetzt bestimmt sagen wo der Haufen liegt."
Ach, ich liebe es, wenn sich mitten im hunds-oder besser fuchsgewöhnlichen Alltag ein Moment auftut, in dem wir über Dinge reden können die vielleicht fürs Leben richtig wichtig sein können. (und die Zeit in der er die Weisheiten seiner Mutter bereitwillig und staunend aufnimmt schmilzt in den nächsten Jahren wohl schneller als die Polarkappen!) Also ergreife ich die Chance, erkläre ihm, dass Jesus gerne mit uns redet, dass es manchmal wie ein freundliches Flüstern in unsere Gedanken ist und dass wir ganz langsam lernen den Klang seiner Stimme ein bisschen besser zu erkennen. Und während ich ihm das so erkläre ist auch ein kleiner Teil in mir der leicht hysterisch denkt: Bist du dir da sicher? Redet Gott wirklich? Oder ist das der Moment in dem du deinem Sohn zu Dialogen mit einem imaginären Freund ermutigst – und wir wissen ja wo sowas enden kann!  Aber ist es nicht genau das was ich glaube? Wenn Jesus lebendig ist, mitten im Alltag, dann redet er doch auch zu uns, oder? Also erkläre ich Samu weiter, dass er einfach Jesus bitten kann, dass er seine Stimme hören darf. Er nickt freudig, macht die Augen zu und betet leise. Wir essen genüsslich weiter. Das Thema scheint erstmal erledigt. Beim Nachtisch sagt er plötzlich: „Ich glaube jetzt hat Jesus was gesagt!“ „Was denn?“, frage ich neugierig. „Hallo Samuel!“ sagt er strahlend. Ach, wie schön.



Einige Zeit später. Ich schlage mich mit dem Unkraut im Garten rum, damit der Fuchs weiß, dass hier NICHT sein Revier ist!  Samu fährt lärmend mit seinem alten Bobbycar hin und her (wir haben es leider gekauft bevor wir von der absolut segensreichen Erfindung von Flüsterrädern erfahren haben!) Ich bin schon echt angenervt und will ihm gerade den fahrenden Untersatz entreißen, da ruft er fröhlich und GANZ LAUT (man muss ja schließlich den Lärm übertönen): „Mama, ich glaube Jesus hat gerade wieder was zu mir gesagt!“ Aha. Ich werfe einen leicht nervösen Blick auf die offenen Fenster der Nachbarn. „Was denn?“ „Mach weiter! Ich hab dich lieb!“ Na bravo. Ich muss lachen. Und irgendwie kommt mir die Stimme schon bekannt vor. Zu mir sagt sie nämlich auch ganz oft sowas wie: Hallo Christina, ich hab dich lieb! Klar, ich war auch schon tief enttäuscht davon, dass sich etwas, was ich meinte von Gott zu hören, dann doch eher als mein eigener Wunschgedanke herausgestellt hat. Und trotzdem: Ich erlebe es immer wieder, dass Jesus redet. Auf die verschiedensten Arten. Und ganz oft über dieses sanfte Flüstern in meine Gedanken. Und ich muss an einen Satz von der wunderbaren Melissa Helser denken die sagte: "Ich will, dass meine Kinder lernen nicht nur auf mich zu hören, sondern dass sie mit der Stimme von Jesus vertraut werden, weil sie ihn – im Gegensatz zu mir - ein Leben lang brauchen werden."
Wie wahr. Ja, er soll auch lesen lernen. Und schreiben. Und freundlich sein. Alles wichtig fürs Leben. Aber am allermeisten wünsche ich mir, dass er Jesus kennenlernt, dass er lernt auf seine Stimme zu achten, mitten im Alltag. Es gibt so viele Stimmen die uns kaputt machen, antreiben, anklagen, klein reden....und da ist diese eine Stimme, die so oft einfach unseren Namen voller Liebe sagt, die uns ganz lebendig und froh machen kann! Diese Stimme wahrzunehmen und ihr mehr zu glauben und zu folgen als allen anderen - das scheint mir das Allerwichtigste was man lernen kann. Und da drücke ich mit dem kleinen Sohn gemeinsam die Schulbank. Ein Leben lang.

