Dienstag, 31. Januar 2017

Mutig und hoffnungsvoll

Die anhaltende Kälte letzte Woche hat es möglich gemacht: Wir konnten endlich mal wieder unsere angerosteten Schlittschuhe aus dem Keller holen und über einen zugefrorenen See gleiten. Ok, es war nur der kleine See in unserem Höhenpark und eigentlich war es auch verboten, aber es ist wirklich fast unmöglich sich an die ganzen Verbote des Ordnungsamts Stuttgart zu halten. Manchmal muß man die Freude ergreifen und alle kopfschüttelnden Spaziergänger übersehen. (und hoffen, dass keiner von ihnen die Polizei alarmiert)


elegant gleiten wir über das Eis

Wie wir an der Mitte vom See zusammentrafen hat das Eis gewaltig geknackt aber  es hat gehalten! (Und wir wären ja nicht wirklich tief eingebrochen in dem knietiefen Teich)

Jetzt ist es wieder wärmer draußen. Das ist auch gut für unseren Besuch aus Amerika, den ich morgen vom Flughafen abholen werde und der sicher, wie immer, mit kurzen Hosen und Hawai-Hemd bei uns landet. Er ist ein lieber Freund. Und einer der großzügigsten und warmherzigsten Menschen den ich kenne. Und Trump-Wähler. Ich weiß. Ich muss auch schlucken. Und anerkennen, dass sich das meiste auf der Welt eben nicht schön einsortieren lässt in gut und böse und schwarz und weiß. Ich freue mich auf ihn, werde versuchen politischen Streit zu umgehen, stattdessen zuhören, lieb haben, Gemeinsamkeiten suchen und mich freuen, dass es ihm nach langer, schlimmer Krankheit besser geht.  (Also ein ziemliches Anti-Trump-Programm :-)) 

Zugehört habe ich auch einer Freundin am Samstag bei einem wunderschönen gemeinsamen Frühstück. Sie ist so etwas wie mein persönlicher C.S. Lewis. Sie ist klug und weise und kennt alle Narinabücher fast auswendig. Sie erzählt mir von der ersten Klasse in der sie unterrichtet, von Kindern die wunderbar und schwierig sind und manche tragen Dinge mit sich, die nicht mal eben schnell zu lösen sind. (egal mit welchen pädagogischen Ansatz) Sie betet jeden Morgen auf dem Weg zur Schule: Dein Reich komme! und meint dazu: "Eigentlich weiß ich gar nicht was ich damit bete. Weil Gottes Reich eben so anders ist. Aber ich bin gespannt was Gott machen wird." Das bin ich auch. Und das Gebet will ich auch öfters einmal sprechen wenn mich die DInge überfordern.

Apropos überfordern: Nächste Woche werde ich auf ein Autorentreffen fahren, zu dem ich eingeladen wurde.  Das fühlt sich auch ein bisschen wie "aufs Eis gehen" an. Aber manche Chancen im Leben muß man ergreifen, auch wenn mein inneres Ordnungsamt mir kopfschüttelnd sagt, dass ich da nichts verloren habe. Du bist doch keine Autorin! Warte nur ab, wenn das auffliegt wird das Eis sowas von einkrachen...  Aber ich gehe davon aus, dass das Wasser hier auch nur knietief ist und ich schlimmstenfalls mit nassen Socken nach Hause komme.



Und wenn wir schon beim Wasser sind: Gestern gab es einen Rohrbruch in der Kita, also bleibt Samu heute zuhause. Pläne mal wieder durchkreuzt. Draen hat es sich eingeregnet, ich werfe mir eine Migräntablette ein und hoffe dass irgendwie noch ein kleines Zeitfenster zum Schreiben bleibt.



