Dienstag, 12. Dezember 2017

Adventszeit in Überlänge

Es ist wie jedes Jahr: die vier Wochen vor Weihnachten rasen im Hause Schöffler nur so dahin. Wie im Zeitraffer werden die Kerzen am Kranz angezündet und am Ende der Adventszeit ist meistens noch sehr viel Wachs übrig.  Heio ermahnt mich jedes Jahr, die Kerzenreste nicht wegzuwerfen, weil der Mann das Wachs wiederverwenden kann. Inzwischen hat er aber so viel davon angesammelt, dass wir locker die Stuttgarter Stifskirche in Wachs gießen könnten. In Originalgröße. Ach ja, ein bisschen aussortieren wollte ich auch noch vor Weihnachten, und ein besinnliches Kaffetrinken mit den Nachbarn wäre auch noch schön, und für unseren Sternenmarkt möchte ich auch noch was besonderes basteln, und ich würde Samuel so gerne ein paar der alten und wunderschönen Weihnachtslieder beibringen, und die eine oder ander Weihnachtskarte könnte ich doch auch noch schreiben... ach ja, wie jedes Jahr sind diese vier Wochen völlig überfordert damit, die ganzen guten Dinge unterzubringen, die ich gerne hätte!
Dinge. Ja, Dinge kann man stopfen und stapeln, auch wenn man schon auf dem Zahnfleisch daherkommt. (stimmt, einen Zahnartztermin hab ich vor Weihnachten auch noch!) Aber Wachstum braucht Zeit. Und wir Menschen gehören in diese Kategorie. Das Baby in der Krippe kann uns was darüber sagen. Es wird langsam aufwachsen. Tasten. Staunen. Erste Worte sagen. Den Eltern gehorchen lernen. In der Werkstatt bei Vater helfen. Verwandte besuchen. Jüdische Lieder hören und Schriftworte auswendig lernen. Die Gegend erkunden. Alles zu seiner Zeit. Und es wird ganze dreißig Jahre dauern, bis der Messias sein erstes öffentliches Wort sprechen wird. Dreißig Jahre!!! Und wenn man die Bibel anschaut, dann kann man nur sagen: Gott scheint eine Vorliebe für Geschichten zu haben die sich langsam entwickeln.  Kein himmlisches Speed Dating. Kein Crashkurs in Sachen geliebt werden. Kein 5-minütiges Tutorial über gute Beziehungen. Der ewige Gott nimmt sich Zeit! Seine Geschichten haben alle Überlänge. Mindestens. Director`s Cut. Und eine Frau wie ich, die mit 40 Jahren geheiratet hat, mit 42 ihr Neugeborenes im Arm hielt und mit 44 anfing Bücher zu schreiben, sollte das eigentlich wissen.
 
Ich wünsche uns allen, dass wir ein bisschen mehr vertrauen in die längeren Zeiträume haben. 

Samuel kann ja auch nächste Jahr noch Weihnachtslieder lernen, oder das Jahr danach, oder im Sommer, wenn wir faul im Garten liegen. Und eine überraschender Brief im Frühjahr wird vielleicht mehr Freude auslösen als die zehnte Weihnachtskarte die man aus dem Briefkarten fischt. Und der besinnliche Adventskaffee mit den Nachbarn wird zum Wintergrillen nach Weihnachten, wenn genügend Schnee im Garten liegt.

Geben wir dem Leben ein bisschen mehr Zeit.

Der Beziehung, die gerade so verfahren aussieht.

Dem Kind, das die Dinge ein bisschen langsamer angeht, als andere. 

Der Gemeinde, die gerade durch schwierige Zeiten geht. 

Dem geliebten Menschen, der im Moment keine so guten Entscheidungen trifft.

Dem Herzenswunsch, der erst in einer anderen Jahreszeit aufwachsen kann.

Gottes Geschichten ereignen sich über lange Zeiträume. 

Nach vier Wochen ist seine Ankunft lange nicht verpasst. 

Er kommt uns auch im neuen Jahr entgegen. 

Das Licht seiner Gegenwart brennt weiter. 

So lange, bis er wiederkommt. 