 You have one single Teacher, and you are all classmates. 
Jesus in  Matth. 23,8 (the message)

Montag, 18. September 2017

Mittendrin im Neuanfang


Heute ist er da: Samuels erster, richtiger Schultag! Und ICH bin total aufgeregt. Auf dem Weg zur Schule segnen wir ihn noch (das haben wir im morgendlichen Trubel ganz vergessen!). Wir treffen einen Bekannten, der einen guten Start wünscht und ich bedanke mich. Heio macht mich darauf aufmerksam, dass der Wunsch eher Samu galt als mir. Ähh stimmt. Egal. Ich zähle nochmal die Schulhefte und merke, dass wir eins vergessen haben. Oh nein! Ich darf es in der großen Pause nachbringen, sagt die Lehrerin. Ahhh. Es fühlt sich an wie früher! Da habe ich auch immer irgendwas vergessen. Komme völlig verschwitzt nach Hause. Würde mich am liebsten hinter einem Busch im Schulhof verstecken und die Kinder in der Pause beobachten. NEIN, ich bin keine Helikopter-Mama, aber hey:  wenn mich jemand auf einen kostenlosen Heli-Rundflug einladen würde - ich wäre sofort dabei! Versuche Heio zu überreden sich auf seinem Weg zum Büro unauffällig am Schulzaun entlangzuschleichen. Er lehnt ab. Wie gut, dass wenigstens einer im Haus nicht völlig den Verstand verloren hat.

Ach ja, Neuanfänge sind immer spannend! Und ich bin sooo dankbar für tolle Lehrer und dass ich mein Kind in Friedenszeiten in die Schule schicken kann. Am Elternabend saß ich neben einer syrischen Mama. Sie gestand mir später, dass sie kaum ein Wort verstanden hat. Ich spüre, wie schwierig das für sie ist, und ich nehme auch eine tiefe Dankbarkeit wahr, dass sie hier mit dabei sein darf und ihre kleine Tochter zur Schule bringen kann. Zusammen mit all den anderen Kindern, aus so vielen verschiedenen Ländern. Seite an Seite werden sie nun jeden Tag ein bisschen mehr übers Leben - und auch voneinander - lernen. Ich bin sooo gespannt, was Samu mir heute Mittag berichten wird!

 Letzten Samstag hat er auch schon einen aufregenden Tag hinter sich gebracht: Heio hat ihn zum "Bädleslauf" angemeldet, ein jährlich stattfindender Schülerlauf auf dem Gelände von unsererem Freibad. 1500 Meter! Und Samu hat kurz davor die Angst gepackt. Er wollte nicht, fürchtete sich vor dem Verlieren und dass er es nicht schaffen würde ins Ziel zu kommen. Da ich jetzt nicht so die ehrgeizige Mutter bin was den Sport angeht war ich sofort bereit ihn wieder abzumelden. Aber Heio bestand darauf, dass wir hingehen. Und weil der Nachbarsjunge auch mit am Start war, hat sich Samu dann doch getraut mitzumachen.
Gemeinsam rannten sie los. Unter den Anfeuerungsrufen der Eltern. Und dann verschwanden sie um die Ecke. Und das große Warten begann. Mein Mantra war: Nicht aufgeben. Du schaffst das! Egal, auch wenn du als letzter ins Ziel kommst. (immerhin war er einer der Jüngsten!) Und dann kamen die Ersten wieder um die Kurve und liefen Richtung Ziellinie. Von Samu weit und breit keine Spur. Eine lange Minute Bangen. Hat er aufgegeben? Aber dann tauchte der kleine Läufer ganz hinten auf. Ich juble! Mir schießen Tränen in die Augen wie er, als einer der letzten, über die Ziellinie läuft. Geschafft! Er strahlt. Ich frage ihn wie es war und er meint: "In der Mitte, im Wald, war es schwierig. Ich war plötzlich allein und es war so dunkel. Und ich musste weinen." Oh nein. "Und was hast du dann gemacht?" "Ich bin einfach weitergerannt", sagt er. Wie gut. Ich umarme ihn und erinnere ihn nochmal daran, dass er im Wald nicht alleine war. Dass Jesus immer bei ihm ist. Er nickt ernst. Und am Ende darf er bei der Siegerehrung sogar noch aufs Treppchen, weil er in seiner Altersklasse Zweiter wurde. Gut, es gab nur drei Jungs in seiner Altersklasse, aber egal - er hat es toll gemacht. Er hat nicht aufgegeben. Auch wenn es mittendrin schwierig war. Diese Erfahrung wünsche ich ihm. Vom ersten Schultag an. 
 