Gerade ist also einges los und und ich werde weiter versuchen Sandwich-Tage einzulegen und den Sabbat zu feiern.(und ich melde mich dann in zwei Wochen wieder!)
Vergangenes Wochenende hat das mit dem Sabbat übrigens ganz gut bei uns geklappt. Habe mit Samuel Punkt sieben Uhr die Kerze angezündet und er hat frei und fröhlich gesungen: "Sabbat, Sabbat, wir lieben dich Jesus, alles ist schön, Mama putzt nicht mehr..."  Er hat also den Sinn völlig verstanden :-)




Ich habe an eine Freundin, die auch mitmachen will, ein Shabbat Schalom geschickt. Zurück kam ein Bild von einer Küchenlandschaft in die eine Bombe eingeschlagen hat und die Nachricht: Wir sind noch nicht ganz soweit. (bei einem Neugeborenen und einem kranken Kindergartenkind ist das ja auch nicht so einfach!!!) 

Aber wir bleiben dran. 
Wir umarmen Freunde die den falschen Präsidenten gewählt haben und beten  dein Reich komme inmitten aller Schrecken dieser Welt. Wir setzen uns über die äußeren und inneren Ordnungshüter hinweg die unser Leben klein und furchtsam halten wollen. Wir lernen mitten im Alltagschaos und durchkreuzten Plänen, zwischen Rohrbruch und Schmerzen unsere Shabbat Schalom Momente zu finden. Wir leben mutig und hoffnungsvoll, auch wenn wir manchmal noch nicht ganz so weit sind.

Schaut euch diesen fröhlichen Shabbat-Schalom-Gruß an. ONE DAY. Vielleicht geht es euch ja wie mir und es bringt euch heute schon zum Lächeln  (danke Iris für den Link!)  


Donnerstag, 26. Januar 2017

Ein Sabbatgebet für "ordinary radicals"

Danke für eure Rückmeldungen und Ergänzungen zum Sabbat. Ein Tag in der Woche offlin sein - das ist wirklich eines Sabbats würdig. Danke Vera für diese tolle Erinnerung!

meine Sabbat-Tasse :-)

Wie cool ist es, dass wir voneinander lernen können und miteinander unterwegs sind. Jetzt habe ich noch ein Sabbat-Gebet gefunden, aus dem Buch Common prayer, a liturgy for ordinary radicals von Shane Claiborne. Ich habe versucht es zu übersetzen - so gut es eben ging. Die Worte wecken in mir die Sehnsucht, dass die Sabbat-Ruhe nicht nur ein Tag in der Woche bleibt, sondern meine ganzen Tage durchzieht. (eine Decke der Gnade an allen Tagen ...)




Willkommener Sabbat

Herr der Schöpfung
schaffe in uns einen neuen Lebensrhythmus
komponiert aus Stunden die uns aufrichten anstatt uns zu stressen
aus Tagen die uns befreien und nicht fesseln
aus Zeiten in denen wir Dinge liegen lassen
anstatt uns von den Dingen fertig machen zu lassen.

Erlösender Gott,
befreie uns durch den Rhythmus deiner Wahrheit
von allen Bindungen 
und von schwerem Gepäck das uns zu Boden drückt,
von Pharaonen und Menschen die uns knechten,
von überhöhten Zielen
vom eigenem Streben das uns das Leben beraubt.

Herr der Auferstehung,
erwecke uns hinein in den Rhythmus deines Lebens,
Tod den gehetzten Plänen
Tod allen flüchtigen Anfragen
Tod der leeren Zufriedenheit angetriebener Leistungen.

Über unseren vollgepackten Terminkalendern befehlen wir: „Friede!“
Über koffein-aufgeputschen Gedanken sprechen wir: „Ruhe!“
Unserem erstickten Selbst, Herr, gewähre Befreiung.
Im See von „Deadlines“ ertrinkend,
finden wir unsere Ruhe in dir, unserem Rettungsanker.

Durch deine immer-ruhende Gnade
erlaube uns in die wahre Sabbat-Ruhe einzukehren,
so wie deine Sabbat-Ruhe bereit ist bei uns einzukehren.

Das bitten wir
im Namen unseres Schöpfers,
unseres Befreiers,
des Auferstandenen und des Lebendigen.
Amen.

