Dienstag, 12. Dezember 2017

Adventszeit in Überlänge

Es ist wie jedes Jahr: die vier Wochen vor Weihnachten rasen im Hause Schöffler nur so dahin. Wie im Zeitraffer werden die Kerzen am Kranz angezündet und am Ende der Adventszeit ist meistens noch sehr viel Wachs übrig.  Heio ermahnt mich jedes Jahr, die Kerzenreste nicht wegzuwerfen, weil der Mann das Wachs wiederverwenden kann. Inzwischen hat er aber so viel davon angesammelt, dass wir locker die Stuttgarter Stifskirche in Wachs gießen könnten. In Originalgröße. Ach ja, ein bisschen aussortieren wollte ich auch noch vor Weihnachten, und ein besinnliches Kaffetrinken mit den Nachbarn wäre auch noch schön, und für unseren Sternenmarkt möchte ich auch noch was besonderes basteln, und ich würde Samuel so gerne ein paar der alten und wunderschönen Weihnachtslieder beibringen, und die eine oder ander Weihnachtskarte könnte ich doch auch noch schreiben... ach ja, wie jedes Jahr sind diese vier Wochen völlig überfordert damit, die ganzen guten Dinge unterzubringen, die ich gerne hätte!
Dinge. Ja, Dinge kann man stopfen und stapeln, auch wenn man schon auf dem Zahnfleisch daherkommt. (stimmt, einen Zahnartztermin hab ich vor Weihnachten auch noch!) Aber Wachstum braucht Zeit. Und wir Menschen gehören in diese Kategorie. Das Baby in der Krippe kann uns was darüber sagen. Es wird langsam aufwachsen. Tasten. Staunen. Erste Worte sagen. Den Eltern gehorchen lernen. In der Werkstatt bei Vater helfen. Verwandte besuchen. Jüdische Lieder hören und Schriftworte auswendig lernen. Die Gegend erkunden. Alles zu seiner Zeit. Und es wird ganze dreißig Jahre dauern, bis der Messias sein erstes öffentliches Wort sprechen wird. Dreißig Jahre!!! Und wenn man die Bibel anschaut, dann kann man nur sagen: Gott scheint eine Vorliebe für Geschichten zu haben die sich langsam entwickeln.  Kein himmlisches Speed Dating. Kein Crashkurs in Sachen geliebt werden. Kein 5-minütiges Tutorial über gute Beziehungen. Der ewige Gott nimmt sich Zeit! Seine Geschichten haben alle Überlänge. Mindestens. Director`s Cut. Und eine Frau wie ich, die mit 40 Jahren geheiratet hat, mit 42 ihr Neugeborenes im Arm hielt und mit 44 anfing Bücher zu schreiben, sollte das eigentlich wissen.
 
Ich wünsche uns allen, dass wir ein bisschen mehr vertrauen in die längeren Zeiträume haben. 

Samuel kann ja auch nächste Jahr noch Weihnachtslieder lernen, oder das Jahr danach, oder im Sommer, wenn wir faul im Garten liegen. Und eine überraschender Brief im Frühjahr wird vielleicht mehr Freude auslösen als die zehnte Weihnachtskarte die man aus dem Briefkarten fischt. Und der besinnliche Adventskaffee mit den Nachbarn wird zum Wintergrillen nach Weihnachten, wenn genügend Schnee im Garten liegt.

Geben wir dem Leben ein bisschen mehr Zeit.

Der Beziehung, die gerade so verfahren aussieht.

Dem Kind, das die Dinge ein bisschen langsamer angeht, als andere. 

Der Gemeinde, die gerade durch schwierige Zeiten geht. 

Dem geliebten Menschen, der im Moment keine so guten Entscheidungen trifft.

Dem Herzenswunsch, der erst in einer anderen Jahreszeit aufwachsen kann.

Gottes Geschichten ereignen sich über lange Zeiträume. 

Nach vier Wochen ist seine Ankunft lange nicht verpasst. 

Er kommt uns auch im neuen Jahr entgegen. 

Das Licht seiner Gegenwart brennt weiter. 

So lange, bis er wiederkommt. 


Montag, 4. Dezember 2017

Morgenlicht.

Heute bin ich als Erste aufgestanden. Das kommt selten genug vor bei zwei Mitbewohnern die, zu meinem Leidwesen, absolute Frühaufsteher sind. Ich schleiche leise in die dunkle Küche und suche nach den Streichhölzern, um die Kerze anzuzünden. Die Flamme leuchtet zischend auf, der Docht fängt Feuer und ich bin erstaunt wie hell der Raum von diesem kleinen, warmen Leuchten wird. Draußen ist es noch dunkel aber der Blick aus dem Fenster lässt mein Herz höher schlagen: Es hat geschneit (oder: " geschnitten", wie mein kleiner Neffe immer zu sagen pflegte). 
Gut, die Puderzuckerschicht ist für eine Schwarzwälderin wie mich nicht gerade ein Grund auszuflippen und trotzdem: ich freue mich über die weiße Verschönerungsaktion die leise in der vergangenen Nacht von statten ging. Anstatt mich gleich ins Wochenprogramm zu stürzen lockt der Schnee nach draußen. Ich will ein paar Schritte in die fast unberührte Schneelandschaft setzen; bevor die Hundebesitzer kommen und kleine schwarze Tüten zurücklassen und bevor das helle Weiß zu dreckigem Matsch wird (was in der Stadt Ruckzuck passiert). Der Schnee knirscht bei jedem Schritt unter den Sohlen, mein absolutes Lieblingsgeräuch - neben dem gemütlichen Brodeln und Zischen unserer Kaffeemaschine und dem prasselnden Feuer im Ofen...






Und passend zur weißen Pracht beginnt die Adventszeit! Weihnachtsplätzchen sind auch schon gebacken. Und gegessen. Wie die Jahre zuvor habe ich mir vorgenommen mit dem Sohn einen schönen Backnachmittag, in vorweihnachtlicher Stimmung, zu verbringen. Wann gebe ich diese Illusion endlich auf? Ich bin einfach nicht die liebevoll, geduldige Mama die ich gerne wäre. Zumindest nicht dann wenn`s ans Backen (und Hausaufgaben beaufsichtigen!) geht. Samuel kennt mich schon besser und hat sich darauf eingestellt. Er hat in großer Hektik Sterne in den Teig gestochen und sie dann Richtung Backblech geworfen. "WAS MACHST DU?!", rufe ich erstaunt. "Ich bin der Pizzabäcker, Mama," erklärt er und macht hektisch weiter. Das hat er beim letzten Ristorante-Besuch bei offener Küche abgeschaut. Und, was soll ich sagen: Es war genau das richtige Tempo. Geduld und Teig waren genau im gleichen Zeitraum aufgebraucht. (ok, vielleicht war die Geduld um ein paar Nasenlängen zuerst im Ziel) Fazit: Backprojekt für dieses Jahr erfolgreich abgeschlossen. Mutter und Sohn gleichermassen erleichtert.
Für den Rest der Adventszeit habe ich nur einen Wunsch: Nicht ganz so hektisch weitermachen. Ein bisschen mehr DA zu sein. Das Gute wahrnehmen. Schneeflocken auffangen. Die Wärme in der Wohnung genießen, wenn man von draußen kommt und in den kleinen Ritzen des Alltags öfters mal Danke Jesus! flüstern. Einfach weil ich das große, große Glück habe, NACH seiner Geburt zu leben und die wunderbare Weihnachstgeschichte mein Leben hell macht. Gerade in den dunkleren Räumen. Und davon gibt es im Moment so einige.