Kommentare:

  1. Danke :) Das macht mir Mut.
    Liebe Grüße
    Maria

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    1. Danke Maria! Grüße zurück und hoffnungsfrohe Weihnachtstage!
      (Gott ist nichts unmöglich!)

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  2. Danke für deine Worte!! ♡

    LG Melanie

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  3. Liebe Christina!
    Herzlichen Dank für deine Worte!! Sie kamen genau im richtigen Moment. Auch ich habe immer so hehre Vorstellungen, was ich alles möchte im Advent. Und erstens kommt es anders,.....!
    Das stimmt, mit dem Ende des aktuellen Jahres ist nicht plötzlich alles zu spät. Nein, es geht weiter, der Weg geht weiter, immer weiter. Das tut so gut, bei Gott gibt es kein zu spät, weder in Bezug auf den Advent noch in Bezug auf unerledigte ToDo Listen. Wer sagt mir eigentlich, dass etwas so oder so sein muß?! So will ich mich in Gelassenheit üben. Und meinen Kopf aus dem 2017 Fenster herausstrecken in freudiger Erwartung von 2018.
    Herzliche Grüße,
    Petra H.

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    1. Wie schön Petra: den Kopf aus dem 2017 Fenster heruastrecken in freudiger Erwartung von 2018. Danke für diese mutmachenden Worte! Ich wünsche Dir Segen fürs neue Jahr und überraschende wunderbare Begegnungen....

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  4. Schreibst du von mir, wenn du schreibst, dem Leben Zeit zu geben? Es fühlt sich sehr danach an. Gott redet, spricht mich an, berührt mich tief in meinem Herzen, meiner Seele. Gut, dass meine Zeit in seinen Händen steht, dass ich mich nicht um das morgen sorgen muss, auch wenn es dunkel wirkt, sein Licht ist leuchtet, hell genug für den nächsten Schritt. Und das ist genug. Kerstin

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    1. Das freut mich, liebe Kerstin. Ich wünsche Dir Segen udn Zuversicht für den nächste Schritt. Und das fiedvolle Vertrauen, dass das genug ist. Frohe Weihnachten Dir!

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  5. Danke, danke, danke! Dieses Vertrauen in die längeren Zeiträume, das brauche ich und das will ich! Sei fest umarmt!

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    1. Danke liebe SOnja. Umarmung zurück und FORHE WEIHNACHTEn für euch!!!

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  6. Hallo liebe Christina, ich hatte gestern schon hier geschrieben, aber irgendwie erscheint der Post nicht? Ich hoffe, es kommt jetzt nicht alles doppelt!
    Ich wollte Dich fragen, ob Du zum Thema Bücherschreiben ein Seminar besucht hast oder eine Buchempfehlung hättest. Ich würde vielleicht irgendwann gerne mal meine Geschichte erzählen und weiß aber gar nicht, wie man so etwas angeht. Vielen Dank und eine gesegnete Adventszeit für Dich und Deine Familie. Fiona

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    1. Hallo Fiona. DAnke fürs zweimal Schreiben. Ich war auf keinem Seminar (hätte ich vielleicht mal machen sollen:-)). Bücher übers Schreiben habe ich viele gelesen. Eins der Besten für mich ist das Buch Bird by Bird von Anne Lamott. (gibt es glaub nur noch secondhand und teuer auf deutsch). Der wichtigste Hinweis für mich: Finde "deine eigene Stimme" beim Schreiben. Merkt man gut, wenn man sich den geschriebenen Text laut vorliest und sich fragt(oder jemand der einen gut kennt):bin ich das? Ich glaube darum geht es vor allem. Unsere Stimme zu finden. Und die Geschichte zu erzählen die in uns brennt. Das Werkzeug zum feilen und polieren lernt man dann auf dem Weg. (gut dafür zum Besipiel von Clark: Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben). Und VIEL LESEN! Gute Bücher die dich inspirieren. Das wären meine bescheidenen Tipps. Ich bin ja selbst am Anfang mit dem Lernen.... Wünsche Dir Segen und FORHE WEIHNACHTEN!!!

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    2. Danke, liebe Christina. Und Euch auch ein wunderbares Fest.

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