(frei übersetzt) 


Dienstag, 24. Januar 2017

"Sabbat-light" und die Decke der Gnade

Eigentlich bin ich nicht der Typ der das Jahr mit vielen neuen Vorsätzen beginnt. Aber dieses Jahr gibt es etwas was ich gerne lernen möchte. (mit der Unterstützung von Heio) Die Sache ist mittlerweile von einer schönen Option zu einer dringenden Notwendigkeit geworden. Es geht um den Ruhetag in der Woche, der Tag der dazu da ist um Dinge liegen zu lassen, bewusst los zu lassen, Schönes anzuschauen und Gutes zu genießen. Sabbat.(oder eben der Sonntag) Weil unsere Sonntage oft ein bisschen voll sind haben wir auch schon überlegt ob wir den Sabbat nicht einfach auf einen gewöhnlichen Wochentag verschieben, aber es klappt irgendwie nicht. Mir hilft es, dass am Sonntag die Straßen ruhig sind, die meisten Läden geschlossen haben, die Kirchenglocken läuten und die Menschen die uns begegnen ein bisschen mehr schlendern als rennen. Also der Sonntag.

ruhige Straßen (zumindest auf dem Dorf)

Ich merke immer mehr wie sehr ich so einen Tag brauche! Es ist kein bloßes Gesetz das Gott seinem Volk aufgeladen hat – es steht in tiefem Zusammenhang mit dem natürlichen Rhythmus unseres Lebens: Einatmen Ausatmen. Ruhen. Arbeiten. Tun und lassen.

Heute morgen habe ich zum ersten Mal ganz bewusst den zweiten Teil des Sabbatgebots gelesen: 
Sechs Tage sollst du arbeiten, aber am siebten Tag sollst du ruhen; auch in der Zeit des Pflügens und in der Ernte sollst du ruhen. 2.Mose 34,21-22
Ich bin auf dem Land aufgewachsen und weiß wenigstens so viel über die Landwirtschaft: Die Zeit des Pflügens und der Ernte ist die Zeit in der richtig viel zu tun! Man muss das gute Wetter nutzen, es geht um den Ertrag für den man das ganze Jahr arbeitet. Und Gott, der seine Menschen so gut kennt, haut hier gleich die Bremse rein. Er weiß: gerade in diesen vollen Zeiten des Lebens brauchen wir Augenblicke der Ruhe um nicht kaputt zu gehen.

Das Leben ist immer, immer eine Baustelle. Mal größer, mal kleiner.
Vieles im Leben wird nie mehr als halb fertig. Es ist deshalb klug eine Deadline zu haben die nicht „fertig“ heisst... Alles was „schnell noch fertig werden muß“, hat die Tendenz, etwas nach sich zu ziehen das auch „schnell noch fertig werden muß“. Und ehe man sichs versieht, hat man einen Lebensstil angenommen, den man unmöglich auf lange Sicht durchhalten kann. (Tomas Sjödin)


Ich habe oft versucht am Sonntag schon mal ein paar Dinge zu erledigen, damit die neue Woche nicht so voll beginnt: Ein bisschen aufräumen hier, einmal Wäsche abhängen und die Spülmaschine noch ausräumen da... Das hatte zu Folge, dass ich Montags schon total aus der Puste war und den gewonnenen Vorsprung überhaupt nicht nutzen konnte. Tomas Sjödin schreibt dazu:
Es ist klug die Ruhe an den Anfang zu setzen. Niemand weiß was der morgige Tag bringt. Deshalb ist es gut, ihm mit einer gewissen Kraftreserve entgegenzusehen.



Und etwas geschieht in mir wenn ich zur Ruhe komme: Ich erinnere mich daran, dass ich mich mehr auf Gottes Kraft verlassen will, als auf meine eigenen. Und ich sage mir, dass mein Beitrag auf dieser Welt nicht unersetzlich ist.  Dass ich auch mal alles liegen lassen kann und die Welt dreht sich weiter.