Ach und, wie jedes Jahr versuche ich hier ein bisschen weniger Worte zu machen. Und deshalb freue ich ich umso mehr, dass Tine uns mehr Worte als sonst schenkt: Ihr Blog wird zum Adventskalender! Und wenn ich jetzt gespannt jeden Morgen auf den neuen Beitrag klicke, bricht die kindliche Freude auf, die ich früher beim Türchenöffnen hatte. Ein Morgenlicht. Jeden Tag im Advent. DANKE TINE!!!

Ich wünsche uns allen eine gesegnete Adventszeit mit viel Gnade füreinander. Mitten in misslungenen Projekten und wenn die Geduld mal wieder nicht ganz gereicht hat. Und dass wir  nicht müde werden in dunklen Räumen Kerzen aufzustellen. So lange bis der Tag anbricht.



P.s.: Adventsabende sind auch prima Vorleseabende, finde ich. Wer Lust und Zeit hat und in der Nähe wohnt: Am kommenden Donnerstag lese ich im  Plus- Buchladen in Esslingen aus meinem neuen Buch: Warum ich da noch hingehe
Am Sonntag lädt Janne in ihr Wohnzimmer in Cannstatt ein. (wer dazukommen mag, meldet sich einfach direkt bei ihr: post@janne-haussmann.de)
Und nächste Woche Mittwoch gibt`s noch einen besonderen Abend in Flacht, eine (R)auszeit im Advent (s.unten). Vielleicht eine schöne Gelegenheit um mal eine Freundin oder einen Freund mitzuschleppen :-). 
Herzlichste Einladung!!!


Montag, 27. November 2017

Warum ich beim ERF gerne mit einem LKW vorgefahren wäre

Die Anspannug ist raus. Am Tag nach den Aufnahmen beim ERF bin ich müde und - neben der Erleichterung, dass es geschafft ist - kämpfe ich auch mit dem Gefühl von Niedergeschlagenheit und Versagen. Warum ist das so, frage ich mich? Eigentlich lief es doch gar nicht schlecht..
Es war es für mich schon etwas besonderes diesen Senders zu betreten! Während ich durch das schlichte Gebäude geführt wurde, strömten die Kindheitserinnerungen auf mich ein: Beim Schild mit Aufschrift Radio Monte Carlo musste ich an meinen Papa denken; an das kleine Transisterradio in seinem Schlafzimmer und  das wöchentliche Rauschen beim Sendersuchen. Wir kuschelten uns unter der warmen Bettdecke zusammen, hörten staunend den packenden Worten von Klaus Vollmer oder Konrad Eissler zu. Wer würde nicht an Jesus glauben wollen, wenn er so etwas hört?, dachte ich mir dabei.
Im Gang vom ERF-Pop-Radio fiel mir die Funkbude ein, die wir mit ein paar Klassenkameraden bei uns Zuhause, unterm Dach, abhielten. Während meine Schwester und ich aufgeregt an Chips und Salzstangen knabberten hofften wir inständig, dass die Worte aus dem Radio in den Herzen unserer Freunde eine Sehnsucht nach unserem Jesus auslösen würde....es war jedenfalls ein spannender Rundgang im ERF.
Dazwischen beantwortete ich einem Redakteur ein paar kurze Fragen zu meinem Buch und das erste Interview war damit geschafft. Nach Schnitzel mit Pommmes begegnete ich, buchstäblich zwischen Tür und Angel, der wunderbaren Christina Rammler. Ein paar Sätze, ein herzliches Danke meinerseits für ihr tolles Buch und dann saß ich auch schon in der Maske für die TV-Sendung Gott sei Dank.  Mein Kleiderset wurde begutachtet und für gut befunden (heisst: nichts glitzert und kein Muster stört). Die Hoffnung, dass ich nach der Maske unglaublich gut aussehen könnte verflüchtigte sich schnell. Es gibt eben natürliche Grenzen, denen sich auch die besten Stylisten beugen müssen. Dann wurde ich von den freundlichen Moderatoren begrüßt und schon saß ich auf dem Sofa im Studio. Das heisst: erstmal saß ich auf meiner Wasserflasche, die sich dann über den Sofa und den unteren Teil meines Kleidersets ergoß. Wie peinlich!!! Immerhin: Er ist eine Wasserflasche vom Gebetshaus Augsburg. Man könnte es also auch als eine Art Weihwasser betrachten ;-). Dann endlich, nach einem Probedurchlauf, den ich zuerst für die echte Aufnahme hielt, ging es los. An dem Punkt war ich schon so müde, dass ich gar nicht mehr so richtig weiß was ich auf die Fragen der Moderatoren geantwortet habe. Hoffe inständig ich hab nicht nur Mist geredet.  
Nach einem letzten gemeinsames Handyfoto wurde ich an Rolf-Dieter Wiedenmann weitergereicht, der mich zum Abschluß noch für seine Sendung Calando interviewte. Ich mochte ihn auf Anhieb. Er kommt ursprünglich auch aus dem Schwabenland und wir redeten erstmal eine Runde in unserer Sprache, was mir nach einem halben Tag angestrengtem Hochdeutsch redens (oder eher: dem Versuch das zu tun) so richtig gut tat. Und dann nahm sich dieser, schon etwas ältere Herr, ganz viel Zeit und wir redeten ausgiebig und in Ruhe über das Leben, die Kirche und über Jesus. Am Ende der Sendung sprach er noch ein Gebet, falls jemand der Zuhörer Jesus kennenlernen möchte. Die Schlichtheit seiner Worte berührten mich. Ich spürte: hier sitzt einer der treuen Menschen, die diesen Sender für ganz viele Menschen über all die Jahre zu einem Segen gemacht haben.  Zum Abschied gab er mir noch eins seiner Bücher, wir umarmten uns und dann saß ich auch schon wieder im Taxi und kam nach langen Wartezeiten an Bahnhöfen und einer erstaunlich kurzer Zugfahrt wieder Zuhause an.
Und mit der Freude wieder an "meinem" Ort zu sein, kam auch der anfangs erwähnte Zweifel. Konnte ich wirklich das sagen was wichtig war? Jesus, was denkst du? War es gut? War es nicht viel zu wenig? Weil ich nicht einschlafen konnte blätterte ich noch in einem meiner Lieblingsbücher von Adrian Plass. Und mein Blick fiel auf die Stelle in denen er einen berühmter christlicher Redner, der über sein Leben nachsinnt, in einem inneren Dialog mit Gott sagen lässt (Gott beginnt:-):
"Was hat der kleine Junge Jesus gegeben, als er fünftausend Leuten zu essen geben musste?"
"Sein Mittagessen."...
"Meinst du es wäre schlau von dem Jungen gewesen, bei seinem nächsten Zusammentreffen mit Jesus mehrere LKW-Ladungen mit Brot und Fischen dabei zu haben, damit Jesus sich nicht die Mühe machen musste ein Wunder zu tun?...Alles was du je zu bieten hattest waren die paar Brote und Fische, die du bist. Es war fast nichts als du angefangen hast, und ohne ein Wunder reicht es hinten und vorne nicht, aber es ist immer noch alles was ich will. Sei der du bist, liebe mich und tu, was ich dir sage. Das ist alles."
Heute lese ich diese Worte nochmal. In Ruhe. Und denke: Wow. Genau darum geht es wohl. Wieso denke ich nur jedes Mal, dass ich aber jetzt eine LKW Ladung mitbringen muss, wenn ich doch immer nur eine Handvoll bringen kann? Und wenn ich doch eigentlich immer nur mich selbst sein kann (und das ist meistens schon schwer genug!). Tatsache ist doch: Es braucht JEDES MAL ein Wunder! Das gilt für die begeisternden Worte von begabten Predigern ebenso wie für die ruhige gesprochenen Gebete in einem schlichten Senderaum. Es gilt für damals, auf dem Dachboden bei der Funkbude, als ich mit verschwitzen Händen die Salzstangen weitergereicht habe und es gilt für heute, wenn ich flaschenumwerfend vor einer Kamera nach Worte suche; es gilt für diesen Blogpost und für jede kleine, alltägliche Begegnung die an diesem Tag noch vor mir liegt. Und es gilt für morgen, wenn  ich (ab Januar) gemeinsam mit meiner Freundin Becky aufgeregt ein paar tolle Frauen in unser Wohnzimmer zum Alphakurs begrüßen werde. JEDES Mal braucht es ein Wunder! Egal wie lange wir mit Jesus unterwegs sind: LKW-Ladungen werden zu keinem Zeitpunkt verlangt! Letztlich zählt einfach nur das, was Adrain Plass so wunderbar schreibt:

Sei der du bist, liebe mich und tu, was ich dir sage. Das ist alles.

Ich bete (und ringe) um diese Unbekümmertheit: meine Krümel vertrauensvoll in Jesu Hände zu legen und den Rest der Sache einfach ihm zu überlassen.


 Wir wissen bloß zweierlei: 
zum einen, dass alles, was wir tun, nur klein sein kann,
zum anderen, dass alles, was Gott tut, groß ist.            
Madam Delbrel

Montag, 20. November 2017

Momente des Lebens

Ich bin gerade aufgewacht, Samu schlüpt zu mir ins Bett. Ich frage verschlafen: "Wo ist denn der Papa?" Antwort: "Der sitzt in der Küche und ist faulig!"

Für das Fernsehinterview im ERF (HILFE!) diese Woche muss ich noch dringend einkaufen. In der Info vom Sender stand ich solle am besten zwei Kleidersets mitbringen. Leichte Panik meinerseits: WAS SIND KLEIDERSETS? Das sind Dinge die wohl nur Erwachsene und "richtige Frauen" besitzen. Ich renne kopflos über die Königstraße um so ein Set zu finden. Komme völlig frustriert nach Hause mit einem Jeansrock, den ich überhaupt nicht brauche. Überlege parallel wie viel ich in einer Woche abnehmen könnte, wenn ich ab sofort nichts mehr esse. Der Gedanke macht mich sofort hungrig. Es dauert einen halben Tag bis ich wieder im Gleichgewicht bin. Ich wusste es schon immer: Die Königsstraße ist ein Ort des Bösen! ;-)

Wir haben Besuch. Tolle Freunde. Frisch verheiratet. Wir überlegen ob wir mal zusammen auf den Weihnachtsmarkt in Esslingen gehen sollen. Der Freund sagt: "Eigentlich finde ich Weihnachtsmärkte total schlimm. Aber ich gehe gerne mit meiner Frau hin. Die meiste Zeit schau ich sie einfach nur an und freue mich, wie sie strahlt und staunt." Ich bin gerührt. Und muss an Jesus denken.

Samu will die Hausaufgaben nicht machen. Er ist genervt. Ich bin es auch. Nach 15 Minuten unaufhörlichem Jammern raste ich aus. Die ganze Wut eines Erwachsenen ergießt sich über den kleinen Mensch. Im Hausgang höre ich die Schritte von unserem Nachbarn. Es ist mir peinlich, dass er meinen Ausbruch mitbekommen hat. Dieser Gedanke beunruhigt mich in dem Moment mehr als die Traurigkeit darüber, dass ich Samu so angeschrien habe.

Ich lese eine Rundmail von meinem Neffen, der gerade auf einer Bibelschule in Amerika ist. Die Worte sind so ehrlich und bewegen mich sehr. Er schreibt über eine liebevolle Begegnung mit einem Obdachlosen für den er gebetet und den er zum Essen eingeladen hat und über den Unterricht sagt er: Es weckt so einen Hunger in mir dass es nur noch um Jesus geht. Alles andere kommt von alleine, wenn Jesus unser Fokus ist. Ich staune. Atme einmal tief durch. Ist das der kleine Junge den ich vor fast zwanzig Jahren durchgekitzelt habe, der vor dem Einschlafen Abenteuergeschichten von mir hören wollte und der mir nie was von seinen Pommes abgegeben hat? 

Ich sitze vor dem Fernseher und schaue mir mit Heio einen Naturfilm an. Eigentlich fand ich Naturfilme immer total langweilig. Dachte das ist nur was für alte Menschen, denen der Tatort zu aufregend geworden ist. Mir wird der Tatort zu aufregend. Wir beobachten staunend wie Rentiere jedes Jahr tausende von Kilometer zurücklegen und wie Lachse vom Meer zurück zu dem Fluss schwimmen, aus dem sie kommen; alle sind sie wie von einem inneren Kompass geleitet. Ich frage mich warum wir in den Gemeinden nicht öfters Ausschnitte von Naturfilmen zeigen um das Staunen über den Schöpfer zu wecken.

Versuche immer noch ein Kleiderset zu finde. Ein unglaublicher Moment im Klamottenladen einer Freundin: Probiere einen Rock in Größe 42 an (was mir zur Zeit nur so einigermaßen, mit großem Luft anhalten und unter viel Gebet gelingt) und dieser Rock ist -  ZU WEIT!!! Ich rufe die unvorstellbaren Worte durch den Laden: "Kannst du mir den Rock in Größe 40 bringen?" Ein thinplace in der Umkleidekabine. Die Ernüchterung: EIn bisschen geübtes Zupfen am Rock macht klar: Diese Größe brauche ich. Mindestens.  In den Umkleidekabinen dieser Welt an einem guten Schöpfer festzuhalten, ist eine große Herausforderung. Ich arbeite daran. (und denke spontan wir sollten heimlich in Umkleidekabinen Aufkleber anbringen: Du bist schön! Ein wunderbares Einzelstück! Ich liebe dich! Dein Schöpfer. Macht jemand mit?:-)).