Mittendrin - da ist es oft nicht einfach. Das kennen wir Erwachsenen doch nur zu gut. Und Lauren Winner schreibt: Wenn das "Mittendrin" eine Farbe auf der Palette des Lebens wäre, dass würde man sie wohl Treue nennen. Treu sein. Dranbleiben. Schritt für Schritt. Auch im Dunkel. Auf unbekannter Wegstrecke. Da wird auch mal die eine oder andere Träne vergossen. Und da brauchen wir auch Menschen die uns anfeuern und uns zusagen, dass wir es schaffen können. Egal wie oft wir überrundet werden - am Ende zählt es, dass wir ankommen, oder?

Heute mittag werde ich ihn vor dem großen Schultor abholen und in die Arme schließen. Sein erster Schultag. Geschafft! Und so viele danach die noch kommen werden. Ein Tag nach dem anderen. Aufbrechen. Segen empfangen. Strecke genießen. An den dunklen Stellen durchhalten und wissen, dass wir nicht alleine sind. Auch wenn es sich manchmal so anfühlt. Und dann: Ankommen. Und dankbar feiern, dass wir heute dabei sein durften.










Und hier noch ein paar Fotos aus Holland - für alle die gerne Urlaubsbilder anschauen. Es war einfach wunderbar!!! 


Schätze sichten

blaue Waffel! ?



ganz alleine früh morgens, am Strand - schönstes Frühstück ever!


holländischer Apfelkuchen im Nachbargarten genießen



unter Freunden (so schön, dass ihr dabei ward!!!)


Mittwoch, 23. August 2017

Am Anfang feiern wir!

Ich liebe ihn - den Tag danach. Wenn die hektische Vorbereitung vorbei sind und wenn alle Anspannung abgefallen ist (Werden die Stühle reichen? Wird das Wetter halten? Wird es gut was ich sage, was ich lese? Wird es mit der Musik dazu klappen? Werden die Nachbarn die Polizei rufen oder sich dazusetzen?). Wir haben wunderbar gefeiert und beim Aufwachen lasse ich nochmal die schönen Bilder vor meinem inneren Auge ablaufen. Der geschmückte Garten, die schönen Lieder, die gelesenen Texte, die Freunde die an den richtigen Stellen gelacht haben und bewegt waren und die sich einfach von Herzen mitgefreut haben. Was für einen Schatz habe ich in meinem Leben!!! 
Ich taumle ins Bad, umarme auf dem Weg verschlafen meine Lieblingsmenschen und schicke eine kurze SMS an die Nachbarn, dass wir uns in Kürze zum Resteessen unter dem Pavillion treffen können. Beim Anblick der Feierspuren im Garten überrollt mich die nächste Welle von Dankbarkeit.