 

Wenn wir es unterlassen, uns in die Welt einzumischen, erkennen wir an, dass die Welt Gott gehört.“                                                   Moishe Konigsberg



Ich weiß, das klingt theoretisch gut. Aber wenn man zum Beispiel kleine Kinder hat oder Wochenenddienste dann ist das ja nicht so einfach. Da sind es vielleicht die kleine Zeitfenster der Ruhe.(beim Stillen, oder in der Bahn zur Arbeit...) Das Leben braucht flexible Lösungen! :-) Hier also unser „Sabbat-light-Model“ - das wir versuchen wollen:

Samstag 19 h ist der entscheidende Moment: ich will ich aufhören zu putzen, aufzuräumen und „schnell noch was erledigen“: Wir zünden eine Kerze an und freuen uns: Jetzt kommt der Sonntag. (vielleicht finden wir ja noch ein Lied oder so, bisher ist es einfach die Kerze die dann den Rest des Abends brennt)




Über die Dinge die noch in der Wohnung verstreut sind (besonders von den zwei männlichen Mitbewohnern) und die mich stören könnten will ich  eine „Decke der Gnade“ legen. Wie gut, dass wir viele Decken in der Wohnung haben!



sieht gut aus, oder? :-)

Am Sonntag wollen wir immer wieder sagen: Wie gut, heute ist Sonntag! Keine Kita. Mama hat keinen Putzwahn. Es gibt ein einfaches (am besten aufgewärmtes) Mittagessen. Und wir machen ein bisschen was schönes zusammen.



Tanzen in der Küche

bei Kälte um die Wette rennen

Geburtstagskaffe bei Oma (die kann backen, sag ich euch!!!)

Zeit um das Lieblingsbuch vorlzuesen


Der Gottesdienst gehört für uns auch dazu. Und er soll immer weniger ein „zusätzlicher Programmpunkt“ sein, sondern gemeinsames Feiern. Auch wenn wir etwas dazu beitragen und mitmachen – ich will lernen auch hier die Freude des Sabbats mit reinzunehmen. Ich sage zusammen mit meinen Weggefährten: Jesus - die Welt gehört dir. Wir feiern, dass wir geliebt sind ohne, dass wir etwas dafür tun müssen. Wir feiern, dass Jesus wie eine ausgebreitete Decke der Gnade über unserem Leben liegt.
Im Anschluß sitzen wir beim Essen zusammen und ich versuche nicht schon daran zu denken wer abspült, sondern in die Gesichter zu schauen. DA sein. Dankbar sein für das was ist.


Und abends – das ist auch eine ziemliche Herausforderung – will ich versuchen den Ruhetag nicht mit einem Mord zu beenden. Damit meine ich nicht den abendlichen Streit mit Heio (den will ich auch weglassen, wenn möglich) sondern meinen geliebter „Tatort“. Der fällt seit einigen Wochen aus oder wird auf einen anderen Abend der Woche verschoben (der Mediathek sei Dank!). Wir können stattdessen in Ruhe die Termine für die kommende Woche anschauen (was kommt auf uns zu, wer macht was...), mit einem kurzen Seufzer-Danke-Gebet alles in Gottes Hand legen und vielleicht ab und zu eine Runde spielen. Gestern haben wir Scrabble gespielt. Das war schön - obwohl ich verloren habe!


Samuel hat heute morgen weiter gespielt - das sind seine wichtigsten Worte  (Nathan ist der beste Freund)

Das klingt vielleicht ein bisschen sehr nach heiler-Sonntagswelt. Glaubt mir: Die Realität ist ganz weit davon entfernt! Aber wöchentlich ein bisschen feiern und durchatmen, mittten im Chaos des Lebens einen Rhythmus der Gnade finden, das wollen wir lernen.

Eine Kerze anzünden und ein selbst verordneter Putz-Stopp.
Eine Decke der Gnade über alles was halb fertig ist und rumliegt.
Ein längerer Blick auf das werfen was wir lieben wollen.
Ein Mord weniger.
Eine kurze Zeit um bewusster die Tage anzuschauen die vor uns liegen
Ein bisschen mehr Zeit zum Tanzen und Spielen.     

Alles das ist weit weg vom jüdischen Sabbatmodell. Aber es ist etwas was wir vielleicht schaffen können. Eine kleine Saat. Wir so vieles im Leben. Und ich freue mich schon ein bisschen auf das Kerze anzünden am Samstag. 

Hat jemand Lust mitzumachen?