Ein Kaffeetrinken mit einer Mama von Samus neuem Schulkameraden. Sie kommt aus Georgien. Erzählt mir von ihrem Land. Ich staune. Und verliebe mich ein wenig. In ein Land, das mir bisher so fremd war, und in diese tolle Frau. 

Unser Nachbarhase wurde in der Nacht vom Fuchs geholt. Wir sind betroffen und traurig. Und nicht nur bei den Nachbarn fließen Tränen. Die Natur ist nicht nur zum Staunen, sie kann auch grausam sein. Unberechenbar. Unsere Welt ist gefallen. Das spürt man in solchen Momenten. Ich hoffe im Himmel gibt es saftige Wiesen auf denen uns unsere liebste Haustiere entgegenhoppeln.

Heute abend wollten Heio und ich über die Konflikte reden, die oft zwischen uns auftauchen, was die Erziehung von Samuel angeht. (er ist konsequent, ich bin, na ja, sagen wir mal: etwas weniger konsequent). Ich bleibe an einem blöden Film hängen. Heio liest im Bett. Bis ich komme schläft er schon. Konfliktlösung verschoben.

Bei heftigen Schimpfwörten bekommt Samu seit kurzem einen Strich (bei fünf Strichen gibt es eine Konsequenz). Ich biete mich an mitzumachen. : Blöderweise scheint der Sohn die Worte besser im Griff zu haben als ich. Lerneffekt: Verlange nichts von deinen Kindern, was du selbst nicht hinbekommst. Also lernen wir gemeinsam.

Ich putze die Küche und höre eine Predigt von Johannes Hartl. Er sagt darin:  Einer der größten Kraftkiller der Kirche ist der Dualismus. Heisst: wir unterteilen unser Leben in heilige und unheilige Momente (und Nachfolger Jesu in wichtige und eher nicht so wichtige). Aber das stimmt einfach nicht. Heilig sind wir, weil wir ihm gehören. Und NICHTS was wir tun ist unbedeutend! "Amen!" sage ich laut, während das dreckige Putzwasser in den Abfluß läuft und ich meine rauhe Hände am Geschirrtuch abputze. 

Ich glaube es gibt keine "unheiligen Orte" - nicht mal die Umkleidekabine beim H&M!  Und manchmal sind es gerade die unscheinbaren, alltäglichen Momente - das Scheitern an uns selbst, unser Dranbleiben, Entschuldigen, Liebhaben, Staunen und Gebete ins Dunkel sprechen - die uns eine Ahnung von seiner heiligen Nähe geben. 

Jeder Moment kann zu einem heiligen Moment werden, einfach deshalb weil der König anwesend ist! 







Montag, 13. November 2017

Thin places und das ganz große Kino

Wir sitzen bei Kaffee und Kuchen und die Freundin erzählt mir begeistert von ihrem Urlaub in Israel. Ich schaue die Fotos an und würde am liebsten sofort den Koffer packen und hinfahren. Vor Jahren war ich schon mal dort. Es war...ach, so schwer in Worte zu fassen. Man betritt ein fremdes Land und es weckt an jeder Ecke eine Sehnsucht, die meine Seele weit macht. Dieses Land erinnert mich daran, dass ich Teil eine ganz großen Geschichte sein darf. Aus den Worten der Freundin höre ich es ganz ähnlich. 
Wir kommen in unserem Gespräch auch auf thin places. So bezeichneten die Kelten (und dann auch die keltische Christen) die  Orte an denen die Grenze zwischen der sichtbaren und unsichtbare Welt durchlässiger sind; Orte an denen die Wirklichkeit des Himmels näher scheint.  Wir sind uns einige: Das ganze Land Israel hat etwas von einem thin place. Ja, es ist auch ein umkämpftes Land. Leidenden Menschen. Terror. Und ich bin weit entfernt von einem naiven Blick auf dieses Volk. Aber es ist der Boden auf den Gott ganz viele seiner Verheissungen gelegt hat. Hier wurzelt eine Geschichte die mein Leben so unendlich reich macht.


 Abends liege ich im Bett und blättere in einem meiner Lieblingsbücher, Bittersweet von Shauna Niequist, darin ein Kapitel über thin places. Shauna schreibt, dass es nicht nur bestimmte Orte sondern auch bestimmte Zeiten sein können. Zeiten in denen wir empfänglicher dafür sind, dass es mehr geben muss als die Sichtbare Welt, Zeiten in denen unsere Herzen weicher sind und bereit weiter zu werden. Als Beispiel nennt sie die Vorweihnachtszeit. Vielleicht sind deshalb so viele Spendenaufrufe und soziale Aktionen in diese Zeit gelegt? 
Ich fühle mich davon immer ein bisschen überfordert. Es gibt ja so vieles Gutes was man tun könnte! Da hilft es mir, wenn andere die Dinge in die Hand nehmen: Wir packen in unserer Gemeinde Päckchen für Weihnachten im Schuhkarton. Eine schöne Aktion. Ok, es ist ein bisschen konsumorientiert und vielleicht mache ich auch deshalb mit, damit ich die Weihnachtseinkäufe mit einem besseren Gewissen machen kann: wenn der Sohn das 50. Auto bekommt soll ein Kind in Osteupopa wenigstens auch mal eins haben. Aber ich war ganz stolz, dass Samu dieses Jahr nicht, wie sonst immer, gejammert hat, sondern im Laden freudig Autos, die er selbst gerne hätte, für das Päckchen ausgesucht hat. Gut, bei dem süßen Teddybär gab es ein paar Tränen - aber im großen und ganzen ist die Aktion ein Erfolg im Hause Schöffler. Das Kind lernt abzugeben. Herz weiten lassen.

Danke Lissy und Sarah, dass ihr das organisiert habt!!!
Im Briefkasten finde ich, neben Spendenaufrufen, einen Brief, sorgfältig von Kinderhand geschrieben. Unser Patenkind Amon aus Uganda erzählt uns davon, dass er dieses Jahr mit seiner Familie viel Mais und Bohnen geerntet hat, dass er in der Schule auf Platz 30 von 50 Schülern ist (völlig ausreichend, wie ich finde), dass er gerne Fußball spielt und so dankbar ist, dass wir seine Paten sind. Er versichert uns, dass er und seine Familie täglich für uns beten. Was für ein Segen!