In meinem neuen Buch habe ich ein Kapitel über das Feiern geschrieben. Darüber, dass Jesus mit seinen Jüngern zuallererst auf ein (Hochzeits)Fest gegangen ist. Ich hätte sie vielleicht erstmal einen kleinen Jüngerschaftstest ausfüllen lassen oder ein paar vorgefertigte Verträge zum Unterschreiben hingelegt.  Aber bei Jesus steht am Anfang das gemeinsame Feiern! Bevor irgendetwas getan oder geleistet wurde. Das finde ich ein wunderschönes Bild für die Gnade Gottes. 
Und ein bisschen war das Fest am vergangene Samstag auch so: Wir feiern keine Erfolgszahlen und keine euphorischen Kritiken. Keiner der Freunde konnte auch nur einen Satz aus dem Buch vorher lesen um sich darüber klar zu werden ob es diese Seiten überhaupt Wert sind gefeiert zu werden. Sie kamen einfach und haben sich mit mir gefreut. Und Heio, der Mann, der so ziemlich alles was ich schreibe mit einem gelassenen "gut" kommentiert, überreichte mir, mit einem Strauß Sonnenblumen, sein "sehr gut!" (obwohl er das Buch auch noch nicht am Stück gelesen hat!)
Der Strauß steht jetzt auf dem Balkon. Er erinnert mich daran, dass dieses Prädikat über unserem Leben steht. Auch wenn wir in einer ziemlich zerbrochenen Welt leben und eigentlich ganz genau wissen, dass vieles um uns, und auch in uns, nicht wirklich so toll ist. Und trotzdem: Da ist ein "sehr gut" das über jedem von uns gesprochen wurde, das gilt. Schon bevor unsere Geschichte überhaupt begann! Ein Prädikat das überhaupt nicht mit unseren Leistungen zusammenhängt!  So richtig fassen kann ich das nicht. Aber das vergangene Fest hat ein bisschen nach dieser Liebe geschmeckt. Und ich bin so dankbar dafür.


Heute packe ich die Girladen wieder zurück in die Kiste und überlege schon wann wir sie wohl wieder auspacken werden. Dieses Jahr nochmal? Vielleicht schon Mitte September, weil da ein kleiner Mensch plötzlich tapfer und gespannt Richtung Schule marschieren wird. Ein neuer Lebensabschnitt! Wie erfolgreich er wird kann man noch nicht sagen. Aber bevor die ersten Beurteilungen der Lehrer kommen, bevor die ersten Test geschrieben werden sollten wir feiern, oder? Vielleicht lege ich ihm schonmal das erste Zeugnis in die Schultüte: Note: Sehr gut! Du bist wunderbar gemacht. Gott betrachtet dich mit einem Herz voller Liebe. Und DAS ist die wichtigste "Beurteilung" die wir jemals bekommen werden!

Mit Heio zusammen war ich ein paar Tage in Augsburg. Es hat zwar fast die ganze Zeit geregnet, aber es war trotzdem schön. An einem Tag haben wir auch das Gebetshaus besucht. Dieser Liedtext blieb mir besonders in Erinnerung: Alles was zählt, ist das was du siehst, wenn du auf mich blickst!" Wie wahr. Und wie schnell vergesse ich das im Alltag. Wie wichtig sind dann so viele andere Stimmen und Blicke. Deshalb brauche ich die Erinnerung daran. Indem ich mich liebevoll anschauen lasse. Indem ich mir das "sehr gut!" Gottes vor Augen halte. Und indem wir am Anfang erstmal gemeinsam feiern gehen.



Und jetzt, ich wage es kaum zu sagen, gehen wir in den Urlaub!  (nachdem sich viele von euch ja schon wieder mutig dem Alltag stellen). In der Wohnung ist noch das totale Chaos, ich muß bis zur Abreise noch einiges erledigen und mein Kopf hämmert mal wieder - trotzdem: Ich bin total dankbar und freue mich auf die Tage am Meer!

Mitte September werde ich mich dann hier wieder melden. In alter Frische, haha.
Bis dahin - bleibt behütet und vergesst nicht zu feiern. Am Anfang. Und auch Mittendrin. Mit wilder Hoffnung, dass Gott es gut machen wird und dass er uns IMMER gnädig anschaut.

Gnade bedeutet, dass mitten in unserem Kampf der Schiedsrichter pfeift und das Spiel zu Ende ist... Gnade bedeutet, dass Gott auf unserer Seite ist und wir deshalb Sieger sind, egal wie gut wir gespielt haben. Wir können jetzt genauso gut duschen gehen und dann mit Champagner feiern.
Donald W. Cullough