Montag, 16. Januar 2017

Ein Sandwich, stehende Tiefe und ein klarer Verstand


Neulich habe ich einen tollen Artikel von Megan Gahan im shelovesmagazin gelesen. Sie berichtet von  den Grenzen ihrer Kraft,  (darn it, I`m a short cup!) und darüber dass sie besonders volle Tage in ein "sanity sandwich" packt - was soviel heisst wie: ein Sandwich, dass sie davor bewahrt den Verstand zu verlieren.  Praktisch sieht das so aus: besonders volle und anstrengende Tagen versucht sie zwischen zwei ruhigere Tage zu packen. Egal ob es ein toller Ausflug oder ein schwieriger Termin ist: sie hat festgestellt dass es ihr, und auch ihren Kindern, gut tut dieses "sanity sandwich" einzuplanen.  


Das ist ein total hilfreicher Gedanke für mich, um nicht ständig über meine (leider etwas kleine = short cup) Kraft zu planen. Ganz ehrlich: einfach mit Samu nach der Kita zu Hause rumhängen tut uns beiden zur Zeit richtig gut. Nicht nur wenn es im Anschluß von einem stressigen Tag ist, sondern auch um mein Herzrasen zu beschwichtigen, das immer dann auftaucht wenn ich versuche zu viele Wörter zu schreiben um mein Manuskript fertig zu bekommen. Ich muss dann dringend die Finger vom Computer lassen, das Handy zur Seite legen, sogar gute Bücher sind zu viel - am besten einsam über ein Feld gehen oder mit Samu Stau  spielen. Das ist sehr meditativ! Man bekommt nur ein Auto das sich alle 5 Min. ca einen halben Zentimeter vorwärtsbewegt. (Aber wehe man geht kurz weg oder ist unaufmerksam: tausend hupende Autos hinter einem!)


Außer schreiben und nach Samu schauen bekomme ich zur Zeit nicht wirklich viel hin. Ab und zu packt mich deshalb so richtig das schlechte Gewissen. Ich denke ich sollte mich öfters bei meinen Freunden melden, Dankesbriefe für die ganzen Weihnachtskarten schreiben, Schränke ausmisten, mir Samus zukünftige Grundschule anschauen, die Patchwork-Decke weiternähen (ich werde mein erstes und einziges Nähprojekt niemals fertig bekommen, das weiß ich!) oder wenigstens den Dreck unterm Schuhregal wegfegen.  Alles das schaffe ich gerade nicht. Stattdessen: "Sanity-sandwich- Tage". Manches wird verschoben, eine kurze SMS ersetzt einen Anruf, ein Fürbittegebet am Abend ein Treffen mit einer Freundin. Und ich brauche den "Sanity-Abend", ohne Internet und Ferseher und gutem Buch, um mein Herz bei Jesus zu beruhigen. 

Letzte Woche habe ich Heio auf seine Frage wie es mir geht geantwortet: "Ich bin irgendwie so unruhig, ich weiß gar nicht ob es mir gut geht oder nicht!"  Also dringend Zeit für einen "Sanity-Abend". Und in der Stille vor Jesus wurde mein Herz so dankbar. Ich dachte mir: Schau dich nur an, wieviel Gutes!!! Ich sehe uns zu wie wir beim Frühstück sitzen und sage zu Heio: "Schau uns an! In ein paar Jahren werden wir wehmütig auf diesen Moment zurückblicken und sagen: weißt du noch? In unserer kleinen, warmen chaotischen Wohnung? Mit Samu am Frühstück? Wie schön war das! Und jetzt sitzen wir hier veramt im Obdachlosenheim."  Ok, letzteres war natürlich nur Spaß (hoffentlich Gott!) aber den ersten Teil meine ich ernst.

Ich habe neulich den Begriff  stehende Tiefe gehört. Das ist anscheinend so ca. zwei Meter unter der Oberfläche des Meeres. Hier ist ruhiges Wasser, egal wie oben die Wellen toben. Die stehende Tiefe meines Lebens, zu der ich immer wieder gelangen will, ist die Dankbarkeit. Um in diesen tieferen Bereich zu kommen helfen mir langsame Nachmittage, ein stiller Abend, ein ruhiger Blick von außen. Es hilft mir mein Herz zu beruhigen, mich nicht angetrieben zwischen den Wellen hin und her zu kämpfen, unzufrieden mit mir und allem was mir begegnet. Es hilft mit einen klaren und gesunden Verstand ( = sanity) zu bekommen. Ich schaue wie durch ein Fenster auf mein Leben und sage: DANKE Jesus.