Die Vorweihnachtszeit rückt schon mit großen Schritten näher und der Blick in den Kalender versetzt mich in leichte Panik: Viele Termine, Lesungen, Weihnachtsfeiern und - wie jedes Jahr - noch kein einziges Geschenk gekauft. Aber ich will wirklich versuchen mich nicht so hetzen zu lassen! Ich will mir das Geschenk dieser besonderen Zeit nicht entgehen lassen: Mein Herz weiten lassen und mich daran erinnern, dass wir geschaffen sind um Teil einer größeren Geschichte zu werden.

Meine Geschichte reicht bis nach Israel. Von Bethlehem über Nazareth bis zu einem Berg in Jerusalem. Und sie reicht dieses Jahr auch bis in ein Kinderheim (oder ein Wohnzimmer) nach Osteuropa. Zu einem kleinen Junge der ungeduldig seinen Schukarton öffnet und dessen Augen beim Anblick der kleinen Autos aufleuchten.  Und ein Teil meiner Geschichte findet auch in Uganda statt. Bei Amon und seiner Familie. Obwohl ich noch nie dort war. Einfach weil wir das Glück haben im Monat 30 Euro übrig zu haben und Gebete und Briefe hin und her gehen.

Nichts gegen Weihnachtseinkäufe, geliebte Menschen beschenken, Adventsbasteleien und besinnliche Stunden unterm Weihnachtsbaum. Aber wir sind zu mehr geschaffen! Unsere Leben sind dazu gerufen Teil vom ganz großen Kino werden: Ein großer Regisseur. Ein gewaltiger Epos. Internationale Besetzung. Eine unfassbare Geschichte von Schuld, Heldentod, Erlösung, Vergebung, Tränen, Lachen, Umarmungen, Wunder, Demut, fremde Welten, Hoffnung und Sehnsucht - und mit einem fulminanten Finale bei dem alle staunend auf die Knie fallen. Die Hauptrolle habe nicht ich, sondern Jesus. Aber ich will kein Statist sein, der in seiner kleinen Welt stecken bleibt, sondern mir imme wieder meinen Platz in der großen Geschichte zeigen lassen. Kleine Szenen, die mich nicht überfordern.  Ok, manches ist auch echt herausfordernd (und die Vorweihnachtszeit hat durchaus einige dieser Szenen für mich!) - ich glaube das macht der Regisseur, damit ich mein Talent entwickeln kann:-). Aber alles passiert einfach Schritt für Schritt, unter seinen liebevollen Regieanweisungen. 

Am Wochenende habe ich auf youTube diesen Film gesehen, der mich sooo berührt hat! Würdet ihr euch die sechs Minuten Zeit nehmen um ihn anzuschauen? Das Herz ein bisschen weiten lassen mit verheissungsvoller Ahnung, dass unsere Geschichten groß und weit werden dürfen. An Gottes Hand.



Und wer noch mehr dazu wissen will:  Hier könnte der Anfang einer wunderbaren Geschichte sein :-).

Dienstag, 7. November 2017

Warum ich ein bisschen wengier "Tante Erna" sein will

Heute morgen ist mein Mutterherz ein wenig schwer. Samu hatte einen tränenreichen Start in die Schulwoche. Ich habe es schon befürchtet. Immer wieder hat er in den Herbstferien sorgenvoll gefragt: "Mama, wann muss ich wieder in die Schule gehen?" und freudig gestrahlt wenn er erfahren hat, dass  ihn noch ein paar Nächte von diesem  Tag des Schreckens trennen. Nun aber war es soweit: Ferien vorbei, Ranzen packen - es geht in die Schule! Wie ein Mückenschwarm umkreisen viele kleine Ängste und Sorgen die Kinderseele: Was wenn die Lehrerin mit mir schimpft? Wenn ich zu spät komme? Wenn ich weinen muss, weil ich die Hausaufgaben nicht verstehe? Wenn der Relilehrer wieder nicht weiß, dass ich nach der Schule nach Hause darf und mich in den Hort schicken will? (mit Entsetzen hat er neulich in einer Liedzeile vernommen, dass Gott unser Hort ist - das klingt in seinen Ohren wie eine Drohung! ;-)) Um es kurz zu machen: Es war ein tränenreicher Abschied am Schultor. Und wie der kleine Kerl so ganz alleine und leise schluchzend auf die große Schule zugesteuert ist, wäre ich ihm am liebsten nachgerannt mit den Worten: "Ach komm, du darfst wieder mit mir nach Hause gehen. Wir finden eine andere Lösung, wenn dir das hier solche Angst macht."
Ich muss da immer an meine Großtante Erna denken, die nach dem ersten Tag im Kindergarten ihren Sohn gefragt hat ob es ihm denn gefallen hat. Auf seine verneinende Antwort hin meinte sie einfach kurz: "Dann musst du auch nicht mehr hingehen." Damit war die Sache mit dem Kindergarten für ihn gegessen. Das nenne ich mal eine schnelle Problemlösung. Haha. Aber leider funktioniert ja das im Leben meistens nicht so. In unserer wunderbaren und gefallenen Welt beginnen ganz viele Tage mit angstvollen Gedanken und großen und kleinen Schwierigkeiten, an denen kein Weg vorbeigeht. 
Ich gestehe: Ich würde die Sache ganz gerne im Tante-Erna-Style lösen. Zumindest scannt mein Gehirn sofort die Suche nach Problemlösungen ein. Wie könnte ich das Ganze für ihn leichter machen?  Nichts gegen Problemlösungen und erleichternde Maßnahmen (und eine richtige Schulangst ist definitiv ernstzunehmen!) aber ich ahne, dass an erster Stelle jetzt die große Herausforderung steht, das Leben, wie es nunmal ist, zu bejahen. Manchmal gelingt das auf Anhieb, manchmal muss man ein Stück Weg dazu gehen. Und vielleicht braucht der kleine Sohn dieses morgendliche Kämpfe, die Auflehnung, um zu seinem JA zu kommen. Und für diese Wegstrecke braucht er eine Mutter, die ihm diese Kämpfe zutraut und sie mit ihm aushält und die nicht innerlich schon nach Lösungen sucht, wie alles einfacher werden könnte.  
Ach, wie gerne bin ich diejenige die bei Lösungen hilft, die Situationen auflösen, oder zumindest leichter machen kann. Für Freunde und Weggefährten, die durch schwere Zeiten gehen. Für Probleme aller Art: Ich bin für die schnelle Lösung! Ich bete gerne um ein kraftvolles Eingreifen Gottes, das die Schwierigkeiten mal eben so beseitigt.  Und dann denke ich an den Satz von Paul Tornier: 
 Der mühevolle, oft mit Mißerfolgen gepflasterte Weg, wird uns zum Menschen erziehen.
Das ist ein ganz schöner Brocken, den dieser Schweizer Psychotherapeut da zu schlucken gibt. Aber vielleicht steckt hier mehr Wahrheit und Nahrung für unser Leben drin, als in den vielen gutgemeinten Sätzen, die darauf abzielen unser Leben leichter zu machen. Passend dazu höre ich gestern eine Predigt von Johannes Hartl, in der er die Sorgen von manchen  Älteren (und wahrscheinlich vielen Eltern) beschreibt: Ach, wir dürfen unsere jungen Leute doch nicht so überfordern!, und er antwortet darauf: "Wir überfordern sie nicht, wir rufen sie zur Größe!" Wow. Vielleicht geht es tatsächlich darum: Gott ruft uns zur Größe! Er erzieht uns zu Menschen die mitfühlend, mutmachend, ausdauernd hoffnungsvoll, und mit weitem Blick nach vorne durchs Leben gehen. Das wünsche ich mir für Samu. Für mich. Für uns alle. Und da gibt das Leben mit all seinen Herausforderungen manchmal genau die richtigen Zutaten dazu.
Deshalb: auch wenn es mir wirklich, wirklich schwerfällt, ich will mir vornehmen, ein bisschen weniger "Tante Erna" zu sein. Nicht nach schnellen Lösungen und Abkürzungen suchen; keine einfachen Erklärungen und Beschwichtigungen warum der schwierige Weg bestimmt nicht der Weg Gottes ist. Ich will dieses Leben meinem Sohn, und den Freunden die gerade am kämpfen sind, zutrauen. Vielleicht ist dieses Erleben, dass wir schwierige Zeite durchstehen können und mit Gottes Hilfe zu Überwinder werden, so viel wichtiger als ich das ahne. 
Ich will lernen auch auf die Tage anzustoßen, die unter Tränen beginnen. L`chaim! Auf das Leben, das unseres ist. Hier und heute. Darauf, dass Gott mit uns ist, und uns am Ende des Tages zu Überwindern macht.