Dienstag, 10. Januar 2017

Schatzkiste 2016

Dieses Jahr habe ich es noch nicht geschafft einen ausführlichen Jahresrückblick zu machen. Mal schauen ob es mir noch gelingt. Trotzdem will ich hier nochmal ein paar Schätze anschauen die ich im vergangenen Jahr gefunden habe (völlig unvollständig, einfach das was mir gerade einfällt! )

Teelicht sein

Eine Buchveröffentlichung, Lesungen....viele aufregend neue Dinge sind passiert. Mehr als ich mir erträumt hab, mehr als ich manchmal bin...  Ich schwanke oft zwischen Selbstzweifeln und Selbstüberschätzung. (letzteres besonders was meine Kraft angeht) Da hilft mir der Satz, den mir neulich eine Freundin sagte: "Christina, es gibt zwei gute Nachrichten: Es gibt einen Messias und du bist es nicht.“ Ach ja. Gut zu wissen dass ich einfach jemand bin der mit Jesus unterwegs ist. Mehr muß ich nicht sein. Zeuge von dem Licht, aber nicht das Licht (Joh.1 ) Und mit ihm verwechselt zu werden ist dann doch so unwahrscheinlich wie ein Teelicht für die Sonne zu halten. Mich immer wieder in die Sonne zu legen und mich von Jesus lieben zu lassen und dann mein kleines Licht mutig leuchten zu lassen - das war immer wieder Herausforderung und Schatz im letzten Jahr.



 

 

Just a kiss - liebste Urlaubsgeschichte

Ich bin dankbar für viele wunderbare, blogschreibende Frauen. So viele Schätze im letzten Jahr! Danke euch allen! Ein  kleines Urlaubserlebnis auf Sonjas schönem Blog ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Vielleicht hat mich gerade das Einfache daran berührt. Gott kümmert sich um den Ferienbatzen eines kleinen schweizer Buben - das zeigt mal wieder seine Größe! (und mit „Batzen“ hab ich auch ein neues schweizerisches Wort gelernt! Grüezi ihr lieben Schweizer!!!)


 

 

Bester Sommerabend

Und das war unser Batzen: Wir wussten, dass ein finanzieller Engpass auf uns zukommt. Ich machte mir natürlich ein wenig Sorgen, betete und notierte mir in meinem Tagebuch einen Zuspruch von Gott, dass er uns versorgen würde. Ich schreibe solche Dinge immer mit dem leisen Zweifel auf ob Gott das wirklich sagt oder ich mir das nur wünsche. Ein paar Tage später: Freunde drücken uns, nach ihrem Besuch in unserem Garten, einen Briefumschlag in die Hand mit den Worten: "Wir haben gebetet und wollen euch das von Gott geben." Der Umschlag war voller Geldscheine - mehr als genug um das finanzielle Loch zu stopfen!!! An diesem Abend erlebte ich eine feste Umarmung Gottes der mir durch unsere großzügigen Freunde sagt: "Ich sehe euch. Ich vergesse euch nicht! Und was ich verspreche, das halte ich auch ein." Ich saß lange Zeit einfach fassungslos und voller Staunen über Gott auf unserem Sofa. Definitiv mein bester Sommerabend. 



 

 Beste Version von mir

Es waren immer noch so viele Tage mit wenig Kraft. Das mag an der Migräne liegen, an jahrelangem „über die Grenzen gehen“ oder einfach auch daran, dass ich älter werde. Ich versuche langsam nicht mehr auf den Moment zu warten in dem ich kraftvoll und stark aufwache und Bäume ausreissen könnte. Stattdessen versuche mich damit zu versöhnen, dass ich keine "Power-Frau" bin. Dass ich nicht immer die beste Version abliefern muß - eine blank geputzte Wohnung, engagierte Mama,  aufmerksame Freundin... Manchmal steht das Supereffektive dem Eigentlichen im Weg, schreibt Tomas Sjödin. Ach ja, das Eigentliche. Langsamer werden, empfangen, sich lieben lassen, lieb haben, anschauen was uns froh und lebendig macht. Und manche Dinge blühen erst auf  wenn wir ein paar Zeichen leer lassen. Wer wir einfach nur sind.  Und vielleicht wächst genau da die beste Version von uns....



 

Weggefährten

Ich schreibe in den letzten Monaten an einem Buch über Gemeinde (Arbeitstitel: Warum ich da noch hingehe. Die Kirche, Jesus und ich) und während die Seiten sich füllen, füllt sich mein Herz mit Dankbarkeit für meine Weggefährten. In einem meiner Lieblingsbücher des Jahres (Danke Veronika!) lässt Wendell Berry die Protagonistin HannahCoulter sagen:  

Die Liebe die wir in dieser Welt erleben, wächst nicht aus der dünnen Luft. Es ist nichts was wir uns einfach überlegen. Wie wir selbst wächst sie aus dem Boden. Sie hat einen Körper und einen Ort.    

In meiner kleinen (und im letzten Jahr noch kleiner gewordenen) Gemeinschaft erlebe ich genau das: Liebe die einen Körper und einen Ort hat. Manchmal anstrengend und herausfordernd und doch etwas vom Besten was mir passieren konnte.
Dazu passt auch eins meiner liebstes Bilder vom letzten Jahr: Eine Taufe für die mit ich ins Wasser der kalten Rems (war es die Rems?!)  gestiegen bin. Wenn ich in dieses strahlende Gesicht meiner Weggefährtin schaue, dann höre ich Gottes Wort über uns: „Du sollst leben!“ und ich erkenne zunehmend kleine Zeichen der Auferstehung unter uns.



 

Eine Schatzkiste als Weihnachtsmail

Zu Weihnachten bekam ich eine Rundmail von Travis, die er auch auf seine homepage the work of the people gestellt hat. Es ist seine Schatzkiste aus seinen vielen Inteviews im letzten Jahr. Wer englisch kann dem empfehle ich sich in Ruhe ein viertel Stunde Zeit zu nehmen, seinen Text zu lesen und sich diese kleine Filmmontage anzuschauen  (you can`t duct fake fruit to a tree). Danke Gott für Menschen die einfach anderen zuhören und uns damit segnen.


 

Ein Wort wie ein Felshaken

2016 war auch ein Jahr voll mit vielen schlimmen Nachrichten aus der Welt. Ein tröstliches Wort im Blick auf die großen Krisen und für meine kleinen  "Furchtmacher" im Alltag ist das was Jesus zu Jairus sagt, der fürchtet, dass er gerade die schlimmmste Nachricht seines Lebens erhalten hat. Einfach diese zwei Sätze: 

Fürchte dich nicht. Glaube nur. (Markus 5,37) 

Frederick Buechner schreibt darüber, dass Jesus ihm vielleicht damit vor allem sagen will: 

Glaube nur, dass du dich nicht fürchten musst! 

Dieser Satz, von Jesus, in den verzagten Stunden, in unsere Selbstzweifel und Fragen, finde ich unglaublich tröstlich. Ein Satz wie ein Felshaken, den ich an Jesus festmachen kann. - mein Fels in der Brandung.


So. Das war meine kleine, völlig unvollständige Schatzsammlung 2016. 

Jetzt geht die Suche weiter im neuen Jahr. Unsere Schätze liegen meistens oft ganz versteckt, mitten im Acker. Wir graben auf dem Boden auf den Gott uns gestellt hat, wir machen uns die Hände dreckig und immer mal wieder halten wir einen Tag, einen Moment ein Wort, eine Begegnung... jubelnd in den Händen und rufen: "Her mit der Schatzkiste! Ich hab etwas gefunden!" Bewahren wir die kostbaren Funde und graben wir weiter. Im Vertrauen dass der Boden auf dem wir stehen gutes Land ist.  





Und dass du dir die Zeit nimmst hier zu lesen - das gehört auch zu meinem Schatz. Danke!