Heimatdorf von Tante Erna und von mir





Weitsprungkontest für Überwinder:-)

Hasensprung...

nur Waldmaussprung- aber mit hohen Absätzen!

Lesung mit Hustenanfall -  schön wars bei  euch!!!
auf allen deinen Wegen, geht dein guter Vater mit.

Freitag, 27. Oktober 2017

Lovely books, Verlosung und Einladung!

Ihr Lieben! Bevor die Herbstferien bei uns losgehen (und ich deshalb nächste Woche hier eine Pause einlegen werde) gibt es noch eine besondere Sache, die vielleicht den einen oder anderen erfreuen könnte:
Bei lovelybooks könnt ihr an einer Leserunde zu meinem neuen Buch Warum ich da noch hingehe teilnehmen. Außerdem gibt es fünf dieser Bücher zu gewinnen. Alles was ihr tun müsst ist euch HIER auf der Seite einzutragen, mit einem kleinen Hinweis warum euch das Buch interessiert und ihr an der Leserunde teilnehmen wollt.
Ich finde so ein virtueller Bookclub eine spannende Sache - ein neues Buch, gemeinsam mit anderen zu lesen und sich gegenseitig mit den eigenen Gedanken zu bereichern. Also für alle die Lust darauf haben dabeizusein: Ein spannendes, gesegnetes Lesen und viel Glück bei der Verlosung!!!

Und wer das Buch gerne von mir vorgelesen bekommen will - zumindest einen kleinen Teil davon - ist herzlich eingeladen nächsten Freitag, 3.November, 20 Uhr im Eselburger Mühlrad (Nähe Heidenheim) vorbeizuschauen. Es ist einer meiner Lieblingsorte. Warum das so ist könnt ihr hier lesen und sehen. Freu mich den einen oder anderen von euch vielleicht dort zu treffen! (Es lohnt sich, bei gutem Wetter, auch für einen schönen Tagesausflug!).


Ich hoffe Ihr könnt die Herbsttage genießen und schicke liebste Grüße zu Euch!!!

Dienstag, 24. Oktober 2017

Wenn es dir etwas bedeutet...

Heute habe ich nur wenig Zeit zum Schreiben und ich fürchte daran wird sich im Laufe der Woche nicht viel ändern. Samu ist krank. Den armen Kerl hat es richtig erwischt. Er hustet sich durch die Nächte und schleppt sich durch die Tage. Das heisst:  Vorlesen ist angesagt, Tee einflößen, zusammen Schulaufgaben machen, Stau und ganz viel Autoquartett spielen - seine neuste Leidenschaft. Und so ein Spiel kann dauern, sage ich euch! Bin noch dabei herauszufinden, wie ich am schnellsten verlieren kann...
Wie gut, dass Heio mich ab und zu ablöst! :-)
Immer mal wieder werfe ich sehnsüchtige Blicke auf das liebste, wilde Herbstwetter draußen  und zeitweise bin ich auch echt "schlecht genervt" (wie Samu das immer ausdrückt). Ich denke dann darüber nach, dass es doch eigentlich eine ziemliche Verschwendung ist tagelang neben dem Kind Zuhause zu sitzen und den intellekutellen Höhepunkt des Tages bei Olis wilder Welt zu erleben (sehr zu empfehlende Kindersendung auf Youtube!).
Aber wenn ich mal alle Verpflichtungen und Pläne und das Wetter draußen ausklammere, dann freue ich mich ganz ehrlich darüber, dass wir diese Zeit zusammen haben. Was für ein Luxus! Wir kuscheln uns aneinander und ich erzähle ihm Geschichten von früher. Samu liebt es, wenn er hört wovor ich als Kind Angst hatte und was mich begeistert hat. Und dann erzählt er auch ein bisschen mehr von sich.  Von aufregenden Schultagen, von klemmenden Schulklo-Türen, von großen Jungs die im vorbeigehen auf dem Pausenhof Drohungen ausstoßen und von der netten Sportlehrerin die ihn getröstet hat. Und wenn ich ihm Nachts über sein heißes Köpfchen streichle, dann überwäligt mich - neben der Müdigkeit-  der Gedanke, wie sehr wir Menschen doch geliebt sind! Ich muß daran denken was ich neulich in einer Predigt von Bill Johnson  gehört habe:
Ich bin immer noch überrascht darüber, wie interessiert Gott an dem ist, was mich interessiert und was ich denke und was wertvoll für mich ist...alle diese ganz vergänglichen Dinge. Er rührt sie an und wirkt darin, einfach weil er mich mag. 
Und dann sagt er diesen wunderbaren Satz:

Quelle: BIll Johnson Quotes

Wenn es DIR etwas bedeutet, dann ist es IHM von Bedeutung.
DAS ist für mich immer wieder eine echte Herausforderung für meinen Glauben; ihm das abzunehmen - dass ER wirklich, wirklich gerne mit mir zusammen ist! (und nicht nur weil es eben seine Natur ist und er nunmal die Liebe in Person ist)  Er sieht es nicht als verschwendete Zeit an meinen kleinen Geschichten zu lauschen und ist in Gedanken nicht schon beim Nahostkonflikt oder mit den Menschen beschäftigt, denen es gerade so richtig dreckig geht. Nein. Die absolut erstaunliche und ehrfurchtgebietende Tatsache, an die ich mich immer wieder erinnern will, ist folgende: Gott, Schöpfer des Universums, interessiert sich für mich und er verbringt gerne Zeit mit mir!!! Wow.
Mein Leben mag sich gerade um Kleinigkeiten drehen - um Hustensaft, Boden wischen, Hasenstall ausmisten, was ich heute Mittag kochen soll und wie das ganze alte Laub in unsere Biotonne passen soll - aber es ist MEIN Leben, das Einzige was ich habe, und folglich auch das Einzige in dem ich Gott finden kann. Und mein himmlischer Papa beugt sich so weit runter - bis zur Biotonne und neben den dreckigen Küchenboden - um mich zu umarmen und mir zu sagen, dass er mich lieb hat. Genau hier. An diesem Ort; der sich gerade so uneffektiv und manchmal so verschwendet anfühlt. 
Und ich glaube diese LIebe macht uns nicht zu egoistisch, verwöhnten Kindern, die sich nur um sich selbst drehen - sondern wenn wir uns dieser verschwenderischen Liebe aussetzen, dann macht sie unser Herz jeden Tag ein kleines bisschen weiter. Liebe entzündet Liebe! Sie kann mich dazu bringen, dass ich mich auf eben diesem Küchenboden niederknie und meinem König und Freund in die feurig, liebenden Augen blicke und ihn frage, was IHN denn beschäftigt. Was ihm wichtig ist. Ob ich etwas für ihn tun kann...
Ich will so gern ein bisschen mehr von seinem Herz begreifen, was er liebt und was für ihn wertvoll ist, und seinen Geschichten lauschen. Ich will so gerne, dass mein Leben ihm zeigt: Jesus, wenn es dir etwas bedeutet, dann bedeutet es mir das auch etwas. Wenn dir das gefällt, dann tue ich es. Das sieht manchmal dann so aus, dass ich noch eine Runde Autoquartett mit meinem kleinen Sohn spiele. Weil er es so liebt. (und ich versuche nicht "schlecht genervt" zu sein!) Und dabei lerne ich tatsächlich mehr als die Bedeutung von Hubraum, Umdrehungen und Zylinderstärke...

Wenn es mir etwa bedeutet, dann bedeutet es ihm auch etwas.
Und:
Wenn es ihm etwas bedeutet,  dann soll es für mich auch von Bedeutung werden.
                     

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Speicherplatz freiräumen!

Die letzten Tage hat es ab und zu noch funktioniert; jetzt hat mein Handy endgültigt seinen Geist aufgegeben (wenn man bei so einem seelenlosen Teil überhaupt davon sprechen kann, dass es den Geist aufgibt!). 
Schon länger blinkt mich die Whats-App-Nachricht an: Zu wenig Speicherplatz! Löschen sie Dateien um eine neue Version hochzuladen. Ich versuche es. Lösche schweren Herzens Dateien, ein paar alte Filme und Bilder. Es nützt nichts. Die vorwurfsvolle Nachricht bleibt.  Am Ende lösche ich genervt mein Whats-App. Zuerst ist es ein gutes Gefühl. Ballast abgeworfen! Ich lösche keine weiteren Dateien für eine neue Version von dir – ich lösche DICH, Baby! Dann fällt mir siedend heiß ein, dass ich damit auch den Kontakt zur Elterngruppe von Samus erste Klasse gelöscht habe. Und zur Willis Lebensmittelretter-Gruppe über die wir leckere Backwaren und abgelaufene Lebensmittel bekamen. Und zu meinem Neffen in Amerika und meiner Nichte in Südafrika, die mir ab und zu Bilder ihrer Reise schicken. Und zu unseren Freunden in Japan die mir regelmässig Gebetsanliegen schicken. Oh weh. Vielleicht sollte ich doch wieder... 
Aber jetzt ist das Handy sowieso erst mal kaputt. Und ich übe mich im gelassenen Bin-zur-zeit-nicht-erreichbar-Modus. Bis vor kurzem konnte ich noch total gut ohne Whats-App. Nun scheint es mir fast unverzichtbar. Wie schnell sowas geht, oder? Und klar: es hat ja unbestreitbar Vorteile – besonders für telefon-phobische Mensche wie mich. Es hat aber auch ein Problem: Es beansprucht definitiv einiges an Speicherplatz!
Und genau das scheint mein derzeitiges Problem zu sein - nicht nur auf dem Handy sondern in meinem gesamten Leben: Der Speicherplatz ist überladen! Zu viele gute und nützliche Dinge nehmen mich in Beschlag und ich spüre, dass mein System kurz vor dem Totalabsturz steht. Die Migräneattacke, die mich seit gestern quält, könnte auch ein Hinweis darauf sein; ein Hilferuf von meinem Körper der mich bittet ein bisschen Ballast abzuwerfen. Und das obwohl doch gerade eigentlich gar nicht so viel los ist. Objektiv betrachtet. Aber es gibt nun mal menschliche Systeme die vielleicht nicht ganz so viel Speicherplatz haben und trotzdem alles mögliche und unmögliche spontan auf ihre Festplatte ziehen. Ich scheine dazuzugehören. Und deshalb ist es für mich so wichtig immer wieder mal alles runterzufahren und zu schauen, was zu viel Platz einnimmt. Wo ich mich wieder auf ungesunde Weise verausgabe. Wo ich zu viel auf einmal will und meine Begrenzungen völlig übergehe.
 
Also tue ich das, was ich meistens tue wenn ich innerlich gestresst bin: Ich esse viel Schokolade und ich gehe mit Jesus spazieren und bitte ihn, dass er mir beim Sortieren hilft. Nachdem ich mir gestern erst mal eine halbe Tafel Ritter-Sport reingestopft habe (soviel Sport muss sein!) habe ich einen kleinen Spaziergang gemacht. Irgendwie bin ich dabei auf dem örtlichen Friedhof gelandet. Eigentlich ein ganz guter Platz um darüber nachzudenken, wie kostbar das Leben ist, wie begrenzt Zeit und Speicherplatz und wie wenig sinnvoll es ist, sich total zu stressen und so wichtig zu nehmen, wie ich das leider oft tue.
Also setzte ich mich auf die Bank, mit Blick auf Herbstbäume und Grabsteine, und frage  Jesus so Sachen wie: Was ist gerade zu viel? Was erschöpft meine Kapazität? Welche inneren Programme ziehen viel zu viel Akku? Wie kann ich da heiler werde? Welche Ansprüche und welche Sorgen muss ich loslassen? Was ist vielleicht gerade möglich, aber entspricht nicht meiner Lebenswirklichkeit? Welche guten Pläne sollte ich besser verschieben?
Die Antworten sind nicht leicht zu finden. Und manches fällt mir schwer aus den Händen zu geben. Aber während um mich herum die Blätter leise zu Boden fallen übe ich mich ein bisschen im Loslassen. Wenn nicht in dieser Jahreszeit, ja wann denn dann?
Und letztlich geht es doch darum Platz zu schaffen! Ein NEIN zu dem was mich überfordert ist doch letztlich ein JA zu dem Leben, das mir gerade geschenkt wird!

Also sage ich mit frohem und dankbarem Herzen: JA.

JA

zum Liebhaben und Sonne tanken
 
zum Schulgeschichten hören und Hausaufgaben kontrollieren
  
zu Parkausflügen mit Waffel essen und ausgiebigem Laub aufwirbeln

zum Geschichten vorlesen und gebaute Legoteile bestaunen
 
zum Einladungen annehmen und kleine Glaubensabenteuer wagen
 
zum Sabbatkerze anzünden und an unserem 1000-Teile-Puzzle weitermachen

zum Kürbissuppe mit Freunden schlürfen und stille Abenden vor unserem Küchenofen genießen

zum Abendbrotessen unterm Apfelbaum, kurz bevor es Dunkel wird
 
zu abendlichen Spaziergängen, wenn der Herbstwind auffordernd an der Haustür rüttelt

zum Staunen und Blätter einsammeln

Dafür soll Platz sein! (und jetzt versuche ich die geschenkten, handyfreien Tage zu genießen :-)).



 












Mittwoch, 11. Oktober 2017

Schreiben oder schweigen?

Seit Tagen liegt ein wunderbarer Blogpost bereit um losgeschickt zu werden. Ein Thema das mich gerade total bewegt, über das ich nachdenke und bete und das mir sogar den Schlaf raubt. Aber da ist diese Hemmschwelle in mir. Ein inneres Stoppschild. Oder besser ein sanfter Griff der mir sagt: Noch nicht! Lass es noch in dir wachsen. Das ist noch nicht reif genug um zu wissen ob und wie es geteilt werden soll. Nun könnt ihr sagen: Warum schreibst du dann darüber? Sag es oder sei einfach still. Aber es ist das was mich gerade beschäftigt - diese Frage die beim Schreiben immer wieder hochkommt: Ist es okay das zu teilen oder sollte ich es besser für mich behalten? 
Jeder der öffentlich schreibt kennt das. Da gibt es klare Linien die man sich setzt: Man schützt Personen, die einem nahe stehen, man möchte nicht über andere ablästern, manches ist noch völlig unfertig oder so ein Wust aus Gefühlen, dass man unmöglich darüber schreiben kann. Als ich mit dem öffentlichen Schreiben angefangen habe, habe ich mir vorgenommen immer ehrlich über das zu berichten was mich gerade bewegt und beschäftigt. Alles andere scheint mir wenig Sinn zu machen. Mir geht es ein bisschen wie der Autorin Glenon Doyle die auf die Frage ihres Vaters, ob sie nicht denkt, dass man manche Dinge einfach mit ins Grab nehmen sollte, fröhlich antwortete: "Nein. Eigentlich nicht." Es gibt tatsächlich ganz wenig Dinge die mein Leben betreffen, von denen ich nicht bereit wäre ehrlich darüber zu schreiben. Für mich ist die Herausforderung größer etwas für mich zu behalten als etwas zu teilen. Ganz besonders dann, wenn es etwas Gutes ist. Ein toller Gedanke. Ein schönes Erlebnis. Oder ein gelungenes Foto. Und ich glaube im Zeitalter der sozialen Medien bin ich damit nicht alleine. Jen Hatmaker schreibt in ihrem Buch SEVEN unter anderem über das Experiment einen Monat lang auf alle sozialen Medien zu verzichten.  Schon am ersten Tag simst (!) sie einer Freundin: 
Wie wird die soziale Netzwelt überleben wenn ich ihr nicht mitteile, dass ich mit Sydney Calzone gebacken habe und wir ein Fruchtfliegenproblem haben? Wozu sollte ich leben, wenn ich nicht davon berichten kann, dass wir das erste Eis des Jahres gegessen haben? Das ist bestes Facebook-material und ohne dass ich es posten kann, scheint das private Leben einfach keinen Sinn zu machen!
Haha. Klasse geschrieben. Und wie gut, dass ICH nicht so bin! (Ich bin ja nicht mal bei Facebook) Wirklich? Da braucht es doch nur so eine Situation wie diese Woche wo ich merke wie schwer es mir fällt wenn gute Dinge und wertvolle Gedanken ungeteilt und ungesehen bleiben. Und im Alltag gibt es viele Situationen in denen ich nur darauf warte meine ungefilterten Gedanken mit der Welt zu teilen und ich anschließend immer wieder denke: Das hättest du jetzt aber nicht sagen müssen! Da hättest du besser einfach nur zugehört. Und NACHGEDACHT. Besonders Heio bekommt immer wieder meine völlig unreflektieren Gedanken ab (und es kann passieren, dass ich ihn nachts aufwecke damit er meinem "Fruchtfliegenproblem" zuhört).
Gestern Abend bin ich noch eine Runde um die Häuser gelaufen.  Ich habe versucht auf Jesus zu hören, vielleicht noch ein bisschen rumzufeilschen, dass ich den Beitrag doch noch abschicken kann. Da fiel mir Maria ein. Die Mama von Jesus; wie sie unglaubliches erlebt; Hirten die von Engelsgesängen berichten und vor ihrem kleinen Baby niederknien. Diese Situation wäre aber sowas von ein Blogeintrag oder Facebookpost wert gewesen! Und was macht Maria? Es heisst: Maria merkte sich alle diese Ereignisse und bewahrte sie in ihrem Herzen. (Lukas2,19) Das scheint mir so eine kluge, wunderbare Sache zu sein. Vielleicht waren die gestammelten Worte der Hirten vor allem eine Botschaft an Maria. Etwas zwischen ihr und Gott. Ein Augenzwinkern. Ein wissendes Lächeln zwischen zwei Liebenden. Oder die Gedanken waren einfach zu wunderbar und noch so klein und unfertig, wie das Baby in ihrem Armen, dass sie erst noch ein wenig in ihr wachsen und reifen mussten, bis Worte darüber irgendeinen Sinn ergeben würden. Und genau das will ich von Maria lernen. Das Schweigen. Dass es Dinge gibt, die ich in mir bewahren, sortieren, vor Gott bewegen will. Dass manches nur zwischen ihm und mir geschieht und dadurch einen tiefen Wert hat, eben weil es so "verschwendet" scheint. 
 Und ich will weiter mutig das mit euch teilen, was mich bewegt.

Ich will lernen über das eine zu schreiben und über anderes zu schweigen. 
Ich will Worte finden und ich will Worte sein lassen. 
Ich will ich an nichts festhalten, sondern bereit sein es mutig zu teilen 
und ich will still SEIN, reflektieren, bewahren und zur Reife bringen
Schreiben und schweigen. 
Warten und losgehen.
Sich still wundern und betrachten und Momente trinken 
und dann immer mal wieder stammelnd Worte zu finden, für Dinge die unfassbar sind. 
Beides will ich lernen, denn: 
Alles hat seine Zeit. 




Marco Michalzik erzählt hier von der Suche nach Worten und über das was man so schwer in Worte fassen kann! WAS FÜR EINE GABE hat dieser Kerl. WOW. Einfach wunderbar!!!